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Reife macht erfolgreich

Von Dieter Spath, Thorsten Rogowski, Dirk Artelt

Für Ausgründungen aus öffentlichen Forschungseinrichtungen gilt: Je weiter entwickelt ein Produkt zum Ausgründungszeitpunkt ist, desto wahrscheinlicher ist der wirtschaftliche Erfolg des ausgegründeten Unternehmens. Ein Prototyp und ein funktionierendes Netzwerk helfen den Gründern.

Reife macht erfolgreich© suze - Photocase.com
Der Weg von der Erfindung zu einem Produkt, das sich am Markt durchsetzt, kann lang sein. Hightech-Ausgründungen aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen liefern den Wissensund Technologietransfer dafür: Solche Spin-offs tragen Erkenntnisse, Methoden und Technik aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Damit sind Forschungsergebnisse kommerziell verwertbar. Die Studie "Wirtschaftliche Entwicklung von Ausgründungen aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen" der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) geht unter anderem der Frage nach, wie sich Spin-offs entwickeln und ob ein höherer Reifegrad eines Produkts oder einer Dienstleistung zum Ausgründungszeitpunkt den wirtschaftlichen Unternehmenserfolg verbessert. 82 Spin-offs nahmen an der Studie teil.

Lange bei der Mutter bleiben

Vom Innovationsprozess leiten sich die Stufen Idee, Konzept, Entwurf, Prototyp und fertiges Produkt ab. In der Analyse des Produktreifegrads zeigte sich, dass mehr als 40 % der Unternehmen ohne Prototyp, nur auf Basis einer Produktidee, eines Konzepts oder eines Produktentwurfs ausgründen (Abbildung). Diese Unternehmen mussten die Zeit bis zur Entwicklung von serienfertigen Produkten finanziell überbrücken. Der Finanzbedarf bei Unternehmen mit intensiven Aktivitäten in Forschung und Entwicklung (F+E) ist hoch; ihn müssen teilweise Dritte decken. Für junge Unternehmen, die sich in der Seed- oder Startup- Phase befinden, erweist sich der Aufbau einer externen Finanzierung als besonders herausfordernd [Nachr. Chem. 2008, 56, 1037]. Für Banken und andere Kapitalgeber ist es häufig schwer, das Marktpotenzial der Produkte und das entsprechende Risiko abzuschätzen. Es werden häufig höhere Sicherheiten verlangt oder Finanzierungsanfragen aufgrund des hohen Risikos abgelehnt. Der Fall eines Spin-offs aus der Werkstofftechnik, das Supraleiter herstellt, zeigt die Vorteile einer langen und intensiven Verknüpfung mit dem Mutterinstitut: Das Produkt wurde prototypisch im Institut entwickelt und hatte zum Gründungszeitpunkt schon einen vom Markt akzeptierten Reifegrad. Über Kooperations- und Lizenzierungsverträge wurde das Produkt unter Beibehaltung der wissenschaftlichen Nähe im Institut fertig entwickelt, und die ersten Chargen wurden produziert.

Wann geht's in Serie?

Im Rahmen der Studie berichteten Gründer außerdem, dass sie den Reifegrad des Produkts zum Gründungszeitpunkt falsch eingeschätzt hatten und bis zum serienfertigen Produkt noch mehrere Jahre Entwicklungszeit notwendig waren. Auch dies kann zu einem finanziellen Engpass führen, da neben den erhöhten F+E-Ausgaben für die Fertigstellung des Produkts kein Umsatz generiert wird.

Prototyp erforderlich

Welchen Einfluss hat der Produktreifegrad zum Ausgründungszeitpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung der Spin-offs, bezogen auf das Personalwachstum? Für ältere Spin-offs liefert die Studie keinen Hinweis. Für jüngere Spin-offs aus dem Ausgründungszeitraum 2002 bis 2006 ist jedoch ein Trend erkennbar: Unternehmen mit hohem Produktreifegrad entwickeln sich innerhalb der ersten fünf Jahre wirtschaftlich besser als Unternehmen mit einem niedrigeren Produktreifegrad. Die Spin-offs ohne funktionsfähigen Prototyp entwickeln sich in den ersten Jahren nach der Gründung langsamer und wachsen schwächer. Acatech empfiehlt Gründern deshalb, die Technik im Mutterinstitut weiterzuentwickeln bis sie in ein marktfähiges Produkt überführt werden kann. Gründer sollen frühzeitig den Auf- und Ausbau ihres persönlichen Netzwerks anstreben und die bereits für den Gründungsprozess erforderlichen Beratungs- und Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen. Forschungsorganisationen und Instituten wird empfohlen, Gründer beim Aufbau von Netzwerken zu unterstützen und die positive Grundhaltung aller Mitarbeiter gegenüber Ausgründungswilligen zu fördern.


Über die Autoren
Dieter Spath ist Vizepräsident von Acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften - und Leiter des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).
Thorsten Rogowski arbeitet am IAO im Competence Center Innovationsmanagement.
Dirk Artelt ist bei Fraunhofer persönlicher Referent des Finanzvorstands.


Aus Nachrichten aus der Chemie» :: November 2010

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