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Rektoren-Ranking 2009

Von Dr. Thomas Krüger und Georg Rudinger

In einer Umfrage des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) haben über 3 000 Wissenschaftler Anforderungsprofile für den Rektor bzw. Präsidenten ihrer Hochschule erstellt und die jeweiligen Amtsinhaber danach bewertet. Über welche Kompetenzen sollte aus Sicht der Professorenschaft das ideale akademische Oberhaupt verfügen? Und welcher Rektor entspricht am besten den Wünschen und Erwartungen "seiner" Wissenschaftler? Ergebnisse des ersten Rektoren-Rankings in Deutschland.

Rektoren-Ranking 2009
Die Leitung einer Hochschule ist eine anspruchsvolle Managementaufgabe. Es gilt, Interessen verschiedener Gruppen - neudeutsch "Stakeholder" - zu berücksichtigen und zu integrieren; konkret der Politik (Ministerium), der Studentenschaft und deren zukünftiger Arbeitgeber, aber natürlich auch der Kollegen und Mitarbeiter der Hochschulen. Die wachsende Autonomie der Hochschulen, der zunehmende Wettbewerb bis hin zu Exzellenzinitiativen, aber auch die Einführung von "Aufsichtsräten" stellen neue Forderungen an Rektoren. Zur Messung der Qualität der Hochschulleitung lassen sich verschiedene mehr oder minder sinnvolle Parameter definieren. So ist es sicherlich auch eine Auszeichnung für die Leitung, wenn eine Hochschule als exzellent eingestuft wird oder auf Spitzenplätzen bei Bewerberzahlen landet. Die hier vorgestellte Studie nimmt eine andere Perspektive ein, nämlich die der Wissenschaftler, die an den Hochschulen forschend und lehrend tätig sind. Im Auftrag des Deutschen Hochschulverbandes untersuchte das Zentrum für Evaluation und Methoden, Universität Bonn, welche Erwartungen und Anforderungen die Wissenschaftler an ihre Hochschulleitung stellen - und welcher Rektor diesen am besten gerecht wird.

Methodisches Vorgehen

Die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), von denen dem DHV eine E-Mail-Adresse vorliegt, wurden elektronisch kontaktiert und gebeten, im Rahmen einer Online-Befragung aus einer Liste die Eigenschaften auszuwählen, die der Rektor ihrer Hochschule idealerweise erfüllen sollte. Die Eigenschaften wurden einer Einzelfallstudie entnommen und zusammen mit Experten erweitert und verfeinert. Zudem wurde erfragt, wie stark die jeweiligen Eigenschaften beim aktuellen Rektor ausgeprägt sind. Der Rektor, welcher in seinem "Ist-Profil" im Urteil seiner Universitätsmitglieder am besten den mit seinem Amt verbundenen Anforderungen gerecht wird, ist "Rektor des Jahres 2009". Diese Auszeichnung des Hochschulverbandes soll in den nächsten Jahren regelmäßig verliehen werden.

Die durchaus positive Resonanz auf dieses Rektorenranking umfasst Anregungen, dies auf die Kanzler, auf die Verwaltung etc. auszudehnen. Statistische Überlegungen und andere Erwägungen gingen der Umfrage voraus: Um für die einzelnen Rektoren eine hinreichend große Anzahl von Bewertungen erreichen zu können, wurden von vornherein bei der Online-Umfrage nur größere Hochschulen mit mindestens 1 000 Studierenden berücksichtigt. Die Umfrage beschränkte sich entsprechend auf Universitäten und ihnen gleichgestellte Hochschulen, da der DHV an den anderen Hochschulen nicht so stark vertreten ist. In zukünftigen Rankings sollen auch Rektoren kleinerer Universitäten und Fachhochschulen berücksichtigt werden. Damit überhaupt eine sinnvolle Bewertung möglich ist, sollte der Rektor zum Start der Befragung schon mindestens hundert Tage im Amt sein.
Rektoren-Ranking 2009 - Ergebnisse einer Umfrage


