Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Promotion an einer Graduiertenschule: Das Vorstellungsgespräch

Von Christian Wilbers

Es ist die letzte Hürde vor der Aufnahme in eine Graduiertenschule: Das Vorstellungsgespräch. Ähnlich wie auch in der freien Wirtschaft gibt es keine einheitliche Strategie, mit der Sie jedes Interview erfolgreich meistern. Dennoch: Wer sich gut vorbereitet und die Erwartungen des Auswahlkomitees kennt, hat ausgezeichnete Chancen.

Promotion an einer Graduiertenschule: Das Vorstellungsgespräch© endopack - iStockphoto.comDas Vorstellungsgespräch ist die letzte Hürde bei der Bewerbung an einer Graduiertenschule
Rund 90 Prozent aller deutschen Graduiertenschulen verlangen ein Vorstellungsgespräch, ehe sie Bewerber endgültig annehmen. Diese Interviews finden größtenteils vor Ort in Deutschland statt, können aber auch per Skype, Telefon oder in Ausnahmefällen auf Messen im Ausland durchgeführt werden. Sie bedeuten für die Bewerber eine Extremsituation: Nach monatelangen Recherchen, einer sorgfältig ausgearbeiteten Bewerbung und dem langen Warten auf Antwort geht es plötzlich um alles oder nichts. Doch die Einladung bedeutet auch, dass die eingereichten Unterlagen Eindruck hinterlassen haben. Dieses Selbstbewusstsein sollten Bewerber unbedingt ins Gespräch mitnehmen - natürlich in Kombination mit einer guten Vorbereitung. Denn die Auswahlkomitees erwarten kompetente Kandidaten, die sich eingehend mit der Graduiertenschule befasst haben, die fachlich überzeugen und menschlich ins Forscherteam passen.

Wie läuft das Vorstellungsgespräch an einer Graduiertenschule ab?

Obwohl sich der genaue Ablauf von Institution zu Institution unterscheidet, gibt es einige Gemeinsamkeiten. Generell stellen die Kandidaten zunächst ihr Forschungsvorhaben vor, manchmal sogar in einem zwanzig- bis dreißigminütigen Vortrag, und beantworten anschließend die Fragen des Auswahlkomitees. Was erhoffen Sie sich von der Promotion an der Graduiertenschule? In welchen Forschungsbereich wollen Sie eingebunden werden und welchen Beitrag werden Sie leisten? Hier zählen umfangreiche Kenntnisse des eigenen Fachgebiets, etwa zum Forschungsstand, genauso wie detailliertes Wissen über die Forschungsziele der Graduiertenschule. Pluspunkte sammeln zudem Kandidaten, die kompetent präsentieren und effektiv kommunizieren. Bereiten Sie Ihre Präsentation gut vor, folgen Sie den zeitlichen Vorgaben und beantworten Sie Fragen kurz und präzise. Am wichtigsten ist jedoch, die eigene Motivation authentisch rüberzubringen. Das Interesse für Ihr Projekt haben Sie durch Ihre Bewerbung ja bereits geweckt. Erklären Sie dem Auswahlkomitee jetzt, warum die Promotion der richtige nächste Schritt ist und warum Sie es kaum erwarten können, mit der Arbeit loszulegen.

Checkliste Vorstellungsgespräch

Worauf es den Graduiertenschulen im Vorstellungsgespräch ankommt

  • Motivation
  • Detailliertes Fachwissen
  • Umfangreiche Kenntnisse des Forschungsbereichs
  • Gute Einführung in das Dissertationsprojekt
  • Sicheres Präsentieren und Kommunizieren
  • Seriöses Auftreten
  • Gute Sprachkenntnisse

Frühes Netzwerken hilfreich

Zur besseren Vorbereitung lohnt es sich, schon im Vorfeld den Kontakt zu Promovierenden an der Graduiertenschule zu suchen und möglichst viel über deren Interview-Erfahrungen sowie den wissenschaftlichen Alltag an der Institution herauszufinden. Dadurch bekommen Sie ein erstes Gespür für die Stimmung, die Sie im Interview erwartet und können später gezielter Fragen stellen. Finden Sie darüber hinaus so viel wie möglich über den Ablauf heraus: Wird das Gespräch auf Deutsch oder Englisch geführt? Wie lange wird das Interview dauern? Und wer wird Ihnen gegenüber sitzen? Mit einer guten Vorbereitung vermeiden Sie Überraschungen und können sich voll und ganz auf fachliche Aspekte konzentrieren, die bei der anschließenden Bewertung natürlich im Vordergrund stehen.

Gerade Bewerber aus dem Ausland sollten sich nicht von direkter Kritik verunsichern lassen. Diese Art der intensiven Auseinandersetzung gehört in Deutschland zum guten Ton und ist oft auch ein Zeichen des Respekts. Hier zählt das Motto: Besser kritische Fragen als gar keine Fragen. Und: Eigene Fragen zu stellen ist nicht nur erwünscht, sondern wird erwartet. Graduiertenschulen suchen selbstbewusste, junge Wissenschaftler, die mit ihrer Bewerbung klare Ziele verfolgen. Fragen Sie also ruhig nach der Betreuungssituation, Qualifikationsprogrammen oder der Förderung von Konferenzreisen ins Ausland.

Übrigens: Zwar übernehmen viele Graduiertenschulen die Fahrtkosten innerhalb Deutschlands, bei Fahrtkosten aus dem Ausland aber meist nicht. Informieren Sie sich in jedem Fall vor der Anreise, um das abzuklären.

Die Stilfrage: Was ziehe ich zum Bewerbungsgespräch an?

An vielen Graduiertenschulen wird ein lockerer Kleidungsstil gepflegt und Professoren kommen auch schon mal in Jeans und T-Shirt ins Seminar. Das heißt natürlich nicht, dass Bewerber das Thema Kleidung völlig vernachlässigen dürfen. Verschaffen Sie sich zum Beispiel auf der Webseite oder im Gespräch mit anderen Promovierenden einen Eindruck über die Kleiderordnung an der Graduiertenschule. Anders als in der freien Wirtschaft sind Anzug und Krawatte oft Fehl am Platz und eine ordentliche Jeans, Hemd und Jackett reichen völlig aus. Das ist aber nicht überall so. Sorgen Sie in jedem Fall dafür, dass Sie sich wohl fühlen und die Kleidung nicht wie ein Fremdkörper wirkt. Dann vergeht das Interview hoffentlich wie im Flug und die Promotion an einer Graduiertenschule ist für Sie in greifbarer Nähe.

academics :: November 2013