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Qualitätspakt Lehre: Mehr Profs, mehr Betreuung


VON KRISTIN HAUG

Das Fördergeld des groß angelegten Qualitätspaktes soll die chronisch unterfinanzierte Lehre verbessern - wenn es denn kommt.

Qualitätspakt Lehre: Mehr Profs, mehr Betreuung© Dan Race - Fotolia.comDer Qualitätspakt Lehre soll bessere Studienbedingungen schaffen
Der Professor für Puppenspielkunst kann kommen - einer, der den Schauspielschülern zeigt, wie es sich auch mit digitalen Medien, mit Animation und Trickfilm im Puppenspiel arbeiten lässt. Für die Schauspielschule Ernst Busch in Berlin ist das Bund-Länder-Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre, kurz Qualitätspakt, eine große Sache.

»Neben der neuen Professur können wir zwei Stellen im akademischen Mittelbau besetzen«, sagt der Kanzler der Hochschule, Kai Schlegel. Er sei dankbar für die 900.000 Euro, dankbar, dass auch künstlerische Hochschulen berücksichtigt würden. Der Wettbewerb um Fördergeld sei »eine tolle Sache«, sagt Aloys Krieg, der Prorektor für Lehre an der RWTH Aachen. Es sei gut, wenn sich Universitäten im Vorfeld darüber Gedanken machten, wie sie ihre Angebote verbessern könnten, anstatt erst Geld zu bekommen, um dann zu überlegen, wie es ausgegeben werden könne. Die RWTH hat sich zum Beispiel unter anderem mit dem Projekt beworben, das E-Learning-Angebot fächerspezifisch auszuweiten. Insgesamt gehen rund 15 Millionen Euro nach Aachen, unter anderem auch für vier neue Professuren und 16 Mentorenstellen.

Wie die RWTH wollen größere Hochschulen durch den Qualitätspakt vor allem strukturelle und längerfristige Ziele realisieren. Neu geschaffene Stellen, Teams, Einrichtungen und Kooperationen sollen möglichst über den Förderungszeitraum hinaus bestehen bleiben. Obwohl jede Hochschule andere Maßnahmen beantragt hat, kristallisieren sich ähnliche Absichten heraus: In erster Linie sollen Probleme aus Studiengängen erkannt und Inhalte überarbeitet werden.

Der Qualitätspakt Lehre

Mit dem Qualitätspakt Lehre werden von diesem Wintersemester an 52 Universitäten, 47 Fachhochschulen sowie 12 Kunstund Musikhochschulen in Deutschland gefördert. Innerhalb der nächsten fünf Jahre erhalten sie 600 Millionen Euro. Das von Bund und Ländern getragene Programm soll Hochschulen dabei unterstützen, die Studienbedingungen zu verbessern. Inklusive Anschlussfinanzierungen lässt sich der Bund den Qualitätspakt bis zum Jahr 2020 rund zwei Milliarden Euro kosten. Im Gegensatz zur Exzellenzinitiative soll mit dem Programm nicht die Forschung, sondern die Lehre unterstützt werden - das Geld kommt also primär den Studenten zugute. Deutschlandweit haben sich 204 Hochschulen mit eigenen Konzepten um eine Förderung beworben. Neben den 111 Hochschulen, die in der ersten Runde erfolgreich waren und im Mai bekannt gegeben wurden, entscheidet ein Auswahlgremium der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz derzeit über die Anträge aus einer zweiten Auswahlrunde. Für die erfolgreichen Unis startet die Förderung im Sommersemester 2012.
Die Studenten sollen besser betreut und die Lehre internationaler ausgerichtet werden - sei es durch ausländische Professoren oder durch Forschungsprojekte mit Partner-Unis. Weiterbildungs- und Coaching-Angebote sollen es den Dozenten ermöglichen, ihre Lehre zu modernisieren. Schließlich wollen die Unis ihre Studentenzahlen sichern, indem sie schon jetzt den Kontakt zu Gymnasien intensivieren. An der HU Berlin ist zum Beispiel ein Kolleg geplant, an dem Abiturienten aus bildungsfernen Schichten auf den Übergang von der Schule an die Uni vorbereitet werden. Auch kleinere Hochschulen sehen in dem Programm eine einmalige Chance, ihre Lehre langfristig zu verbessern.

»Für uns ist das die einzige Möglichkeit, Dinge etwas fokussierter anzugehen. Wir verstehen den Qualitätspakt als Reaktion auf die Exzellenzinitiative, bei der nur einige wenige Standorte gefördert werden«, sagt Andreas Mai, der an der Bauhaus-Universität in Weimar akademische Angelegenheiten koordiniert und mit etwa drei Millionen Euro rechnen kann. Mit dem Geld soll das Schnittstellenmanagement verbessert werden - also die Übergänge etwa zwischen Bachelor und Master. Außerdem will Weimar mehr Studenten für die Naturwissenschaften und Mathe gewinnen. Mit einem Self-Assessment-Test und einem Orientierungsstudium sollen falsche Vorstellungen beseitigt und Hemmschwellen abgebaut werden.

Noch gibt es aber einen Haken: So erfreulich der Qualitätspakt für die chronisch unterfinanzierte Lehre ist - so schwerfällig ist er bisher angelaufen. Schon jetzt klagen Hochschulen über Probleme, weil das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt als Projektträger mit den Bewilligungsbescheiden nicht hinterherkomme. »Wir sind dabei, die Umsetzung unserer Projekte vorzubereiten. Hier gibt es noch die üblichen Steine und Steinchen auf dem Weg, und wir hoffen, in enger Kooperation mit dem Projektträger, der anscheinend von der großen Arbeitslast dieses Programms überrascht wurde, bald volle Fahrt aufnehmen zu können«, sagt Ulfert Oldewurtel, der Referent des HU-Vizepräsidenten. Die Uni könnte viel schneller arbeiten, wenn das Geld - rund 13 Millionen Euro - schon flösse. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung beruhigt und sichert zu, die Anträge so »zügig wie möglich, aber auch so sorgfältig wie nötig« zu bearbeiten.

Aus DIE ZEIT :: 20.10.2011

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