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Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2011

Von Thomas Krüger und Georg Rudinger

In diesem Jahr konnten die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbandes bereits zum dritten Mal "ihren" Rektor und "ihren" Wissenschaftsminister des Jahres wählen. Wie groß ist die Zufriedenheit im Vergleich zum letzten Ranking? Wo gab es Verbesserungen, wo Verschlechterungen?

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2011© Jepp/Hänsel - Bergische Universität WuppertalProf. Dr. Lambert T. Koch ist Rektor des Jahres 2011
Ende letzten Jahres hat der DHV seine Mitglieder zum dritten Mal zur Wahl "Rektor des Jahres" und in dieser Form zum zweiten Mal zur Wahl des "Wissenschaftsministers des Jahres" aufgerufen*. Insgesamt haben sich 2 875 Mitglieder an mindestens einer der Abstimmungen beteiligt; etwas mehr als letztes Jahr. Gewählt wurde zum "Rektor des Jahres 2011" Professor Dr. Lambert Koch von der Universität Wuppertal und zum "Wissenschaftsminister des Jahres 2011" die Kultusministerin des Landes Sachsen-Anhalt, Professor Dr. Birgitta Wolff. Das Vorgehen bei den Wahlen zum "Rektor des Jahres" und "Wissenschaftsminister des Jahres" entsprach methodisch weitestgehend dem vorjährigen Procedere: Die Teilnehmer sollten zunächst bei beiden Wahlen aus einer Liste von 18 bzw. 25 Eigenschaften die fünf wichtigsten auswählen, über die ihrer Meinung nach der Rektor ihrer Hochschule bzw. der Minister ihres Bundeslandes verfügen sollte. Somit kann für jede Hochschule sowie für jedes Bundesland ein eigenes Anforderungsprofil bestimmt werden. In einem zweiten Schritt bewerteten die Teilnehmer den Rektor ihrer Hochschule und ihren Minister auf jeder der Eigenschaften mit einer Schulnote von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend). Dabei bestand jedoch immer die Möglichkeit, auf die Bewertung einzelner Eigenschaften zu verzichten. Diese Noten wurden dann für jede Hochschule bzw. für jedes Bundesland gemäß ihrem jeweiligen Anforderungsprofil gewichtet zu einer Gesamtnote aggregiert. Jeder Teilnehmer konnte neben dem Rektor seiner Hochschule und dem Wissenschaftsminister seines Bundeslandes auch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Annette Schavan, beurteilen. Auch hier sollten zunächst die fünf wichtigsten Eigenschaften bestimmt und dann die Ministerin bezüglich aller Eigenschaften bewertet werden. Die gemäß Anforderungsprofil gewichteten Bewertungen sind wieder zu einer Gesamtnote aggregiert worden. Die Eigenschaftsliste ist analog zu der Liste für die Landesminister, wenn nötig angepasst von Landesauf Bundesebene. Daher können wir die Ergebnisse der Bundesministerin mit denen der Landesminister vergleichen und die Bundesministerin in dieses Ranking einordnen. Ergänzt wurde dieses Jahr aufgrund des Vorschlages einer Teilnehmerin des letzten Jahres bei der Bundesministerin die Eigenschaft "Durchsetzungsfähigkeit gegenüber den Landesministern und KMK".

Abgestimmt werden konnte nur über Rektoren, die zum Ende des Abstimmungszeitraums mindestens 100 Tage im Amt waren und deren Amtszeit auch noch mindestens zum Tag der Verleihung des Preises (12. April 2011) andauert. Analog konnten die aktuellen Wissenschaftsminister bewertet werden, wenn diese zum Ende des Befragungszeitraums mindestens schon 100 Tage im Amt waren. Wenn dies nicht der Fall war, konnte aber der Amtsvorgänger bewertet werden. Für das hier vorzustellende Ranking wurden aus statistischen Gründen schließlich nur Rektoren mit mindestens 30 und Minister mit mindestens 50 Voten berücksichtigt. Erstmalig bestand die Möglichkeit, über die numerischen Bewertungen hinaus Kommentare zum eigenen Rektor, Minister bzw. zur Bundesministerin abzugeben. Davon machten jeweils fünf bis zehn Prozent der Teilnehmer Gebrauch. Etwa Zweidrittel der Kommentare wurden von den Teilnehmern zur Veröffentlichung freigegeben - natürlich ohne Verweis auf das jeweilige DHV-Mitglied. Die Bewertungen konnten DHVMitglieder online zwischen dem 11. November und 15. Dezember 2010 abgeben. Die Einladungen zur Teilnahme an den Rankings sind am 11. November vom DHV elektronisch an die 22 657 Mitglieder versandt worden, für die dem DHV eine E-Mail-Adresse vorlag. Jede Einladung enthielt ein individuelles Passwort.