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Andererseits sollte seine Amtszeit nicht im zeitlichen Umfeld (von +/- einem Monat) der Verleihung des Preises "Rektor des Jahres" am 30. März enden. Nach diesen Kriterien war es den Wissenschaftlern von 89 Hochschulen möglich, ihren Rektor online zu bewerten. Um auszuschließen, dass einzelne Personen durch mehrfaches Antworten die Ergebnisse verfälschten, konnte der Online-Fragebogen jeweils nur einmal ausgefüllt werden. Allen Mitgliedern, von denen dem Hochschulverband eine E-Mail-Adresse vorlag, wurde dazu ein eigener Log-in zugesendet. Sobald mit einem Log-in eine Bewertung abgegeben worden war, wurde dieser Log-in gesperrt. Die Einladungen mit den Log-ins wurden vom Hochschulverband zwischen dem 6. und 9. Januar per E-Mail an 16 429 Mitglieder verschickt. Am 20. Januar wurden diese Mitglieder nochmals per E-Mail angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. Am 6. Februar wurde die Datenerhebung beendet. Insgesamt haben 4 516 Wissenschaftler auf die Einladung reagiert und den Fragebogen aufgerufen. In dem Online-Fragebogen musste zunächst die jeweilige Hochschule angegeben werden. Wenn die Hochschule nicht den oben genannten Kriterien entsprach, wurde die Befragung mit einem Hinweis beendet und der Log-in gesperrt. Knapp 400 Personen konnten daher nicht an der Befragung teilnehmen. Gut 500 weitere Personen haben den Fragebogen nicht zu Ende ausgefüllt. Somit verbleiben 3 619 Personen. Für das Ranking sollten aus statistischen Erwägungen nur Rektoren berücksichtigt werden, für die aus ihrer Hochschule mindestens dreißig Bewertungen vorlagen. Dies hat die Zahl der Hochschulen noch einmal - nämlich auf 52 - reduziert. Tabelle 1 listet die 52 Hochschulen auf, welche nach diesem zweistufigen Verfahren in die Endauswertung kamen. Das entspricht den Antworten von 3 116 Wissenschaftlern.

Wichtige Eigenschaften

Den Befragungsteilnehmern aus den 89 Hochschulen wurde eine Liste von 18 Eigenschaften in zufälliger Reihenfolge vorgelegt. Daraus konnten die Befragten die drei bis fünf wichtigsten Eigenschaften auswählen, über die der Rektor der jeweiligen Hochschule verfügen sollte. In Abbildung 1 sind die Eigenschaften dargestellt, geordnet nach der von den Wissenschaftlern bewerteten Wichtigkeit. Führungskompetenz, Respekt für die Unterschiedlichkeit der Wissenschaftskulturen und Kenntnis des Universitätsbetriebes sind demnach die drei wichtigsten Eigenschaften eines Rektors, die von jeweils über 40 Prozent der Teilnehmer ausgewählt wurden. Diese Eigenschaften werden aber nicht an allen Hochschulen gleichermaßen für wichtig erachtet: Zum Beispiel wurde "Respekt für die Unterschiedlichkeit der Wissenschaftskulturen" nur von 16 Prozent der Wissenschaftlern der Universität Hohenheim, aber von 67 Prozent der Universität Bielefeld als eine der wichtigen Eigenschaften des Rektors gewählt.
Rektoren-Ranking 2009 - Ergebnisse einer Umfrage

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Dies genau ist das Charakteristikum unserer Befragung: Die Rektoren werden gemäß der für ihre Hochschule als wichtig erachteten Kompetenzen bewertet. Dass es dabei große Unterschiede gibt, veranschaulicht Abbildung 1 in den linken und rechten Profilen, welche die Extremgewichtungen je einzelner Universitäten darstellen.

