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Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2013

von Thomas Krüger und Georg Rudinger

Zum fünften Mal konnten die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbandes die Arbeit "ihres" Rektors/Präsidenten und "ihres" Wissenschaftsministers bewerten. Wer steht dieses Mal an erster Stelle? Wer hat sich verbessert und wer verschlechtert?

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2013© julianbock - Fotolia.comDie Mitglieder des Deutschen Hochschulverbands haben Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2013 gewählt
Ende letzten Jahres hat der DHV seine Mitglieder zum fünften Mal zur Wahl "Rektor des Jahres" und in dieser Form zum vierten Mal zur Wahl des "Wissenschaftsministers des Jahres" aufgerufen*. Insgesamt haben sich 3.121 Mitglieder an mindestens einer der Abstimmungen beteiligt, was in etwa der Teilnehmerzahl der vorherigen Erhebung entspricht (3.271). Gewählt wurde zum "Rektor des Jahres 2013" Herr Prof. Jan-Hendrik Olbertz von der HU Berlin und zum "Wissenschaftsminister des Jahres 2013" die Wissenschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Frau Theresia Bauer.

Das Vorgehen bei den Wahlen zum "Rektor des Jahres" und "Wissenschaftsminister des Jahres" entsprach dem vorjährigen Procedere: Jeder Teilnehmer konnte neben dem Rektor seiner Hochschule und dem Wissenschaftsminister seines Bundeslandes auch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Prof. Dr. Annette Schavan, beurteilen.

Abgestimmt werden konnte nur über Rektoren, die zum Ende des Abstimmungszeitraums mindestens 100 Tage im Amt waren und deren Amtszeit auch noch mindestens zum Tag der Verleihung des Preises (18. März 2013) andauert. Analog konnten die aktuellen Wissenschaftsminister bewertet werden, wenn diese zum Ende des Befragungszeitraums mindestens schon 100 Tage im Amt waren. Wenn dies nicht der Fall war, konnte der Amtsvorgänger bewertet werden. Für das hier vorzustellende Ranking wurden aus statistischen Gründen schließlich nur Rektoren mit mindestens 30 und Minister mit mindestens 50 Voten berücksichtigt.

Die Bewertungen konnten DHV-Mitglieder online zwischen dem 12. November und 14. Dezember 2012 abgeben. Die Einladungen zur Teilnahme an den Rankings sind am 12. November 2012 vom DHV elektronisch an die 24.981 Mitglieder versandt worden, für die dem DHV eine Email-Adresse vorlag. Jede Einladung enthielt ein individuelles Passwort. Auf die Einladungen haben 3.720 Mitglieder reagiert und mit einer Befragung begonnen. Schließlich haben 3.121 Mitglieder mindestens eine der Befragungen komplettiert.

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2013 Tabelle 1: Ranking der Rektoren 2013

Ergebnisse "Rektor des Jahres"

Insgesamt haben 2.756 Mitglieder den Rektor ihrer Hochschule bewertet. Für das Ranking berücksichtigen wir hier aus statistischen Gründen nur die 42 Rektoren, die mindestens 30 Bewertungen erhalten haben. In Tabelle 1 sind die Top 28 Rektoren (die oberen zwei Drittel) mit der gewichteten Gesamtnote aufgeführt. "Rektor des Jahres 2013" ist Prof. Dr. Olbertz von der Humboldt-Universität Berlin, gefolgt von den Preisträgern von 2011: Prof. Dr. Koch (Universität Wuppertal), 2012: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann (TU München) und 2009: Prof. Dr. Weiler (Universität Bochum).

Die Kommentare zum Preisträger Prof. Dr. Olbertz sind überwiegend positiv. Er wird als ein persönlich sehr angenehmer, fachlich kompetenter und umsichtiger Präsident gesehen. "Bisher der beste unter den vielen, die ich bereits erlebt habe" - so ein Originalzitat. Beim Zweitplatzierten Prof. Dr. Koch, Wuppertal, wird hervorgehoben, dass er die Arbeit der professoralen Kollegen schätzt und, wo und wie immer es möglich ist, (auch materiell) unterstützt. Die Kommentare zu Prof. Dr. Herrmann, München (Platz 3), betonen seine klaren und visionären Vorstellungen, die er zielstrebig und tatkräftig zum Nutzen der TU München verfolgt. Diese Auswahl darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es auch für die Podestplätze durchaus kritische Kommentare gibt. Manche strategische Zielsetzung lasse einen gewissen Realitätssinn vermissen, bei allem Streben nach Exzellenz müsse es auch heißen: Exzellenz in der Verwaltung; gerade bei den Spitzenplätzen wird angeregt, frühzeitige und behutsame Aufbauarbeit durch angstfreies Zulassen von anderen Meinungen und herausragenden Persönlichkeiten für die Nachfolge zu leisten. Mitglieder des DHV erhalten gerne auf Nachfrage (dhv@hochschulverband.de) alle von den Teilnehmern freigegebenen Kommentare zum Rektor ihrer Hochschule sowie das spezielle Profil der Anforderungen und Erwartungen, sofern mindestens 30 Urteile vorliegen.

