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Reelle Chance auf eine akademische Karriere in Deutschland?

Reelle Chance auf eine akademische Karriere in Deutschland?© broken3 - iStockphoto.com

Ich bin Ende 20, komme aus dem Ausland und befinde mich seit mehr als zwei Jahren in Deutschland. Ich bin promoviert und jetzt arbeite ich an meiner Habilitation. Ich beabsichtige, eine akademische Karriere in Deutschland zu machen. Mein Doktorvater ist ein sehr renommierter Professor. An seiner Unterstützung mangelt es mir nicht: Referenzbriefe, Kommentare und Gespräche bekomme ich schnell und problemlos. Ich bin Mitglied professioneller Assoziationen und arbeite jetzt intensiv an englischsprachigen Publikationen.

Ich habe einige Fragen:
(1.) Meine Zeit in Deutschland finanziere ich durch Stipendien (DAAD usw.). Mein Professor hat zurzeit keine Stelle. D.h. es ist möglich, dass ich die Zeit meiner Habilitation durch Drittmittel finanzieren müssen werde. Welche Wirkung kann das auf meine zukünftige Karriere haben?

(2.) Ich unterrichte an der Universität, habe dort ein Büro und treffe mich oft mit Kollegen. Wird es einen Nachteil für meine spätere Karriere darstellen, dass ich nicht im universitären Mittelbau gearbeitet habe?

(3.) Ich habe mit meinem Professor über meine Idee gesprochen, mich um eine Stelle in Deutschland zu bemühen. Er sagte, dass es sicherlich möglich ist, dafür aber viel Zeit kosten wird, und der Prozess der Habilitation sich als Resultat verlängern wird. Er sagte, er sei interessiert daran, dass ich relativ schnell habilitiere. Was können Sie dazu sagen?

(4.) Und endlich, die Frage aller Fragen: ich habe einen guten Doktorvater und den Institutsdirektor, der mir hilft, die ungeschriebenen Regeln des deutschen Unisystems zu verstehen. Ich habe über die Bemühengen, mehr Frauen zu rekrutieren sowie die Internationalisierung deutscher Universitäten zu steigern, gelesen. Die Frage ist, ob für mich die reelle Chance auf eine akademische Karriere in Deutschland besteht.

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Wir freuen uns sehr darüber, dass Sie gute Bedingungen vorfinden, um erfolgreich zu sein. Unsere Einschätzung zu Ihren Fragen geht dahin, dass es durchaus ein Vorteil sein kann, Ihre Habilitation durch Drittmittel zu finanzieren. Drittmittel spielen im Rahmen einer Berufung auf eine Professur auch bei erstberufenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern häufig eine große Rolle. Wenn Sie bereits frühzeitig mit Drittmitteln in Verbindung kommen, diese sogar selbst - z. B. für die eigene Weiterbildung - einwerben, so sollte dies prinzipiell vorteilhaft sein.

Man kann auf der anderen Seite leider nicht prognostizieren, ob es ein Nachteil für Ihre spätere Karriere darstellen wird, dass Sie sich nicht im universitären Mittelbau befunden haben.

Wenn Sie Ihre Habilitation durch Drittmittel finanzieren, so kann dies ebenfalls - wie soeben ausgeführt - großen Wert haben.
Wichtig erscheint uns, dass Sie - eben weil Sie nicht im Mittelbau tätig sind -, trotzdem über ausreichend Lehrerfahrung verfügen sollten. Vor allem müssen Sie für eine gute Vernetzung sorgen. Halten Sie also stets Kontakt zur Hochschule! Sie sind noch jung, haben einen internationalen Hintergrund und versuchen schnell das Habilitationsverfahren abzuschließen.

All das sind sicherlich - auch ohne Mittelbautätigkeit - sehr gute Voraussetzungen, um eine Professur in Deutschland zu erreichen.
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