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PhDnet-Doktorandenbefragung 2009


Von Susannah Burrows, Leonard Burtscher, Axinja Hachfeld und Dorothea Hämmerer

Doktorandenausbildung und Arbeitsbedingungen von Doktoranden in der Max-Planck-Gesellschaft: Finanzierungsmodelle, Betreuungssituation und Berufswünsche der Nachwuchswissenschaftler.

PhDnet-Doktorandenbefragung 2009© Kevin Russ - iStockphoto.comDie herausragende wissenschaftliche Reputation des Instituts ist der häufigste Beweggrund für den Beginn einer Promotion an einem Max-Planck-Instiut

Max-Planck-Institute überzeugen durch ihre herausragende wissenschaftliche Reputation, Doktoranden zeigen eine hohe Zufriedenheit mit ihrer Promotion

Die am häufigsten genannten Beweggründe für den Beginn einer Promotion an einem Max-Planck-Institut waren die herausragende wissenschaftliche Reputation des Instituts (83% der deutschen und 78% der internationalen Doktoranden), das internationale Arbeitsumfeld (65% der internationalen Doktoranden, deutsche Doktoranden: nicht erfragt) und die gute Ausstattung (64% der deutschen und 62% der internationalen Doktoranden).

Zunahme von Stipendien als Finanzierungsmodell führt zu Ungleichheiten in Bezahlung und sozialer Absicherung: Internationale Studenten sind besonders betroffen

Die Hälfte der befragten Doktoranden gibt an, über ein Stipendium finanziert zu werden. Das sind doppelt so viele wie bei der Befragung 2005. Die Ergebnisse zeigen, dass Doktoranden mit Stipendien durchschnittlich etwa 10% weniger verdienen als diejenigen mit einem Arbeitsvertrag. Das liegt vor allem daran, dass Stipendiaten - bei durchschnittlich gleichem Netto-Lohn - keinen Arbeitgeberanteil zur Kranken-, Arbeitslosenund Rentenversicherung erhalten. Internationale Doktoranden sind davon besonders betroffen: Von den deutschen Doktoranden finanzieren sich nur 35% über ein Stipendium, bei den nicht-deutschen, europäischen Doktoranden waren es 69%. Doktoranden, die aus außereuropäischen Ländern kommen, werden zu 82% durch Stipendien finanziert. In der Studie wird festgestellt, dass die Mehrzahl der Befragten sich für einen Vertrag entscheidet, wenn sie die Wahl hat und zuvor über die Unterschiede zwischen Vertrag und Stipendium informiert wurde. Als größter Vorteil eines Stipendiums wird häufig genannt, dass Stipendiaten nicht zu Institutsdiensten herangezogen werden und dadurch eine größere Freiheit genießen. Die Umfrage zeigt jedoch, dass in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern Doktoranden mit vertraglicher Anstellung und Stipendiaten gleichermaßen etwa 10% ihrer Arbeitszeit für promotionsferne Institutsaufgaben verwenden.

Das Max Planck PhDnet: Eine der größten Doktorandenvereinigungen Deutschlands

Das Max-Planck-PhDnet» vertritt die Interessen der derzeit rund 4500 Doktoranden an 80 Max-Planck-Instituten und ist damit eine der größten Doktorandenvereinigungen Deutschlands. Gegründet wurde das Netzwerk 2003 mit dem Ziel, die Doktorandenausbildung und die Arbeitsbedingungen von Doktoranden in der Max- Planck-Gesellschaft zu verbessern. Das Netzwerk hilft außerdem, die Vernetzung zwischen den Doktoranden an einzelnen Instituten zu stärken, gemeinsame Probleme zu erkennen und zu deren Lösung beizutragen, sowie Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten.
Nähere Informationen zum PhDnet finden Sie unter: www.phdnet.mpg.de/».
Allgemeine Anfragen zum PhDnet werden beantwortet unter: phd-sec@phdnet.de.

Guter Rat an zukünftige Doktoranden: "Sucht Euch Euren Betreuer sorgfältig aus und redet oft mit ihm!"