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2013 Tabelle 2: Liste der Eigenschaften "Rektor des Jahres"
Die Platzierungen des letzten Drittels (29 bis 42) sind entsprechend den bei der Abstimmung bekannt gegebenen "Spielregeln" nicht gesondert ausgewiesen. Die Reihenfolge der Hochschulen in diesem Block ist alphabetisch. Wie schon in den vorangegangenen Jahren soll so das Risiko reduziert werden, dass besonders schlecht bewertete Hochschulen auch von politischer Seite Nachteile erfahren könnten. Im ersten Schritt der Bewertung wurden aus einer Liste mit 18 Eigenschaften/Kompetenzen von den Teilnehmern die fünf ausgewählt, die für einen Rektor an ihrer jeweiligen Hochschule als besonders wichtig erachtet werden. In Tabelle 2 sind diese 18 Eigenschaften aufgeführt. Angegeben sind jeweils die beste und schlechteste Bewertung eines einzelnen Rektors bezüglich dieser Eigenschaft, sowie die durchschnittliche Bewertung über alle Rektoren. Zum Vergleich sind auch die letztjährigen Bewertungen (Spalte: Mittel 2012) aufgeführt. Es zeigt sich bei allen Eigenschaften eine leichte Verschlechterung der Wahrnehmung der Rektoren durch die Professorenschaft. Entsprechend ist auch die gewichtete durchschnittliche Gesamtnote (2,75) für alle berücksichtigten Rektoren im Vergleich zum letzten Jahr (2,62) etwas schlechter geworden. Ein ähnliches Bild hat sich schon letztes Jahr gezeigt, so dass fast von einem negativen Trend gesprochen werden könnte. Von den Kommentaren her kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass über die letzten Jahre die Deutlichkeit der Urteile zunimmt, die Atmosphäre kritischer wird, dass die Ungeduld wächst: Rektor als Verwalter mit Macht, mit Hang zum Ausbau von Hierarchien, als personifiziertes Mittelmaß ohne Charisma mit Drang zur Verfolgung von Partikularinteressen, ohne Kommunikationsbereitschaft, gar ohne Kommunikationskompetenz - so nur einige willkürlich herausgegriffene epitheta non ornantia.

Im rechten Teil der Tabelle 2 ist aufgeführt, wie häufig im Mittel die jeweilige Eigenschaft als wichtig erachtet wurde. Wie in den Jahren zuvor sind die drei wichtigsten, nämlich "Führungskompetenz", "Respekt für Unterschiedlichkeit der Wissenschaftskulturen" und "Kenntnis des Universitätsbetriebes" jeweils von etwa der Hälfte der Teilnehmer - über alle Universitäten hinweg - ausgewählt worden. Die letzten beiden Spalten stellen die Einschätzung der Wichtigkeit in der letztjährigen Befragung dar. Es zeigt sich kaum Veränderung im allgemeinen Anforderungsprofil an die Rektoren. Die Spalten "Min" und "Max" zeigen die Extreme in der Bewertung im Hochschulvergleich. Hier spiegeln sich besonders strukturelle Unterschiede zwischen den teilnehmenden Hochschulen wider.

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2013 Tabelle 3: Ranking der Minister 2013

Ergebnisse "Wissenschaftsminister des Jahres"

