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Private Stifter gesucht

Von Hendrik Lackner

Der Bund übernimmt nun die Hälfte der Kosten für die Stipendien - die Frage bleibt, ob es den Hochschulen gelingen wird, zuvor in eigener Regie ausreichend finanzielle Mittel von der Wirtschaft einzuwerben. Wäre die Alternative einer "Pool-Lösung" besser gewesen, bei der die Spender die Mittel in einen zentralen Spendentopf einzahlen?

Private Stifter gesucht© complize - Photocase.comFinden sich genügend private Stifter?
Am ersten August 2010 ist das Gesetz zur Schaffung eines nationalen Stipendienprogramms - kurz StipG - in Kraft getreten. Startschuss für die dezentrale Stipendienvergabe durch Fachhochschulen und Universitäten ist das Sommersemester 2011. Für das Jahr 2011 ist vorgesehen, bis zu 10 000 Studierende mit einem solchen Leistungsstipendium zu fördern. Im Jahr darauf sollen es bereits 20 000 Stipendien sein.

Bereits kurze Zeit nach Inkrafttreten des StipG hat das Bundeskabinett am 8. September 2010 einen Gesetzentwurf zur Änderung des StipG beschlossen. Eine Änderung war deshalb nötig geworden, weil der zunächst vorgesehene Finanzierungsschlüssel von 25 Prozent Bund, 25 Prozent Land und 50 Prozent privater Mittelgeber im Bundesrat keine Mehrheit gefunden hätte. Nur nach ausdrücklicher Zusicherung von Bundesministerin Schavan in der entscheidenden Bundesratssitzung, den Finanzierungsanteil der Länder voll zu übernehmen, konnte das StipG seinerzeit die parlamentarischen Hürden nehmen. Nach dem Änderungsgesetzentwurf übernimmt nunmehr der Bund den gesamten öffentlichen Finanzierungsanteil.

Darüber hinaus kommt der Bund auch für einen Teil der den Hochschulen entstehenden Akquisekosten in Form einer Pauschale von sieben Prozent der privaten Stipendienmittel auf. Dies ist ein wichtiges Signal an die Hochschulen, die dem Stipendienprogramm im Hinblick auf den enormen Bürokratieaufwand bislang eher mit Skepsis gegenüberstanden. Der Verwaltungskostenzuschuss des Bundes dürfte trotz des grundsätzlich bestehenden Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern verfassungsrechtlich unbedenklich sein, weil das Einwerben von Stipendien durch Hochschulen nicht zu deren originären Aufgaben - nämlich Forschung und Lehre - zählt. Das nationale Stipendienprogramm - von Bundesministerin Schavan stolz als "Revolution" bezeichnet - stellt die finanzielle Studentenförderung in Deutschland auf neue Füße. Die klassischen Förderformen BAföG und Bildungsdarlehen werden um eine dritte Säule ergänzt: die neuen Leistungsstipendien, die seit kurzem als "Deutschlandstipendien" bezeichnet werden. Deutschland wagt damit den Einstieg in ein System privater Bildungsfinanzierung und baut die Begabtenförderung im Hochschulbereich zahlenmäßig aus.

Das Prinzip des"Matching Fonds"

Das nationale Stipendienprogramm basiert verwaltungswissenschaftlich auf dem Prinzip des Matching Fonds, d.h. einer komplementären Finanzierung der Stipendien durch private Geldgeber einerseits und die öffentliche Hand andererseits. Zutreffend wird auch von einer Public Private Partnership zwischen öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft gesprochen. Gelingt es also einer Hochschule, bei Wirtschaftsunternehmen, Stiftungen, Verbänden, Kammern, privaten Spendern oder ihren ehemaligen Studierenden Stipendienmittel einzuwerben, werden diese von der öffentlichen Hand - nunmehr allein vom Bund - verdoppelt. Das Stipendienprogramm beruht damit auf einem dezentralen, d.h. hochschulzentrierten Steuerungsansatz.

