Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Promotion in Österreich - ein Nachteil bei Bewerbung für eine FH-Professur in Deutschland?

Promotion in Österreich - ein Nachteil bei Bewerbung auf eine FH-Professur in Deutschland?© Augenblick - Fotolia.com

Als Arbeitnehmerin in der Industrie wollte ich nebenberuflich promovieren mit dem Ziel, mich um eine FH-Professur in Deutschland zu bewerben. Da sich die Suche nach einem/-r Betreuer/-in als extern Promovierende schwierig gestaltete, beschloss ich schließlich, mich in Österreich an einer Universität einzuschreiben und dort zu promovieren - da dort mit Einschreibung an der Hochschule eine Betreuung zugesagt ist. Nun meine Befürchtung: Habe ich bei einer Bewerbung an einer FH in Deutschland schlechtere Chancen als Bewerber mit Promotion in Deutschland?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Es ist völlig richtig, wie Sie schreiben, dass eine berufsbegleitende Promotion möglich und zulässig ist. Wie Sie berichten, haben Sie bei bisher angefragten Lehrstühlen in Deutschland keine Möglichkeit einer solchen berufsbegleitenden Promotion gefunden. Wir können hier nur immer dazu raten, wenn Sie eine Wunschhochschule in Deutschland haben, hier bereits ein konkretes Promotionsthema auszuarbeiten und gegebenenfalls ein entsprechendes Exposé zu erarbeiten, um somit zu zeigen, dass Sie ernsthaft an der Durchführung Ihrer Promotion interessiert sind. Teils gelingt es auf diese Weise leichter, den späteren Doktorvater oder die Doktormutter für das bereits zu erkennende innovative Thema zu begeistern.

Da Sie sich nun - wie Sie schreiben - aber in Österreich an einer Universität eingeschrieben haben und Sie dort einen Doktorvater gefunden haben, der Ihre Doktorarbeit betreut, können Sie somit ja berufsbegleitend promovieren. Von einem etwaigen Wechsel eines Doktorvaters ist abzuraten und ist tatsächlich nur ein sehr seltener Vorgang, der auch tatsächlich nur dann in Betracht kommt, wenn es menschliche oder fachliche Probleme bei der Betreuung gibt.

Eine berufsbegleitende Promotion in Deutschland ebenso wie im deutschsprachigen Ausland ist jeweils eine wichtige Voraussetzung, um in Deutschland an eine Fachhochschule als Professorin zu gelangen. Sie können somit neben der für den Beruf der Fachhochschulprofessorin notwendigen mehrjährigen Berufserfahrung eben auch gleich einen entsprechenden Auslandsbezug und die Promotion nachweisen. Wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Bewerbung ist die Qualität der Doktorarbeit, die eben eine wesentliche Einstellungsvoraussetzung auf eine Professur in Deutschland ist. Doch spielt es hier, anders als z. B.bei einer Promotion in den USA, eine nicht entscheidende Rolle, ob die Promotion an einem bekannten Lehrstuhl bei einem bekannten Professor in Deutschland oder in Österreich erlangt wurde. In Amerika spielt neben der Qualität der Doktorarbeit vor allem auch das Renomée der Universität, an der Doktorgrad erworben wurde, sowie der Hochschullehrer oder der Hochschullehrerin, die die Arbeit betreut, eine große Rolle. Dies ergibt sich daraus, dass in den USA die Dissertation auf Grund der enormen Qualitätsunterschiede amerikanischer Hochschulen und der akademischen Reputation der Universität, an der der Ph.D. erworben wurde, ein weit höheres Gewicht innerhalb der Gesamtqualifikation zum Professor hat als in Deutschland.

Nach unserem Kenntnisstand werden auch z. B. in Österreich absolvierte Habilitationen von deutschen Berufungskommissionen uneingeschränkt anerkannt. Der Hintergrund ist hier, dass eine Habilitation in allen deutschsprachigen Ländern nach wie vor noch eine in vielen Fällen traditionelle Zulassungsvoraussetzung für die Berufung auf eine Universitätsprofessur ist. Einzelheiten ergeben sich hier aus den jeweiligen Habilitationsordnungen der Fakultäten.

Der Grund, weswegen eine vollständige Promotion im Ausland seltener vorkommt, ist sicherlich der der finanziellen Förderung durch deutsche Institutionen oder Organisationen, die nur in seltenen Fällen möglich ist. Wesentlich besser stehen hier die Chancen für zeitlich begrenzte Auslandsaufenthalte während der Promotion an einer ausländischen Hochschule. Bei der Suche nach finanziellen Fördermöglichkeiten für Auslandsaufenthalte während der Promotion können wir den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) empfehlen. Förderung für Promovierende gibt es ebenfalls im Rahmen des EU-Programms ERASMUS und über andere Förderungen (Stiftungen).