Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Raus aus dem Labor!

VON KATJA BOSSE

Wo Naturwissenschaftler überall gebraucht werden.

Raus aus dem Labor!© Matt Jeacock - iStockphoto.comNaturwissenschaftler haben auch außerhalb des Labors viele Arbeitsmöglichkeiten

Im Verlagswesen

Auch ohne selber im Labor zu stehen, können Naturwissenschaftler mit der neuesten Forschung in Kontakt bleiben: als Zeitschriftenredakteur oder Buchlektor eines Wissenschaftsverlags. Manuskripte müssen begutachtet, Kontakte zu Autoren gepflegt und Abgabetermine eingehalten werden. Im Lektorat spüren Naturwissenschaftler außerdem Trends auf und betreiben Marktanalysen, um neue Buchprojekte zu konzipieren und mit den besten Autoren umzusetzen. Neben dem Expertenwissen werden perfekte Englischkenntnisse, diplomatisches Geschick und ein sehr gutes Sprachgefühl erwartet. Auch eine Promotion wird gern gesehen. Organisationstalent ist unabdingbar. Der Einstieg gelingt am besten durch Praktika oder Traineeprogramme.

Im Qualitätsmanagement

Ob Energiesparlampen oder Fahrzeugzubehör: Damit der Verbraucher sich auf eine gleichbleibende Qualität der Ware verlassen kann, muss ein Produkt sowohl in der Entwicklung als auch während der Produktion geprüft werden. Qualitätsmanager kontrollieren deshalb unentwegt, ob alle verwendeten Materialien dauerhaft gleiche Eigenschaften bieten, ob sie jederzeit lieferbar und möglichst einfach zu handhaben sind. Gleichzeitig müssen diese Mitarbeiter auch ihren Kopf hinhalten, wenn etwas reklamiert wird. Neben technischem Verständnis brauchen Bewerber deshalb vor allem eine strukturierte Arbeitsweise und Verantwortungsbewusstsein. In der Regel wird auch eine hohe Reisebereitschaft zu Produktions- und Entwicklungsstätten verlangt. Praktika sind hilfreich; dann kann ein Einstieg auch frisch von der Uni gelingen.

Im Marketing

Man kann die tollsten Dinge entwickeln - wenn es dafür keine Abnehmer gibt, floppen sie trotzdem. Deshalb klinken sich Marketingexperten schon zu Beginn in die Forschungsarbeit ein und bewerten, ob sich mit dem neuen Produkt so viel Geld verdienen ließe, dass es sich überhaupt lohnt, in seine weitere Entwicklung zu investieren. Dass es Vorteile bietet, wenn diese Mitarbeiter durch ein naturwissenschaftliches Studium wissen, wovon die Forscher sprechen, liegt auf der Hand. Als Produktmanager - zum Beispiel in der Pharmabranche - kümmern sie sich bis zur Markteinführung um Verkaufsstrategie, Anzeigenkampagnen und Werbung. Viele haben deshalb vorher schon im Vertrieb gearbeitet oder ein Traineeprogramm absolviert.

Im Patentwesen

Wer etwas erfindet, will es auch schützen und sich die alleinigen Rechte daran sichern. Dafür muss er ein Patent anmelden - und das ist ziemlich kompliziert. Patentanwälte helfen Forschern und Unternehmen dabei, alle Vollmachten, Beglaubigungen und Gebühren beim Amt einzureichen, die Fristen einzuhalten und Prüfungsbescheide zu erwidern - entweder in einer Kanzlei oder in einer Patentabteilung der Großindustrie. Immer häufiger werden Patentanwälte auch von Unternehmen konsultiert, die Patentwerte anderer Firmen schätzen lassen wollen, bevor sie sie übernehmen. Um diesen Beruf ausüben zu dürfen, muss man ein naturwissenschaftliches Universitätsstudium und eine mindestens einjährige technische Tätigkeit nachweisen. Zusätzlich ist eine knapp dreijährige Ausbildung unter anderem bei einem fertigen Patentanwalt nötig. Nebenbei studiert man zwei Jahre lang allgemeines Recht an der Fern-Uni Hagen.

In der Beratung

Wenn Pharmakonzerne fusionieren wollen oder ein Chemieunternehmen Sparpläne braucht, entwickeln Strategieberater eine Lösung. Damit dies möglichst schnell geschieht, setzt der Kunde Fachwissen voraus. Etwa ein Viertel aller Consultants hat daher - neben kreativen Ideen und einem Gesamtverständnis für die Branche - einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Um an einen der begehrten und gut bezahlten Jobs bei einer Unternehmensberatung zu kommen, muss man sehr gute Studienleistungen, Auslandserfahrung und soziale Kompetenz mitbringen. Basiswissen in BWL kann man sich hingegen auch nach dem Berufsstart aneignen.

Aus DIE ZEIT :: 08.12.2011

Ausgewählte Artikel