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Promovieren mit Kind

Promovierende Mütter und Väter stehen unter großer Doppelbelastung. Beidem, Promotion und Kind, gerecht zu werden, erfordert neben guter Organisation, vor allem starke Nerven. Wie geht es promovierenden Eltern und wo erhalten sie Unterstützung und finanzielle Hilfen?
Die Promotion mit Kind ist zwar eine Herausforderung - aber nicht unmöglich
14 - 22% der Doktoranden sind einer HIS-Umfrage zufolge bereits Eltern
Mit der Geburt eines Kindes verändert sich das Leben der Eltern von Grund auf: Prioritäten verschieben sich, die Zukunft wird anders geplant. Unter diesen Umständen eine Promotion zu beginnen, ist ein besonders spannendes Abenteuer - das sich durchaus bewerkstelligen lässt.

Hohe Doppelbelastung für Frauen

Es gibt jedoch große Unterschiede zwischen den Geschlechtern, was die auftretenden Mehrbelastungen durch Kinder angeht: Mehrere Studien zeigen, dass die Hauptlast bei den Frauen liegt - sie übernehmen in der Regel einen Großteil der familiären und erzieherischen Aufgaben. Entsprechend groß ist die Doppelbelastung für Frauen, wenn sie Promotion und Familie unter einen Hut bringen wollen. Einer HIS-Studie zufolge neigen Frauen in der Folge dazu, ihr berufliches Engagement nach der Geburt eines Kindes einzuschränken. Nichtsdestotrotz gab etwa die Hälfte der befragten Eltern an, mit der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie zufrieden zu sein.

Unterstützung für promovierende Eltern

Inzwischen gibt es auch vielfältige Angebote, den promovierenden Eltern unter die Arme greifen. Einige Forschungseinrichtungen und viele Hochschulen haben bereits Kindertagesstätten eingerichtet, deren Plätze speziell für Studenten und Mitarbeiter vorgehalten werden. Darüber hinaus bieten Studentenvertretungen (z.B. AStA) Beratungen für promovierende Eltern an, genauso wie die Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen. Sie geben Tipps und Hilfestellungen unter anderem zu Kindergeld, Unterhalt, Zukunftsplanung, Kinderfreibeträgen, Elterngeld, Elternzeit und Urlaubssemestern. Gleichzeitig sind sie auch Ansprechpartner für persönliche Probleme.

Finanzielle Herausforderungen für Doktoranden mit Kind

Nicht selten stellt die Geburt eines Kindes Doktoranden vor allem vor finanzielle Herausforderungen. Deshalb haben viele Hochschulen - wie etwa die Universität Köln - spezielle Fonds für promovierende Eltern eingerichtet. Unterstützt werden damit Mütter und Väter in Notlagen. Zudem gibt es vielerorts finanzielle und praktische Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Daher lohnt sich für (werdende) Eltern auf jeden Fall, sich bei den Promotions-Einrichtungen über bestehende Programme für Eltern und Frauen zu informieren. Darüber hinaus gibt es spezielle Stipendien für Doktorandinnen mit Kind - beispielsweise die der Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung.
ERFAHRUNGSBERICHT

Wenke Wilhelms und Alexander Egeling haben den Schritt gewagt und promovierten mit Kind. Was waren ihre Erfahrungen bei der Promotion mit Kind - und was würden sie Paaren raten, die vor der gleichen Situation stehen?

  • PROMOVIEREN MIT KIND - AUS SICHT DER MUTTER

    Zu Beginn meiner Promotion konnte ich sehr flexibel arbeiten, da meine Tochter noch nicht geboren war. Das änderte sich jedoch schlagartig nach ihrer Geburt. Damals haben wir versucht, die Betreuungszeiten während ihres ersten Lebensjahres gleichberechtigt auf beide Eltern zu verteilen, damit jeder von uns auch weiterhin im Beruf vorankommt - wenn auch etwas weniger als zuvor. Das würde ich auch wieder tun und anderen Paaren empfehlen. Daher mein Tipp an Promovierende mit Kind: Selbstbewusst erst einmal kleinere Schritte gehen, aber dennoch am Ball bleiben. Bei solchen kleinen wie auch großen Schritten hat mir die Unterstützung und familienfreundliche Einstellung der Hans-Böckler-Stiftung sehr geholfen, von der ich ein Promotionsstipendium hatte.
    - Wenke Wilhelms -
  • PROMOVIEREN MIT KIND - AUS SICHT DES VATERS

    Die Eltern-Kind-Beziehung kann in ihrer Bedeutung für den Nachwuchs kaum unterschätzt werden. Genauso verhält es sich auch mit der Promotion: Meiner Erfahrung nach ist die adäquate Wahl von Doktormutter bzw. -vater der entscheidende Faktor für das Gelingen einer Promotion. Wer also während der Promotion Kinder haben möchte, sollte sich möglichst eine Promotionsbetreuung suchen, die dies unterstützt. Wie sind Arbeitszeiten und Anwesenheitspflichten geregelt? Finden wichtige Besprechungen außerhalb von Kindergartenzeiten statt? Kann ein krankes Kind mal mit ins Büro kommen? Und wie ist die Reaktion, wenn ich als Vater ein halbes Jahr Elternzeit beantrage? Diese und ähnliche Fragen sollte man rechtzeitig klären.
    - Alexander Egeling -
Wenke Wilhelms und Alexander Egeling sind die Promotion mit Kind partnerschaftlich angegangen
Von
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