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Nur Verlierer

Von JAN-MARTIN WIARDA

Es ist sinnlos, Stipendien und Bafög gegeneinander aufzurechnen.

Nur Verlierer© fmatte - Photocase.comBreite versus Exzellenz? Aber auch unter BAföG-Empfängern gibt es Exzellenz!
Ist es nun ein Ausweis solider Bildungspolitik, dass die Begabtenförderwerke 2011 trotz Wirtschaftskrise mehr Geld vom Bund bekommen sollen als 2009, wie Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) betont? Oder kommt der Etat einem Kahlschlag gleich, wie SPD-Expertin Ulla Burchardt die Kürzung von 30 Prozent gegenüber 2010 nennt?

Auf jeden Fall ist es eine Nachricht, die inmitten des empörenden Bafög-Hickhacks zwischen Bund und Ländern fast untergegangen ist. Mit gutem Grund: Die gesamte Begabtenförderung für 23 000 Studenten macht mit 133 Millionen Euro weit weniger aus, als die Bafög-Erhöhung um mickrige zwei Prozent für 800 000 Bezieher kosten wird.

Der Vergleich zeigt auch, wie unsinnig es ist, beide Formen der Förderung - von wegen Breite versus Exzellenz - gegeneinander auszuspielen, zumal damit nebenbei der Eindruck erweckt würde, es gäbe unter Bafög-Empfängern keine Exzellenz. Das neue nationale Stipendiensystem eignet sich in dem Zusammenhang übrigens weder als Ausrede für die Regierung, sie tue doch genug, noch als Anklage für die Opposition, das Geld werde in Prestigeprojekten verbrannt - dafür ist das Programm selbst zu sehr geschrumpft worden.

So bleibt es ein Signal mangelnder Zukunftsfähigkeit, dass gerade angesichts der Rezession, die doch den Wert eines starken Bildungssystems vor Augen führt, den Finanzpolitikern nicht mehr einfällt, als die Taschen zuzumachen.

Aus DIE ZEIT :: 14.10.2010

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