Durch die Nutzung von Passwörtern konnte sichergestellt werden, dass nur DHV-Mitglieder an den Umfragen teilnehmen und diese nur jeweils einmal abstimmen konnten. Dem ZEM als durchführendem Institut war aber nie bekannt, welche Personen den jeweiligen Passwörtern zugeordnet waren. Es war jedoch technisch möglich, dem DHV zurückzumelden, welche Passwörter genutzt worden waren. Der DHV konnte mit dieser Information dann Ende November und erneut Mitte Dezember gezielt nochmals jene Mitglieder zur Teilnahme einladen, die bis dato noch nicht an der Befragung teilgenommen hatten. Auf die Einladungen haben 3 601 Mitglieder reagiert und mit einer Befragung begonnen. Schließlich haben 2 875 Mitglieder mindestens eine der Befragungen komplettiert.

Ergebnisse "Rektor des Jahres"

Insgesamt haben 2 469 Mitglieder den Rektor ihrer Hochschule bewertet. Für das Ranking berücksichtigen wir hier aus statistischen Gründen nur die 40 Rektoren, die mindestens 30 Bewertungen erhalten haben. In Tabelle 1 sind die Top 27 Rektoren (oberen zwei Drittel) mit der gewichteten Gesamtnote aufgeführt. "Rektor des Jahres 2011" ist Professor Dr. Koch von der Universität Wuppertal, gefolgt vom Preisträger 2009, Professor Dr. Weiler (Universität Bochum), und Professor Dr. Dominiak von der Universität zu Lübeck. Den vierten Platz nimmt Professor Dr. Bitter-Suermann von der Medizinischen Hochschule Hannover ein, der auch schon bei den zwei bisherigen Rankings Spitzenpositionen erreicht hatte.

Die offenen Kommentare zum Preisträger Professor Dr. Koch sind durchweg positiv. Er wird mit seinem Charisma mit Barack Obama und J.F. Kennedy verglichen. Seine Modernisierungsansätze würden das Kollegium mitreißen können. Beim Zweitplazierten (Professor Dr. Weiler, Bochum) überwiegen die positiven Kommentare. Es finden sich aber auch Anmerkungen, die die Durchsetzungskraft des Rektors negativ sehen. Ein - ansonsten lobender - Kommentar bringt das vielleicht allgemeingültig auf den Punkt: "Starke Rektoren sind nicht immer für alle Mitglieder der Universität eine einfache und positive Angelegenheit." Die Kommentare zu Professor Dr. Dominiak (Platz 3) betonen besonders seinen "außerordentlichen und vorbildlichen" Einsatz für den Erhalt des Medizinstudiums in Lübeck. Mitglieder des DHV erhalten gerne auf Nachfrage an dhv@hochschulverband. de das spezielle Profil der Anforderung und Erwartungen, sofern mindestens 30 Urteile vorliegen. Die Plazierungen des letzten Drittels (28 bis 40) sind entsprechend den bei der Abstimmung bekannt gegebenen "Spielregeln" nicht gesondert ausgewiesen. Die Reihenfolge der Hochschulen in diesem Block ist alphabetisch. Wie schon in den letzten beiden Jahren soll so das Risiko reduziert werden, dass besonders schlecht bewertete Hochschulen auch von politischer Seite Nachteile erfahren könnten.

Im ersten Schritt der Bewertung wurden - wie oben beschrieben - aus einer Liste mit 18 Eigenschaften/Kompetenzen von den Teilnehmern die fünf ausgewählt, die für einen Rektor an ihrer jeweiligen Hochschule als besonders wichtig erachtet werden. In Tabelle 2 sind die 18 Eigenschaften aufgeführt. Angegeben sind jeweils die beste und schlechteste Bewertung eines einzelnen Rektors bezüglich dieser Eigenschaft sowie die durchschnittliche Bewertung über alle Rektoren. Zum Vergleich sind auch die letztjährigen Bewertungen aufgeführt. Es zeigt sich bei den meisten Eigenschaften eine leichte Verbesserung der Wahrnehmung der Rektoren durch die Professorenschaft. Auch die gewichtete durchschnittliche Gesamtnote aller berücksichtigten Rektoren hat sich seit Beginn des Rankings vor zwei Jahren von 3,22 (2009) über 2,74 (2010) immerhin um mehr als eine halbe Schulnote auf 2,55 verbessert. Wir hoffen, dass dies tatsächlich eine Verbesserung der Leistung der Rektoren abbildet. Im rechten Teil der Tabelle 2 ist aufgeführt, wie häufig im Mittel die jeweilige Eigenschaft als wichtig erachtet wurde. Wie in den Jahren zuvor sind die drei wichtigsten, nämlich "Führungskompetenz", "Respekt für dieUnterschiedlichkeit der Wissenschaftskulturen" und "Kenntnis des Universitätsbetriebes" jeweils von etwa der Hälfte der Teilnehmer - über alle Universitäten hinweg - ausgewählt worden. Die letzten beiden Spalten stellen die Ergebnisse der letztjährigen Befragung dar. Es zeigt sich kaum Veränderung im allgemeinen Anforderungsprofil an die Rektoren. Die Spalten "Min" und "Max" zeigen die Extreme in der Bewertung im Hochschulvergleich. Hier spiegeln sich besonders strukturelle Unterschiede zwischen den teilnehmenden Hochschulen wider.

