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Professor: Berufung statt Beruf

Von Sabrina Schwarz

Sich ein Leben lang mit dem Lieblingsfach beschäftigen - für Professoren ist das der berufliche Alltag und für viele junge Akademiker der absolute Traumjob. Doch der Weg von der Bank im Hörsaal ans Professorenpult ist lang und steinig.

Professor: Berufung statt Beruf© Bojan Kontrec - iStockphoto.comZur Professur führen zwei Wege - die Habilitation oder die Juniorprofessur
Forschung unter besten Bedingungen am Institut, aktuelle Forschungsfragen mit jungen, motivierten Nachwuchswissenschaftlern im Seminar diskutieren und die persönliche Leidenschaft für das Fach in der Vorlesung weitergeben - das Professorendasein erscheint als reizvolle Perspektive für die Zukunft. Doch Professor ist kein Beruf, der erlernt werden kann oder für den es eine geregelte Ausbildung gibt. Die akademische Laufbahn sieht für jeden Nachwuchsforscher anders aus. Viele Wege führen - im Idealfall - an den Lehrstuhl und auf jedem muss die ein oder andere Hürde genommen werden.

Die Qualifikationszeit dauert durchschnittlich zwölf Jahre

"Der Weg ist das Ziel!" sollte deshalb das Motto einer wissenschaftlichen Karriere bis hin zur Professur lauten. Denn im Durchschnitt dauert es etwa zwölf Jahre, bis alle Qualifikationen für eine Bewerbung um eine Professur erbracht sind. Neben der Leidenschaft für Forschung und Lehre sind also vor allem Ausdauer und Geduld gefragt. Das erste Etappenziel auf dem Weg in den Hörsaal ist in jedem Fall die Promotion, mit der die besondere Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit nachgewiesen wird. Mit dem Doktortitel in der Tasche können sich aufstrebende Wissenschaftler anschließend auf Postdoc- oder Dozentenstellen an der Universität bewerben. Die Zeit zwischen Promotion und Habilitation sollte dazu genutzt werden, um möglichst viele Fachartikel zu veröffentlichen, Kontakte zu anderen Instituten und Forschern zu knüpfen und sich durch gute Ergebnisse in Forschung und Lehre einen Namen in der Hochschullandschaft zu machen. Denn für eine spätere Bewerbung auf eine Professur ist nicht nur Fachwissen wichtig. Kontakte und ein gut funktionierendes Netzwerk sind für Professoren in Spe entscheidend.

Welche Wege führen zur Professur?

Wer mit herausragenden Leistungen glänzen kann und Glück hat, ergattert gleich nach der Promotion oder im Anschluss an die Postdoc-Phase eine Habilitationsstelle. Dabei ist man als Akademischer Rat oder Wissenschaftlicher Assistent an der Universität oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtung für eine begrenzte Zeit angestellt und kann sich durch Lehrverpflichtung und Forschungsarbeit die Arbeit an der Habilitationsschrift finanzieren. Mit der erfolgreich abgeschlossenen Habilitation erwirbt man sich anschließend die Befähigung zur selbstständigen Lehre und Forschung an einer Hochschule und erfüllt damit die Voraussetzung, als Professor auf einen Lehrstuhl berufen zu werden. Daneben lassen einige Habilitationsordnungen auch die sogenannte kumulierte Habilitation zu. Dabei kann eine bestimmte Anzahl von bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten eingereicht und als gleichwertig zu einer Habilitationsschrift gewertet werden.

Seit 2002 ist darüber hinaus noch ein anderer Weg zur Hochschulprofessur möglich. Schon gleich nach der Promotion können sich Wissenschaftler auch ohne Habilitation auf eine Juniorprofessur bewerben. Die Anstellung als Juniorprofessor erfolgt zunächst für drei Jahre, in denen sich der Inhaber der Stelle an der Hochschule bewähren muss. Dazu gehören die Lehre am Institut, das Einwerben von Forschungsmitteln, Publikationen in Fachzeitschriften und das Netzwerken. Nach Ablauf der Befristung wird in einer Zwischenevaluation festgestellt, ob der Juniorprofessor nach diesen Kriterien für eine wissenschaftliche Karriere geeignet ist. Bei einer positiven Evaluation wird die Laufzeit der Juniorprofessur noch einmal um drei Jahre verlängert. Die Stelle als Juniorprofessor kann somit höchstens für sechs Jahre besetzt werden. Wer sich in dieser Zeit durch Publikationen und gute Leistungen in Forschung und Lehre einen Namen macht, kann sich daraufhin auf eine klassische Professorenstelle bewerben.

Letzter Schritt: Das "Vorsingen"

Egal, welchen Weg man gegangen ist, am Ende steht immer die Bewerbung auf eine Professur oder einen Lehrstuhl. Im Berufungsverfahren hält jeder Bewerber eine Probevorlesung. Umgangssprachlich wird diese Prozedur, bei der jeder Wissenschaftler sich vor der Berufungskommission buchstäblich selbst bewirbt, als "Vorsingen" bezeichnet. Der Favorit der Kommission erhält schließlich den "Ruf" auf die ausgeschriebene Stelle und darf sich fortan Professor nennen. Wer es letztendlich ans Rednerpult im Hörsaal geschafft hat, der hat nicht nur einen Arbeitsplatz mit Prestige gefunden, sondern kann sein Interesse und seine Leidenschaft für das Fach jeden Tag ausleben.


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academics :: März 2013

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