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Matthias Sellmann: Professor für Pastoraltheologie

Protokoll: Jan-Martin Wiarda

Professoren erzählen, wie Filme, Fernsehserien und Werbung ihre Lehre verbessern.

Mit Dr. House im Hörsaal - Matthias Sellmann Matthias Sellmann (43) ist Professor für Pastoraltheologie an der Ruhr-Universität Bochum
Kennen Sie diese Baumarktwerbung? Zwei Typen werkeln an einem Holzhaus. Der eine hält den Türrahmen fest, der andere setzt den Bohrer an und erwischt auch die Hand seines Kollegen. Der Verletzte schaut kurz durch das Loch in seiner Hand, wischt sie sich ab - und weiter geht's. Dann der Claim: »Das Einzige, was beim Projekt zählt: das Projekt.« Meine Studenten meinen manchmal, ich hörte die Flöhe husten, ich aber glaube, das ist ein direktes Bibelzitat: Jesu Hände, die am Kreuz durchbohrt wurden. Auch Jesus hat seine Mission trotz aller Schmerzen durchgezogen. Und tatsächlich, dieser Spot lief das erste Mal in der Karwoche vor Ostern.

Viele Menschen merken gar nicht, wie unsere Kultur von religiösen Anspielungen durchsetzt ist. Sie erkennen sie nicht mehr. Das liegt auch an Pfarrern, die viele Worte machen, wenn sie von dem Geheimnis des Glaubens erzählen, und doch nicht die Sprache der Mehrheit sprechen. Das will ich ändern, zumindest bei meinen Studenten. Darum bin ich ständig auf der Suche nach geeigneten Film- und Fernsehzitaten, die uns lehren können, verständlicher und attraktiver von Gott zu reden.

Sei es Rocky, der sich auf seinen großen Boxkampf vorbereitet und im Nacherleben von Christi Leidensweg einen Baumstamm wie das Kreuz durch den Schnee schleppt, sei es Neo, der Protagonist der Matrix-Trilogie, der Parallelen zum Jesus im Johannesevangelium aufweist. Ich sage meinen Studenten: Wir müssen zusehen, dass wir als Kirche uns und unsere Symbole weiterentwickeln, sonst tun es andere für uns. Wir können viel von der Popkultur lernen. Mancher in der Kirche sieht in ihr den größten Gegner, den wir haben. Doch ich glaube, dass der Heilige Geist immer da ist, wo viele Menschen ihr Leben verdichten. Ich wünsche mir, dass wir als Kirche Teil der Popkultur werden.

weiter: Hubert Zitt, Professor für Informatik an der FH Kaiserslautern

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Aus DIE ZEIT :: 07.01.2010

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