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Die NSA-Affäre weckt das Interesse am Informatikstudium


Das Gespräch führte FRIEDERIKE LÜBKE

Christian Brosch über wachsende Erstsemesterzahlen in der Informatik.

Die NSA-Affäre weckt das Interesse am Informatikstudium© Christian BroschChristian Brosch ist Geschäftsführer des Departments Informatik an der Uni Erlangen-Nürnberg
DIE ZEIT: Die Zahl der Erstsemester in Informatik ist nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Studienjahr 2013 gestiegen, in Ihrem Bundesland Bayern sogar um rund 11 Prozent.

Christian Brosch: Das stimmt. Schon zur Halbzeit der Anmeldefrist hatten sich mehr Studenten eingeschrieben als im letzten Jahr. Das war eine Überraschung, denn der Doppeljahrgang kam in Bayern im Sommersemester 2011 und im Wintersemester 2011/12 an die Hochschulen. Das heißt, er müsste im Wesentlichen durch sein.

ZEIT: Das Problem war bisher hauptsächlich, Frauen für Informatik zu gewinnen. Zahlen sich die Mint-Initiativen, mit denen man für naturwissenschaftliche Fächer werben wollte, jetzt aus?

Brosch: Ein Teil der Neuzugänge in der Informatik bei uns sind tatsächlich Frauen, 33 von 204 Studierenden. Das ist sehr begrüßenswert. Technikpraktika für Mädchen und den Girls Day gibt es ja schon lange. Bisher hat das immer nur mäßigen Erfolg gebracht, aber vielleicht trägt es jetzt erste Früchte. Oder es liegt am Schulfach.

ZEIT: In Bayern gibt es seit der Umstellung auf G 8 Informatik als Pflichtfach an naturwissenschaftlichen Gymnasien.

Brosch: Das hat sicherlich Einfluss auf die Wahl des Studienfaches. Denn wir stellen seitdem fest, dass auch die eine oder andere Studentin das Fach schon in der Schule kennengelernt hat, sich mehr darunter vorstellen kann und es deshalb auswählt. Was die Berufsentscheidung betrifft, sind es meist die Schulen, die prägen. Oder das Elternhaus.

ZEIT: Aber Sie veranstalten auch als Hochschule Infotage. Warum?

Brosch: Was immer wieder auffällt, ist, dass die Schüler wissen wollen: Was mache ich als Informatiker? Und darauf versuchen wir eine Antwort zu geben. Und wir stellen Erfolge heraus. Einer unserer ehemaligen Studenten arbeitet jetzt bei Disney, er hat für den Film Rapunzel einen Algorithmus für das Oberflächen-Rendering entwickelt. Ein anderer hat sich für seine Doktorarbeit mit Wassersimulationen beschäftigt und das dann in dem Katastrophenfilm 2012 angewendet. Er hat dafür den Technik-Oscar gewonnen.

ZEIT: Also Sie werben, indem Sie sagen: Wenn ihr bei uns Informatik studiert, landet ihr beim Film ...

Brosch: Ob man es so weit bringt, hängt natürlich von den Fähigkeiten ab. Aber bei all den Unsicherheiten, die Schülerinnen und Schüler in Bezug auf das Berufsbild haben, ist das eine Möglichkeit, die man aufzeigen kann. Ich glaube, gerade bei den Mädchen hat die Informatik ein falsches Image, und das wird sich sicher nicht von heute auf morgen ändern. Aber wir wären froh, wenn sich der jetzt einsetzende Trend fortsetzen würde.

ZEIT: Was glauben Sie, woher er kommt?

Brosch: Was vielleicht eine Rolle spielt, ist die Berichterstattung in den Medien. Da geht es ja immer öfter um Themen, die Informatik beinhalten: die NSA-Affäre, Datenschutz, IT-Sicherheit. Vielleicht weckt das auch ein Interesse, die Hintergründe zu erforschen.

Aus DIE ZEIT :: 12.12.2013