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Rektor des Jahres 2017 - Ergebnisse des DHV-Rankings

von THOMAS KRÜGER und GEORG RUDINGER

Zum neunten Mal konnten die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) die Arbeit "ihres" Rektors/Präsidenten bewerten. Welcher Rektor/Präsident hat sich verbessert und welcher verschlechtert?

Rektor des Jahres 2017© Bergische Universität Wuppertal/Friederike von HeydenProfessor Dr. Lambert T. Koch wurde bereits zum dritten Mal zum Rektor des Jahres gekürt
Professor Dr. Lambert T. Koch von der Universität Wuppertal ist "Rektor des Jahres 2017". Koch war schon 2011 und 2014 "Rektor des Jahres" und ist der einzige, der es wiederholt auf den ersten Platz geschafft hat. Gewählt wurde er von 3.327 Mitgliedern des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), der das Ranking einmal im Jahr durchführt. Der letztjährige Rektor des Jahres Professor Dr. Dabbert von der Universität Hohenheim erreicht in diesem Jahr den zweiten Platz (s. Tabelle 1).

Ende letzten Jahres hat der DHV seine Mitglieder nun zum neunten Mal zur Wahl "Rektor des Jahres" aufgerufen1. Die bisher immer gemeinsam stattfindende Wahl zum "Wissenschaftsminister des Jahres" hat der DHV aus Protest gegen die Akkreditierungsentscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 8. Dezember 2016 ausfallen lassen und per Präsidiumsentscheidung Mathias Brodkorb, inzwischen Finanzminister (Mecklenburg-Vorpommern), die Auszeichnung "Wissenschaftsminister des Jahres" verliehen (s. Forschung & Lehre 1/2017, S. 5).

Das Vorgehen bei der Wahl zum "Rektor des Jahres" entsprach grundsätzlich dem bisherigen Procedere. Die Teilnehmer sollten aus einer Liste von elf Eigenschaften (s. Tabelle 2) die fünf wichtigsten auswählen, über die ihrer Meinung nach der Rektor ihrer Hochschule verfügen sollte. Dies ist der erste Schritt, um für jede Hochschule ein eigenes je spezifisches Anforderungsprofil bestimmen zu können. In einem zweiten Schritt bewerteten die Teilnehmer dann den Rektor ihrer Hochschule auf jeder der elf Eigenschaften mit einer Note von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend). Dabei bestand jedoch immer die Möglichkeit, auf die Bewertung einzelner Eigenschaften zu verzichten. Diese Noten wurden dann für jede Hochschule gemäß ihrem jeweiligen Anforderungsprofil gewichtet zu einer Gesamtnote aggregiert.

Abgestimmt werden konnte nur über Rektoren, die zum Ende des Abstimmungszeitraums mindestens 100 Tage im Amt waren und deren Amtszeit auch noch mindestens zum Tag der Verleihung des Preises (am 3. April 2017 in München) andauert. Für das hier vorzustellende Ranking wurden aus statistischen Gründen nur Rektoren mit mindestens 30 Voten berücksichtigt. Wie in vorherigen Jahren bestand die Möglichkeit, über die numerische Bewertung hinaus Kommentare zum eigenen Rektor abzugeben. Davon machten 17 Prozent der Teilnehmer der Befragung Gebrauch. 83 Prozent der Kommentare wurden von den Teilnehmern zur Veröffentlichung freigegeben - natürlich ohne Verweis auf das jeweilige DHV-Mitglied.

Die Bewertungen konnten DHV-Mitglieder online zwischen dem 11. November und 16. Dezember 2016 abgeben. Die Einladungen zur Teilnahme an den Rankings sind am 11. November 2016 vom DHV elektronisch an die 26.024 Mitglieder versandt worden, für die dem DHV eine E-Mail-Adresse vorlag. Jede Einladung enthielt ein individuelles Passwort. Durch die Nutzung von Passwörtern konnte sichergestellt werden, dass nur DHV-Mitglieder an den Umfragen teilnehmen und diese nur jeweils einmal abstimmen konnten. Dem Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM) als durchführendem Institut war aber nie bekannt, welche Personen den jeweiligen Passwörtern zugeordnet waren. Es war jedoch technisch möglich, dem DHV zurückzumelden, welche Passwörter genutzt worden waren. Der DHV konnte mit dieser Information dann Anfang Dezember nochmals jene Mitglieder zur Teilnahme einladen, die bis dato noch nicht an der Befragung teilgenommen hatten.

