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Promotion - Worauf muss ich achten?

von Silke Weber

Wer ist der rechtmäßige Autor einer Veröffentlichung? Wie versichern sich Doktoranden? Und wie viel Geld dürfen sie verdienen? Rechte und Pflichten von Promotionsstudenten.

Worauf muss ich achten?© ZWEISAM - photocase.deAuf dem Weg zur erfolgreichen Promotion gibt es einiges zu beachten

Wann plagiiere ich?

War das jetzt mein Gedanke, oder habe ich den irgendwo anders her? Für die Doktorarbeit muss man so viele Texte lesen, dass man durcheinanderkommen kann. Früher hat das viele weniger beunruhigt als heute: Seit den Plagiatsskandalen von Spitzenpolitikern steigt die Angst vor der »Copy, Shake and Paste«-Falle, vor einem versehentlichen Plagiat. Um sich selbst zu überprüfen, kann man die verdächtige Formulierung googeln. Findet man den Satz in der Literatur, steht fest: Er kam nicht von einem selbst. Die Texte können auch mit professioneller Plagiatssoftware gescannt werden, etwa mit iThenticate, Turnitin, Urkund oder Ephorus, die man oft über die Uni nutzen kann. Eine kostenlose Variante ist etwa PlagAware.

Ist mein Betreuer auch Autor?

Sie haben eine wissenschaftliche Arbeit oder ein Paper veröffentlicht, und Ihr Betreuer lässt sich als Autor nennen? Das geht normalerweise nicht: Korrekturen, bloße Anregungen oder die Vermittlung bestimmter Methoden, wie es bei der Betreuung einer Doktorarbeit üblich ist, machen noch nicht zum Autor oder Co-Autor. Hier gilt strikte Ehrlichkeit. Dennoch kommt es hin und wieder vor, dass der Betreuer sich als Autor dazuschreibt, unabhängig davon, wie viel er geleistet hat. Der Ombudsmann, so etwas wie die freiwillige Selbstkontrolle der Uni, kann dann helfen. Er berät als Vertrauensperson und soll dafür sorgen, dass die Zusammenarbeit fair abläuft. Er kann auch ein Gremium der Uni über wissenschaftliches Fehlverhalten informieren.

Wie viel muss ich arbeiten?

Manchmal spannt der Lehrstuhl seine Doktoranden so sehr in der Lehre ein, dass kaum noch Zeit für die Dissertation bleibt. Planen Sie deshalb feste Tage für die Arbeit am Lehrstuhl ein, und sprechen Sie darüber mit dem Betreuer. Besser noch: Schließen Sie bereits vorab eine Betreuungsvereinbarung ab. Sie ist wie eine Art Ehevertrag: Die Partner verpflichten sich zu bestimmten Regeln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder der Wissenschaftsrat stellen Leitfäden für eine solche Vereinbarung bereit, in denen Aufgaben und Pflichten des Doktoranden, ein strukturierter Zeit- und Arbeitsplan und Etappenziele festgelegt sind. Wenn Sie die Erwartungen frühzeitig klären, können Konflikte mit dem Betreuer vermieden werden.

Wie viel Geld darf ich verdienen?

Wer tagsüber in der Uni lehrt und seine Promotion schreibt und nachts in einer Bar jobbt, muss aufpassen, dass er nicht zu viel verdient. Sind Promovenden an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt, sollten sie bei der Personalabteilung erfragen, ob und wie viel sie in einem anderen Job dazuverdienen dürfen. Erhalten Promovenden ein Stipendium, verringert sich der Betrag in den meisten Fällen um die Zusatzeinnahmen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterscheidet dabei übrigens nach Tätigkeiten aus wissenschaftlicher und nicht wissenschaftlicher Arbeit. Zum Beispiel können Stipendiaten an einem Graduiertenkolleg jährlich bis zu 6.000 Euro aus wissenschaftlicher Arbeit dazuverdienen.

Wo muss die Arbeit erscheinen?

Grundsätzlich gilt: Bevor Sie sich Doktor nennen dürfen, müssen Sie Ihre Arbeit in zitierfähiger Form publiziert haben. Es gibt drei Möglichkeiten dafür: Die Arbeit erscheint im Eigenverlag, und Sie lassen sie einfach im nächsten Copyshop drucken. Da Sie bis zu 150 gebundene Exemplare einreichen müssen, kann das teuer werden. Eine Alternative ist: Sie veröffentlichen Ihre Dissertation als E-Book. Da jahrelange Arbeit jedoch entsprechend gewürdigt werden sollte, ist ein renommierter Wissenschaftsverlag oft die erste Wahl. Hier zu publizieren ist die bessere Marketingstrategie, verspricht mehr Reputation und eine höhere Zitierquote. Aber: Oft kostet die Veröffentlichung Geld, und es wird auch nicht immer jede Arbeit angenommen.

Bin ich krankenversichert?

Meist endet mit der Promotion auch die studentische Krankenversicherung mit den günstigen Beiträgen. Denn diese gilt nur für das Erststudium. Manche Kassen lassen sie aus Kulanz bis zum 30. Lebensjahr oder bis zum 14. Fachsemester weiterlaufen. Dafür müssen Sie als Promotionsstudent immatrikuliert sein. Promovenden mit einer Stelle an einem Lehrstuhl sind dort üblicherweise sozialversichert und damit in einer gesetzlichen Krankenversicherung. Promovenden, die nicht erwerbstätig sind, etwa mit Stipendium, sind nicht versicherungspflichtig. Sie können freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse werden oder sich privat versichern. Hier hilft es, sich mit anderen Stipendiaten über Erfahrungen auszutauschen.

Aus DIE ZEIT :: 27.03.2014