An der Wahl zum "Wissenschaftsminister des Jahres" beteiligten sich 2.213 Mitglieder, etwa genauso viele wie letztes Jahr (2.210). Entsprechend den "Spielregeln" werden alle Plätze veröffentlicht, sofern mindestens 50 Urteile abgegeben wurden. Die Minister der Bundesländer Bremen und Saarland bleiben mit 30 bzw. 34 Urteilen unter diesem Quorum. Die Bundesministerin wurde entsprechend in denselben (bzw. angepassten) Eigenschaften bewertet. Es ergibt sich das in Tabelle 3 dargestellte Ranking. "Wissenschaftsminister des Jahres 2013" ist die Wissenschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Frau Theresia Bauer, gefolgt von ihren Kolleginnen aus Sachsen-Anhalt, Frau Prof. Dr. Birgitta Wolff (Gewinnerin der Jahre 2011 und 2012) und aus Niedersachsen, Frau Prof. Dr. Johanna Wanka. Es ist allerdings schon bemerkenswert, dass die Kommentare zu allen Wissenschaftsministern größtenteils sehr reserviert bis negativ sind, praktisch unabhängig von ihrer Platzierung im Ranking, ob im unteren Drittel, ob im unauffälligen Mittelfeld oder auf den "Medaillenrängen". Es wird immer wieder fehlendes Gespür für Wissenschaft und Universität ebenso wie Bürokratielastigkeit und Entscheidungsschwäche beklagt. Politik für die Wissenschaft - da bleibt weiterhin noch Vieles zu tun! Wie schon in den Vorjahren sind die Mitglieder des DHV also nur mäßig zufrieden mit ihren Wissenschaftsministern. Im Gegensatz zur Bewertung der Rektoren hat sich jedoch die durchschnittliche, gewichtete Zufriedenheit im Vergleich zum letzten Ranking wieder leicht verbessert (3,61 aktuell - im Vergleich zu 2012: 3,68 und 2011: 3,87)! Die Anforderungsprofile und - bei mehr als 50 Urteilen - die Bewertungen der einzelnen Minister sowie die freigegebenen Kommentare können Mitglieder des DHV per Email (dhv@hochschulverband.de) anfordern.

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2013 Tabelle 4: Eigenschaften "Minister des Jahres"
In Tabelle 4 sind die 25 Eigenschaften und die durchschnittliche Bewertung der Wichtigkeit über alle Teilnehmer zu sehen, in der letzten Zeile findet sich eine Eigenschaft, die nur bezüglich der Bundesministerin abgefragt wurde. In der Rubrik "Wichtigkeit" ist der Anteil der Teilnehmer aufgeführt, der die jeweilige Eigenschaft zu den fünf wichtigsten zählt. Die Reihenfolge der Eigenschaften hat sich im Vergleich zum letzten Jahr kaum verändert; jedoch ist auch hier die durchschnittliche Bewertung der Landesminister fast überall etwas besser geworden. Die zwischenzeitlich zurückgetretene Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Prof. Dr. Schavan, liegt mit einer gewichteten Gesamtnote von 3,71 wie letztes Jahr wieder zwischen den Plätzen 8 (Sachsen) und 9 (Thüringen). Die gewichtete Bewertung der Bundesministerin hat sich im Vergleich zum Ranking letztes Jahr leicht verbessert (3,71 zu 3,79). Die Noten der Bundesministerin in den verschiedenen Eigenschaften sind ebenfalls in Tabelle 4 in den letzten beiden Spalten (BMBF: 2013 und 2012) aufgeführt. Bei den meisten Eigenschaften wird sie im Vergleich zum Vorjahr etwas besser bewertet. Ihre Bewertung auf den Eigenschaften "Integrität" und "Positive Medienpräsenz" haben sich aber deutlich verschlechtert. Dies nimmt angesichts der seit Anfang Mai 2012 andauernden Diskussion um ihre Doktorarbeit nicht wunder. Auch zwei Drittel der Kommentare beschäftigen sich mit Implikationen und möglichen Konsequenzen der Diskussion um diese Qualifikationsarbeit. Während der letzten Überarbeitung dieses Berichts (9. Februar 2013) erfolgte der Rücktritt der Bundesbildungsministerin. Zu den Plagiatsvorwürfen und dem Entzug des Doktortitels sagte dabei die Kanzlerin kein Wort. Dies tun wir hier auch nicht, auch nicht dazu, dass die hier drittplatzierte Landesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka am 14. Februar 2013 zur neuen Bundesbildungsministerin ernannt worden sein wird. Kritische Kommentare zur Arbeit der (bisherigen) Bundesministerin gab es vor allem bezüglich der Bologna-Reform und der Exzellenzinitiative - beide berühren weiterhin das Selbstverständnis der deutschen Universitäten im Kern. Rankings wie dieses können und sollten dazu beitragen, bei den politischen Entscheidungsträgern einen Perspektivenwechsel dergestalt zu bewirken, dass auch in der Hochschul- und Bildungspolitik Elemente der Beteiligung der bislang im Grunde nur "Betroffenen" größere Bedeutung gewinnen - dies ist zumindest die Hoffnung der Initiatoren.

* Es wird der besseren Lesbarkeit halber einheitlich von Rektor gesprochen, auch wenn einige Hochschulen die Bezeichnung Präsident verwenden. Zudem wird einheitlich die Bezeichnung Wissenschaftsminister für alle Minister bzw. Senatoren verwendet, in deren Aufgabenbereich die Hochschulen fallen. Auch andere nominelle Unterschiede zwischen den Ländern werden im Text ignoriert. Maskuline Personen- und Funktionsbeschreibungen gelten grundsätzlich immer für Männer und Frauen.

Aus Forschung & Lehre :: März 2013

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