Rektor des Jahres 2017 - Ergebnisse des DHV-Rankings © Forschung & Lehre Tabelle 1: Ranking der Rektoren 2017

Ergebnisse "Rektor des Jahres"

Für das Ranking berücksichtigt das ZEM hier nur die 47 Rektoren, die mindestens 30 Bewertungen erhalten haben. In Tabelle 1 sind die Top 31 Rektoren (die oberen zwei Drittel) mit der gewichteten Gesamtnote aufgeführt. "Rektor des Jahres 2017" ist Professor Dr. Lambert T. Koch von der Universität Wuppertal, gefolgt von dem Vorjahressieger Professor Dr. Stephan Dabbert von der Universität Hohenheim. Auf Platz 3 befindet sich der Preisträger 2015 Professor Dr. Helmut J. Schmidt von der TU Kaiserslautern, auf Platz 4 Professor Dr. Joachim Hornegger von der Universität Erlangen-Nürnberg und auf Platz 5 Professor Dr. Ulrich Radtke von der Universität Duisburg-Essen.

Die Kommentare zum Preisträger Professor Dr. Koch sind (entsprechend seiner "Note 1,58") fast ausschließlich positiv: Er baue großes Vertrauen in Universität und Region auf und sei ein exzellenter, unglaublich positiv kommunizierender Vernetzer. Er vereine alle Eigenschaften, die ein Universitätsrektor haben sollte, er sei einfach ein Super Rektor, der - und dies fassen wir auch als positiven Kommentar auf - als John F. Kennedy des Bergischen, nämlich als charismatische Integrationsfigur, Mediator, Dynamisierer, Visionär angesehen werde.

Beim Zweitplatzierten Professor Dr. Dabbert werden besonders sein Weitblick, seine Entschlossenheit und Geduld bei der Neupositionierung Hohenheims, sein unfassbar hoher persönlicher Einsatz hervorgehoben - gepaart mit Transparenz bei Entscheidungen. Die positiven Kommentare zu Professor Dr. Schmidt (Platz 3) betonen, dass er die Fähigkeit habe, die lokale Uni-Kultur perfekt zu verstehen. Er verkörpere seine Uni mit Herz und Seele. Die Plätze 1 bis 3, ebenso Platz 4 (Professor Dr. Hornegger, Erlangen-Nürnberg) und 5 (Professor Dr. Radtke, Duisburg-Essen) werden durchgängig jeweils als die für ihre Universitäten besten Rektoren und geradezu als Glücksfälle angesehen. Kritische Kommentare findet man bei den Podestplätzen nur als Nadeln im Heuhaufen, wie "mehr Ansprechbarkeit gegenüber Professoren", "zu sehr Top-Down-Planung". Bei den Plätzen 4 und 5 sind alle Kommentare so positiv, dass man hier die Sieger der kommenden Jahre vermuten kann.

Die Platzierungen der Rektoren des letzten Drittels (32 bis 47) sind entsprechend den bei der Abstimmung bekannt gegebenen "Spielregeln" nicht gesondert ausgewiesen. In diesem Block ist die Reihenfolge alphabetisch nach den Hochschulstandorten. Wie schon in den vorangegangenen Jahren soll so das Risiko reduziert werden, dass unter diesem Aspekt besonders schlecht dastehende Hochschulen auch von politischer Seite Nachteile erfahren könnten. Im ersten Schritt der Bewertung wurden - wie oben beschrieben - aus einer Liste mit elf Eigenschaften/Kompetenzen von den Teilnehmern die fünf ausgewählt, die für einen Rektor an ihrer jeweiligen Hochschule als besonders wichtig erachtet werden. In der Rubrik "Wichtigkeit" der Tabelle 2 ist der Anteil der Teilnehmer aufgeführt, der die jeweilige Eigenschaft zu den fünf wichtigsten zählt.

