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Postdocs aus dem Ausland: Die Bedeutung des Wohlfühlfaktors nimmt zu

Von Birk Grüling

International forscht es sich am besten - das gilt längst auch für deutsche Universitäten. Um den Wissenschaftsstandort und das Renommee der eigenen Institute zu stärken, bemühen sich die Hochschulen sehr stark um die besten Postdocs aus dem Ausland. Mit großem Erfolg, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Postdocs aus dem Ausland: Die Bedeutung des Wohlfühlfaktors nimmt zu© Alex Slobodkin - iStockphoto.comZur Gewinnung von Postdocs aus dem Ausland müssen vor allem die Rahmenbedinungen des Standorts stimmen
"Seit 2007 haben wir unsere internationale Strategie zur Werbung von Wissenschaftlern aus dem Ausland stetig verbessert", erklärt Dr. Uwe Muuss, Direktor vom International Office der Georg-August-Universität Göttingen. Dazu gehört nicht nur die Präsentation der Universität auf internationalen Karrieremessen für Wissenschaftler oder die weltweite Ausschreibung von Postdoc-Stellen, sondern auch die Schaffung eines gewissen Wohlfühlfaktors am Standort. "Neben dem guten Ruf unserer Hochschule durch zahlreiche Max-Planck-Institute und exzellente Forschung ist sicherlich auch die persönliche Weiterempfehlung eines Standorts ein wichtiges Auswahlkriterium für ausländische Wissenschaftler", ist sich Muuss sicher. "Dafür muss nicht nur der Arbeitsplatz stimmen, sondern auch das Drumherum." Für den optimalen Start ins Göttinger Forschungsleben ist das sogenannte Welcome-Center verantwortlich. Hier wird den Wissenschaftlern und ihren Familien nicht nur eine passende Wohnung und Kinderbetreuung vermittelt, sondern auch auf vielen anderen Ebenen das Leben erleichtert. "Wir helfen bei Behördengängen, unterstützen beim bürokratischen Papierkram und organisieren interkulturellen Austausch", erzählt Muus.

Deutschland im Blick 2011

Wie ausländische Wissenschaftler Deutschland sehen
  • Bei der Studie wurden rund 1.700 ausländische Forschungsstipendiaten der Humboldt-Stiftung und ihre 1.200 universitären Gastgeber befragt
  • 91 Prozent der Befragten zeigten sich an einem erneuten Deutschlandaufenthalt interessiert - Grund dafür ist bei knapp 70 Prozent die besondere Unterstützung durch ihre Gastgeber und bei 87 Prozent die sehr gute oder gute Atmosphäre
  • Auch die Gastgeber sind zufrieden: 84 Prozent von ihnen sehen die Kooperation für einen sinnvollen Beitrag auf fachlicher Ebene
  • Kritisch gesehen werden allerdings die Rahmenbedingungen gerade in den Bereichen Kinderbetreuung und Bürokratie
Wie sehr solche Maßnahmen das Einleben erleichtern, hat auch Dr. Yoshifumi Tokiwa erfahren. Der Postdoc forscht am Institut für Festkörperphysik und ist seit Oktober 2008 in der Stadt. "Ich habe mich ziemlich schnell eingelebt. Es gibt viele ausländische Wissenschaftler in der Stadt und darum gehen die Menschen auch sehr offen auf uns zu", erklärt der Japaner, der seinen Doktor an der Osaka University machte. Vor seinem Aufenthalt in Göttingen forschte er als Postdoc bereits in Los Alamos in New Mexico und an der TU Dresden. Eine Mobilität, die keine Seltenheit für Wissenschaftler ist, wie man auch im International Office weiß. "Viele Wissenschaftler sind extrem mobil, häufig sogar mit einer Familie. Deshalb haben wir auch hier unsere Angebote erweitert." So gibt es inzwischen in Göttingen bilinguale Kindergärten und Schulen, Partner von neu berufenen Professoren und Postdocs werden bei der Stellensuche unterstützt.
Maßnahmen, deren Wichtigkeit man auch an der Universität Hamburg erkannt hat: "Im internationalen Wettbewerb um die besten Wissenschaftler ist die gute Betreuung durch die Universität ein wichtiger Faktor. Auch wenn das wissenschaftliche Renommee einer Einrichtung immer noch im Vordergrund bei der Gewinnung von Postdocs und Spitzenforschern steht, sind es zunehmend die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise der Dual Career Service oder auch schlicht der Standort, die ausschlaggebend für die Entscheidung für eine Universität sein können", erklärt Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg. Neuestes Projekt seiner Universität ist das International Housing, eine Wohnungsvermittlungsstelle für Gastwissenschaftler. Bezahlbaren Wohnraum in Hochschulnähe zu bekommen, ist in der Hansestadt nämlich ein schweres Unterfangen. Bei dem neuen Projekt werden nun private Wohnungsanbieter und Gastwissenschaftler miteinander verbunden. Bei der passgenauen Vermittlung hilft das Team der Universität.
Postdocs aus dem Ausland: Die Bedeutung des Wohlfühlfaktors nimmt zu Dr. Uwe Muuss sieht die Standortbedingungen als entscheidendes Kriterium für die Standortwahl internationaler Wissenschaftler

Dass diese Maßnahmen durchaus erfolgreich sind, zeigt eine aktuelle Studie der Alexander von Humboldt-Stiftung mit dem Titel "Deutschland im Blick 2011. Wie ausländische Wissenschaftler Deutschland sehen". 91 Prozent der dabei befragten ausländischen Forscher aus dem stiftungseigenen Stipendienprogramm sind an einem erneuten Deutschlandaufenthalt interessiert und stellten ihrem universitären Gastgebern dabei ein gutes Zeugnis aus. Positiv wäre sicher auch das Urteil von Dr. Yoshifumi Tokiwa über seinen Postdoc-Aufenthalt. "Ich konnte meine Deutschkenntnisse hier in Göttingen stark verbessern, habe einen großen Freundeskreis gefunden und kann meinem Hobby, dem Klettern, nachgehen. Das sind für mich alles Faktoren, die das Leben und Arbeiten erleichtern." Wie lange er noch in Göttingen bleibt, kann er nicht sagen. Die Entscheidung richtet sich nach der Perspektive, dort oder an einem anderen renommierten Institut irgendwo auf der Welt.

academics :: Mai 2012

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