Der Betreuer ist von großer Wichtigkeit für den Erfolg einer Doktorarbeit. Ein Wechsel des Betreuers würde bei 41% der Befragten mit großen inhaltlichen Veränderungen oder sogar dem Abbruch der Doktorarbeit einhergehen. Ein problematisches Verhältnis zum Betreuer kann sehr kritisch sein für eine Doktorarbeit: 20% der Doktoranden denken darüber nach, wegen persönlichen oder arbeitsbezogenen Problemen mit Ihrem Betreuer ihre Doktorarbeit abzubrechen (das sind etwa die Hälfte der Doktoranden, die insgesamt darüber nachgedacht haben aufzuhören). Hier kann ein gutes Verhältnis zwischen Doktorand und Betreuer helfen: Doktoranden, die ihren Betreuer selbst ausgewählt hatten und diesen regelmäßig treffen, sind zufriedener mit ihrer Betreuung und denken seltener daran, ihre Doktorarbeit abzubrechen. Frauen waren im Durchschnitt weniger zufrieden mit ihrer Betreuung als Männer: Nur 23% der Frauen berichten, dass sie sehr zufrieden sind mit ihrer Betreuung, gegenüber 33% der Männer. Das Ergebnis lässt sich teilweise durch die oben genannten Faktoren erklären: Frauen hatten seltener ihren Betreuer gewählt und treffen diesen auch seltener. Immerhin: 77% der Max-Planck-Doktoranden sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Betreuung.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: vor allem für Doktorandinnen eine Herausforderung

Nur 8% der Befragten geben an, ein oder mehrere Kinder zu haben. Damit sind Doktoranden der Max-Planck- Gesellschaft nur etwa halb so oft Eltern als es repräsentative Umfragen unter Hochschulabsolventen erwarten ließen. Anders als die Männer in der Befragung arbeiten Doktorandinnen mit Kind weniger als ihre kinderlosen Kolleginnen. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass nur 12% der Doktorandinnen mit Kind, die an der Umfrage teilgenommen hatten, weniger als 30 Stunden in der Woche arbeiten. Darüber hinaus legen die Ergebnisse der Befragung nahe, dass die Max-Planck-Gesellschaft ihre bereits bestehenden Angebote zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie stärker bewerben sollte: Von den Befragten mit Kind sind sich viele nicht bewusst, welche Fördermöglichkeiten es für Eltern innerhalb der Gesellschaft gibt. Deutsche Doktoranden kennen mehr Fördermöglichkeiten als internationale Doktoranden. Sprachbarrieren könnten hier eine Rolle spielen.

Internationale Doktoranden erleben häufig besondere Schwierigkeiten

38% der befragten Doktoranden kommen aus dem Ausland. Die Mehrzahl der internationalen Doktoranden in der Max-Planck-Gesellschaft kommt aus Europa (49%) oder Asien (35%); weitere Herkunftsregionen sind Südamerika (8%), Nordamerika (6%), Afrika (2%) und Australien (<1%). Fast die Hälfte aller internationalen Doktoranden berichtet von größeren Schwierigkeiten während ihrer Promotion an einem Max-Planck-Institut, die auf ihren ausländischen Status zurückzuführen sind. Am häufigsten genannt werden dabei Sprachprobleme am jeweiligen Institut (20%) und rechtliche Formalitäten wie Aufenthaltserlaubnis und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden (16%). Ein weiteres großes Problem ist die Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen (14%). Außerdem berichten 5% der internationalen Doktoranden von fremdenfeindlichen Erfahrungen. Doktoranden aus Nordamerika und Europa sind davon weniger betroffen als Doktoranden aus Asien und Südamerika.

Fehlende Langzeitperspektiven entmutigen Doktoranden eine Karriere in der Wissenschaft zu verfolgen

Die meisten Doktoranden in der Max-Planck-Gesellschaft fühlen sich durch ihre Doktorarbeit gut auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereitet. Viele wollen aber dennoch keine solche Karriere verfolgen, denn die überwiegende Mehrheit beurteilt die langfristigen Karriereaussichten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vor allem das Gehaltsniveau als unattraktiv. Auch die im Vergleich zu anderen Berufsfeldern relativ geringe Bezahlung der Hochqualifizierten bei gleichzeitig hohem Einsatz an Arbeitszeit führt dazu, dass nur 37% der Max-Planck-Doktoranden - trotz ihrer Begeisterung für die Wissenschaft - eine Karriere im akademischen Bereich anstreben.

Der vollständige Bericht kann unter folgender Adresse heruntergeladen werden: www.phdnet.mpg.de/».
Für weitere Informationen können Sie die Autoren der Studie unter folgender E-Mail-Adresse erreichen: survey@phdnet.de.



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