Ob es einer Hochschule in nennenswertem Umfang gelingen wird, Spendenmittel zu mobilisieren, wird entscheidend vom personellen Engagement, innovativen Ideen, dem Aufbau attraktiver Alumni-Strukturen sowie einer guten Vernetzung der Hochschule mit dem wirtschaftlichen und regionalen Umfeld abhängen. Erste Auswertungen des nordrhein-westfälischen Stipendienprogramms, das quasi Pate stand für die Deutschlandstipendien, zeigen, dass Hochschulen in strukturschwachen Regionen die Mittelakquise teilweise sehr viel besser gelungen ist als Hochschulen in einem wirtschaftsstarken Umfeld. So gelang es beispielsweise der Universität Duisburg-Essen nach einer Statistik des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums, im Jahr 2009 insgesamt 151 Stipendien einzuwerben, während die Universität Bonn nur auf 66 Stipendien kam. Ob also ostdeutsche Hochschulen durch das Stipendienprogramm tatsächlich benachteiligt werden, wie von Kritikern teilweise befürchtet, bleibt abzuwarten. Das StipG sieht für diesen Fall regionaler Verwerfungen im Übrigen selbst die Möglichkeit von Ausgleichsmaßnahmen vor.

Letztendlich liegen sowohl die positiven Anreize, die sich Befürworter des Stipendienprogramms erhoffen, als auch negative Effekte, auf die Kritiker mit Vehemenz hinweisen, in diesem dezentralen Steuerungsmodus begründet. Von der dezentralen Vorgehensweise verspricht sich der Gesetzgeber zum einen, nachhaltige Anreize zur Etablierung einer leistungsfähigen Stipendienkultur in Deutschland zu setzen. Für eine große Wissenschaftsnation wie Deutschland ist eine lebendige Stipendienkultur nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern im Hinblick auf die Einführung von Studienbeiträgen in verschiedenen Bundesländern ein Gebot der Gerechtigkeit.

Im Ausland ist es tatsächlich seit langem gute Tradition, dass private Stifter Hochschulen mit Spendenmitteln unter die Arme greifen. So beschäftigt allein die Universität Stanford in ihrer Fundraising-Abteilung mittlerweile 280 Mitarbeiter. Zum anderen werden Anreize für eine intensivere Vernetzung der Hochschulen mit ihrem gesellschaftlichen, regionalen und wirtschaftlichen Umfeld gesetzt. Attraktive Stipendienprogramme werden sich für Hochschulen in Zukunft zu einem wesentlichen strategischen Marketinginstrument und Profilbildungsmerkmal entwickeln.

"Pool-Lösung" abgelehnt

Dem Grundsatz einer dezentralen Steuerungslogik folgend war es konsequent, dass sich der Gesetzgeber gegen eine alternativ ins Gespräch gebrachte "Pool-Lösung" bzw. eine "konzertierte Aktion" entschieden hat. Denn bei solchen Modellen würden die privaten Spender ihre Mittel in einen zentralen Spendentopf einzahlen, aus dem die Hochschulen dann nach einem vorgegebenen Verteilungsschlüssel eine anteilige Quote erhielten. Eine stärkere Vernetzung zwischen Hochschule und gesellschaftlichem Umfeld wäre damit nicht erreichbar gewesen. Der hochschulzentrierte Steuerungsansatz bringt es auch mit sich, dass das Stipendium im Falle eines Hochschulwechsels endet, eine Mitnahme an die neue Hochschule also nicht möglich ist. Ob dies Studenten in ihrer Mobilität nachhaltig beeinträchtigt, wie teilweise kritisch angemerkt wird, darf aus zweierlei Gründen bezweifelt werden: Erstens wird auch im Falle eines Hochschulwechsels das Stipendium ein Semester lang weiterbezahlt. Zweitens bleibt es einem Studierenden unbenommen, sich an der neuen Hochschule erneut um ein Stipendium zu bewerben.

Aus Forschung und Lehre :: Oktober 2010

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