Ergebnisse "Wissenschaftsminister des Jahres"

An der Wahl zum "Wissenschaftsminister des Jahres" beteiligten sich 2.052 Mitglieder, etwas weniger als letztes Jahr. Entsprechend den "Spielregeln" werden alle Plätze veröffentlicht, sofern mindestens 50 Urteile abgegeben wurden. Die Minister der Bundesländer Bremen und Saarland bleiben mit 39 bzw. 38 Urteilen unter diesem Quorum. Die Bundesministerin wurde entsprechend in denselben (bzw. angepassten) Eigenschaften bewertet. Es ergibt sich das in Tabelle 3 dargestellte Ranking. "Wissenschaftsminister des Jahres" ist die Kultusministerin des Landes Sachsen- Anhalt, Professor Dr. Birgitta Wolff, gefolgt von ihren Kolleginnen aus Niedersachsen und Sachsen. Die offenen Kommentare zu allen Wissenschaftsministern sind größtenteils negativ. Bei allen drei Ministerinnen, die im Ranking oben stehen, weisen - gelegentlich auch kritisch gemeinte - Kommentare darauf hin, dass die Wissenschaftspolitik eher ruhig und fern der Medien ausgetragen wird. Bei den beiden Schlusslichtern Hamburg und Schleswig-Holstein scheinen speziell die (gescheiterten) Projekte der Verlegung der Universität (Hamburg) bzw. Schließung des Bereiches Medizin (Lübeck) die Professorenschaft verärgert zu haben.

Wie schon im Vorjahr sind die Mitglieder des DHV nur mäßig zufrieden mit ihren Wissenschaftsministern. Im Gegensatz zur Bewertung der Rektoren hat die durchschnittliche, gewichtete Zufriedenheit sich im Vergleich zum letzten Ranking etwas verschlechtert (3,87 zu 3,73). Die Anforderungsprofile und - bei mehr als 50 Urteilen - die Bewertungen der einzelnen Minister können Mitglieder des DHV per Email (dhv@hochschulverband. de) anfordern. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Schavan, liegt mit einer gewichteten Gesamtnote von 3,78 zwischen den Plätzen 6 (Berlin) und 7 (Thüringen). Die Bewertung der Bundesministerin hat sich damit im Vergleich zum ersten Ranking ein Jahr zuvor um fast eine viertel Schulnote (2010: 4,02) bzw. zwei Plätze verbessert. In Tabelle 4 sind die 25 Eigenschaften und die durchschnittliche Bewertung über alle Teilnehmer zu sehen, in der letzten Zeile findet sich eine Eigenschaft, die erstmalig und nur bezüglich der Bundesministerin abgefragt wurde. In der Rubrik "Wichtigkeit" ist der Anteil der Teilnehmer aufgeführt, der die jeweilige Eigenschaft zu den fünf wichtigsten zählt. Die Reihenfolge der Eigenschaften hat sich im Vergleich zum letzten Jahr kaum verändert; jedoch ist die durchschnittliche Bewertung fast überall schlechter geworden.

Auch die Noten der Bundesministerin in den verschiedenen Eigenschaften sind in Tabelle 4 zu sehen. Im Vergleich zu den Vorjahresbewertungen (s. letzte Spalte) fällt auf, dass sie in allen Eigenschaften besser bewertet wird. Ihr Einsatz für eine "angemessene Vergütung wissenschaftlicher Arbeit" bildet zusammen mit der Güte ihrer Bologna-Politik mit einer Durchschnittsnote von 4,41 zwar wie im Vorjahr das Schlusslicht ihrer Bewertung, allerdings konnte sie sich auch in diesen beiden Eigenschaften - insbesondere in der Bewertung der von ihr praktizierten Bologna-Politik (4,41 zu 4,71) - verbessern. Die Initiatoren dieses Rankings sind weiterhin der Überzeugung, dass durch die explizite Berücksichtigung der universitäts- und landesspezifischen Anforderungsprofile eine Steuerungswirkung - ganz im Sinne einer Rückmeldung von Seiten der "Betroffenen" bzw. Beteiligten - für die Tätigkeiten des entsprechenden Führungspersonals ausgehen sollte.

* Es wird der besseren Lesbarkeit halber einheitlich von Rektor gesprochen, auch wenn einige Hochschulen die Bezeichnung Präsident verwenden. Zudem wird einheitlich die Bezeichnung Wissenschaftsminister für alle Minister bzw. Senatoren verwendet, in deren Aufgabenbereich die Hochschulen fallen. Auch andere nominelle Unterschiede zwischen den Ländern werden im Text ignoriert.


Über die Autoren
Dr. Thomas Krüger ist Leiter des Bereichs Umfragen & Statistik am Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM). Er koordiniert die Durchführung von Auftragsforschung via Onlinebefragungen, das Telefonlabor mit 30 Plätzen sowie umfangreiche Papierbefragungen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Sampling- Methoden und Imputation.
Georg Rudinger ist Gründer des ZEM und Professor em. für Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation am Institut für Psychologie der Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind Längsschnitt- und Panelerhebungen und räumliche Mobilität im Kontext der demographischen Entwicklung.


Aus Forschung und Lehre :: April 2011

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