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Nur gute Zusammenarbeit führt zum Ziel


Von Eva C. Leweke von Karen Schmidt

Um die Anmeldung gleicher Stoffe unter Reach zu harmonisieren und die Zahl der Tierversuche zu minimieren, gibt es für jeden Stoff ein Forum zum Informationsaustausch. Grundlage einer erfolgreichen Arbeit darin sind Beharrlichkeit, Transparenz und gute IT-Werkzeuge.

Nur gute Zusammenarbeit führt zum Ziel© kristian sekulic - iStockphoto.comGrundlage einer erfolgreichen Arbeit sind Beharrlichkeit, Transparenz und gute IT-Werkzeuge
Hauptaufgabe eines Forums zum Informationsaustausch unter der europäischen Chemikalienverordnung Reach (substance information exchange forum, Sief) ist es, sich über Stoffdaten auszutauschen, über die Kennzeichnung des Stoffes abzustimmen und ihn gemeinsam zu registrieren. Die erste Registrierungsfrist ist seit Dezember letzten Jahres abgelaufen. Bis zum 30. November hatte die europäische Chemikalienagentur Echa 2921 Phase-in-Stoffe, die meist schon länger auf dem europäischen Markt vorhanden waren, mit 17075 Dossiers registriert.1,2)
Im Durchschnitt arbeiteten also sechs Unternehmen an einer Registrierung. Das Konzept der Echa, dass bei gleichen Stoffen Unternehmen gemeinsam registrieren sollten, ging auf: Mehr als 90 Prozent der Stoffe wurden als gemeinsame Einreichung registriert. Nach Abschluss der Reach-Vorregistrierung im Dezember 2008 ordnete das Softwaresystem der Echa, Reach IT, Stoffe mit derselben chemischen Bezeichnung dem gleichen Prä-Sief zu, das ein Sief vorbereiten sollte. So bildeten etwa 65 000 Unternehmen 150 000 Prä-Siefs.3) Das waren viel mehr als erwartet, denn um die Übergangsfristen bis zur Registrierung zu wahren, registrierten Unternehmen Stoffe vorsorglich.

Vom Prä-Sief zum Sief

Sobald die Prä-Sief-Teilnehmer übereinkommen, dass ihr Stoff nach Reach identisch ist, gilt ein Sief als gebildet und bleibt entsprechend der Reach-Verordnung bis zum Juni 2018 aktiv. Moderatoren (sief formation facilitators, SFF) sollen den Übergang vom Prä-Sief zum Sief initiieren und koordinieren. Jeder Prä-Sief sollte einen SFF erhalten. Dafür konnten sich Vorregistranten eintragen. Dem ersten übertrug Reach IT dann systemtechnisch die Rolle des SFF. Häufig nutzten Beratungsunternehmen dies und trugen sich ein, ohne eigene Stoffe registrieren zu wollen, weil sie sich im Zusammenhang mit Reach Aufträge erhofften. Einige kamen dann aufgrund ihrer zahlreichen SFF-Positionen den Aufgaben zur Sief-Bildung nicht nach und behinderten so bei betroffenen Prä-Siefs die Bildung von aktiven Siefs.

Da die Reach-Verordnung einen SFF nicht vorsieht, übernahmen in diesen Fällen Sief-Mitglieder die Aufgaben des SFF. Im Idealfall war dies der zukünftige federführende Registrant. Er ist verantwortlich dafür, das gemeinsame Stoffdossier zu erstellen, mit den Mitregistranten abzustimmen und es als Erster bei der Echa einzureichen. Die anderen Registranten brauchen nur ihren unternehmensspezifischen Teil nachzureichen. Die unerwartet hohe Zahl der Vorregistrierungen macht die Arbeit in den Siefs besonders herausfordernd: Organisation, Arbeitsabläufe und Kommunikation müssen die Teilnehmer ohne Unterstützung der Echa festlegen und umsetzen. Bis zu 5000 Vorregistranten kamen in einem Prä-Sief vor. Deshalb und weil anfangs geeignete IT-Werkzeuge fehlten, um miteinander zu kommunizieren und Stoffdaten auszuwerten, war dies diskussions- und zeitintensiv.

Aktiv, passiv, schlafend

Um rasch einen Überblick über die Interessen der Prä-Sief-Mitglieder zu bekommen und so den Start der Registrierungsarbeiten zu beschleunigen, führte der Verband der Europäischen Chemischen Industrie Cefic Anfang des Jahres 2009 den Sief-Code ein: 1 = federführend, 2 = an intensiver Mitarbeit interessiert, 3 = passiv, daran interessiert, das Dossier später zu kaufen, 4 = schlafend, an einer Registrierung nicht interessiert. Oft bilden sich aktiv an der Registierung arbeitende Gruppen aus Mitgliedern mit Code 1 und 2. Mitglieder mit Code 3 treten häufig nach Fertigstellung des Dossiers in Erscheinung und erwerben Zugriffsrechte auf den gemeinsam einzureichenden Teil des Dossiers.

Konsortien

Sief-Teilnehmer können zusammenarbeiten, indem sie ein Konsortium bilden. Die Reach-Verordnung verpflichtet aber nicht dazu. Mehrere Konsortien je Sief oder Sief-übergreifende Konsortien sind denkbar. Die Praxis zeigt aber: Für eine erfolgreiche gemeinsame Registrierung ist es nicht notwendig, dass alle potenziellen Registranten Mitglied eines Konsortiums werden. Häufig ist es zielführender, wenn sich nur eine kleine Gruppe zusammenschließt (oft Sief-Code-2-Mitglieder), der federführende Registrant (Sief-Code 1) das Dossier erstellt und die Konsortialpartner ihn dabei unterstützen. Anschließend können Code-3-Mitglieder die Zugriffsrechte auf das gemeinsame Dossier erwerben.

Gut informiert ist halb registriert

Für eine erfolgreiche Arbeit ist es aufgrund der oft hohen Mitgliederzahl und der heterogenen Zusammensetzung der Siefs wichtig, pragmatische Lösungen zu finden. So schaffen regelmäßige Informationen des federführenden Registranten über den Stand der Registrierung an Sief- bzw. Prä-Sief-Teilnehmer Transparenz und verhindern unnötigen E-Mailverkehr. Rückfragen zu Verwendungen, die im Dossier abgedeckt sind, Diskussionen über Kosten und Datenteilung lassen sich damit vorbeugen. Dann lässt sich der gemeinsame Teil des Dossiers für alle reibungslos verkaufen.


Über die Autorinnen
Eva C. Leweke, promovierte Biologin, ist Director Reach bei Lanxess im Chempark Leverkusen. Über ihre Erfahrungen in Siefs und Konsortien spricht sie beim Forum Produktsicherheit der Chem-Academy am 24. Januar in Köln. eva.leweke@lanxess.com
Karen Schmidt, promovierte Chemikerin, ist bei Lanxess in der Projektleitung Reach.


Hinweise und Literatur
1) Gemäß Reach-VO (EG) 1907/2006, Art. 3 (20).
2) Leitfaden zur Identifizierung und Bezeichnung von Stoffen unter Reach (Guidance for identification and naming of substances under Reach).
3) www.echa.europa.eu


Aus Nachrichten aus der Chemie» :: Januar 2011

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