Rektor des Jahres 2017 - Ergebnisse des DHV-Rankings © Forschung & Lehre Tabelle 2: Liste der Eigenschaften "Rektor des Jahres" sortiert nach Wichtigkeit
Diese Anteile bestimmen die dargestellte Reihenfolge der Eigenschaften. Im Vergleich zu 2016 haben die Eigenschaften "Kommunikationsfähigkeit" (von Platz 5 auf 3) und "Visionäre Kraft" (von 7 auf 5) an Bedeutung gewonnen und die Eigenschaften "Kenntnis des Universitätsbetriebes" und "Problemlösungskompetenz" (von 3 auf 4 bzw. von 4 auf 6) relativ verloren. Es sind sodann jeweils die beste und schlechteste Bewertung eines einzelnen Rektors bezüglich der elf Eigenschaften angegeben, sowie die durchschnittliche Bewertung über alle Rektoren. Zum Vergleich sind auch die letztjährigen Bewertungen (Spalte: Mittel 2016) aufgeführt. Bei allen elf Eigenschaften hat sich die Wahrnehmung der Rektoren durch die Professorenschaft im Durchschnitt kaum verändert; die Differenzen zu 2016 betragen immer weniger als eine Zehntel-Note. Entsprechend ist auch die gewichtete durchschnittliche Gesamtnote für alle berücksichtigten Rektoren mit 2,67 praktisch gleich mit der von 2016 (2,66).

Die Gesamt-Note und die Bandbreite der Einzelnennungen bewegen sich also im Rahmen der letzten Jahre. Dies gilt auch für die Kommentare ab Platz 6. Schon in der oberen Tabellenhälfte sind sie sehr unmissverständlich, missbilligend und kritisch und verschärfen sich natürlich im letzten Drittel. Dahin müssten wir uns aber gar nicht erst begeben, um weiterhin gewisse Leitthemen zu identifizieren wie "Selbstbedienungsmentalität; Eitelkeit; Gutsherrenart; Selbsterhöhung; Rektor als Halbgott; Autokratischer Führungsstil; Interessen der Universität werden dem persönlichen Karrierestreben untergeordnet", so ein Kommentar.

Neben diesen eher persönlichen (In-)Kompetenzen werden "Intransparenz, Hierarchisierung, Zentralisierung von Strukturen" beklagt. Im Sinne der Fairness ist jedoch immer wieder zu erwähnen und zu betonen, dass es bis in die unteren Ränge auch eine Reihe positiver Bewertungen gibt: "Rektor 2.0; offene, dynamische und entscheidungsstarke Führungspersönlichkeit; ehrlicher Vermittler zwischen den Fakultäten; sehr fair und lässt sich von rationalen Argumenten überzeugen; offenes Ohr für die Anliegen von Wissenschaftler/inne/n" - um aus einigen Kommentaren zu zitieren.

Dominik Rohn und Karsten Weihe haben vor einiger Zeit darüber nachgedacht, wieviel Elemente von "Willkür" in Rankings - von Stiftung Warentest bis hin zum CHE-Ranking - vorhanden sind (s. Forschung & Lehre 9-13, S.740- 741). Für das vorliegende Ranking mögen dies die Teilnehmer und die Leser selbst entscheiden. Entsprechende kritische Kommentare gab es im Übrigen keine. Wenn alle Stricke reißen, kann man sich auf den Bonner Altrektor Klaus Borchard berufen: "Wie das Ranking heißt, wie es funktioniert, ist mir so lange egal, wie ich auf einem der ersten drei Plätze bin."

1 Es wird der besseren Lesbarkeit halber einheitlich von Rektor gesprochen, auch wenn einige Hochschulen die Bezeichnung Präsident verwenden. Maskuline Personen- und Funktionsbeschreibungen gelten grundsätzlich immer für Männer und Frauen.


Über die Autoren
Dr. Thomas Krüger ist Leiter des Bereichs Umfragen & Statistik am Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM).
Georg Rudinger ist Gründer des ZEM und Professor em. für Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation am Institut für Psychologie der Universität Bonn.

Aus Forschung & Lehre :: März 2017

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