Gute Kontakte zu Politik und zu Wirtschaft sind nach Meinung der meisten Befragten eher unwichtig für einen Rektor. Die für Manager aus der Wirtschaft sehr wichtige Medienkompetenz landet bei der Umfrage auf dem letzten Platz. Bemerkenswert ist aber auch, dass die Wissenschaftler von ihrem Rektor nicht unbedingt erwarten, dass dieser eine hohe wissenschaftliche Reputation hat. Nach Bestimmung der drei bis fünf wichtigsten Eigenschaften sollten die Teilnehmer ihren aktuellen Rektor bezüglich aller 18 Eigenschaften jeweils mit Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) bewerten. Sie wurden den Wissenschaftlern wieder in zufälliger Reihenfolge dargeboten. Wenn ein Urteil nicht möglich oder gewollt war, konnten Eigenschaften übersprungen werden. In Abbildung 2 sind die Mittelwerte der Noten der Rektoren in den Eigenschaften über alle Befragungsteilnehmer, d.h. auch über alle Hochschulen abgetragen, sowie die jeweils besten (linkes Profil) bzw. schlechtesten (rechtes Profil) Eigenschafts-Noten der Rektoren einzelner Universitäten. Am besten wird über alle Rektoren hinweg ihre Kenntnis des Universitätsbetriebes bewertet (Durchschnittsnote: 2,6). Hier schneidet kein einziger Rektor schlechter als mit einer 4,2 ab. Und die beste Bewertung ist hier ein 1,6 - für den Rektor der Medizinischen Hochschule Hannover. Mankos werden bei "weichen" Faktoren wie "Kommunikationsfähigkeit" und "Soziale Kompetenz gesehen". Hier erhalten die am schlechtesten bewerteten Rektoren eine 5,2 bzw. 5,1. Auch die Besten erreichen hier "nur" 2,2 (Rektor Universität Konstanz bzw. Ruhr-Universität Bochum). Bezüglich der "Visionären Kraft" liegt die Durchschnittsnote bei einer eher bescheidenen 3,4. Auch hier bewerten die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum ihren Rektor mit einer Note von 1,8 am besten. Aus den 18 Noten zu den Eigenschaften haben wir pro Hochschule eine gewichtete Eigenschaftsnote berechnet. Gewichtet wurde hier nach der von den Wissenschaftlern der jeweiligen Hochschule gesehenen Bedeutung der Eigenschaften für einen idealen Rektor.
Rektoren-Ranking 2009 - Ergebnisse einer Umfrage

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Nur drei Rektoren kamen hier auf einen Durchschnitt besser als 2,5: Dies waren die Rektoren der Ruhr-Universität Bochum (2,1), der Medizinischen Hochschule Hannover (2,2) und der Universität Konstanz (2,4). Über alle Teilnehmer lag die Durchschnittsnote bei 3,2, wobei vier Rektoren schlechter als 4,0 abschnitten. Am Ende der Befragung wurden die Teilnehmer schließlich gebeten, mit einer Note - wieder zwischen 1 und 6 - die Leistungen ihres Rektors zusammenfassend zu bewerten. Über alle Teilnehmer gemittelt erhalten die deutschen Rektoren als Durchschnittsnote ein Befriedigend (2,9). Aber auch hier finden sich deutliche Unterschiede. Primus ist mit einer 1,7 wieder der Rektor der Ruhr-Universität Bochum, während der Ultimus mit einer 4,3 nur gerade noch ausreichend bewertet wird. Rektor des Jahres 2009 wird... Für das Ranking wurde als Gesamtnote das Mittel aus dieser Leistungsnote und der gewichteten Eigenschaftsnote bestimmt.

In Tabelle 1 sind die (von den 89) verbliebenen 52 Hochschulen mit mindestens 30 Bewertungen alphabetisch nach Standort aufgelistet. Tabelle 2 listet die Top 20 der Rektoren mit der jeweiligen Gesamtnote auf. Der erste Platz geht an Professor Dr. Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum. Ihm folgen Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann, Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover und Professor Dr. Dr. h.c. Gerhart von Graevenitz, Rektor der Universität Konstanz. Nach längerer Diskussion haben wir uns übereinstimmend mit dem DHV dazu entschlossen, keine öffentlichen Aussagen zu den Plätzen 21 bis 52 zu machen. Ausschlag gab hier die Anmerkung eines Teilnehmers, dass das Rektoren- Ranking wohl auch in Ministerien kritisch beäugt werden könnte. Somit müssten gerade die Hochschulen, die schon mit einem schlechten Rektor gestraft seien, zusätzlich noch mit Nachteilen von politischer Seite rechnen.
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Gerne liefern die Autoren aber den Rektoren selber eine genauere Rückmeldung über ihre Position und die verschiedenen Bewertungen durch ihre Professorenschaft.

Über die Autoren
Dr. Thomas Krüger ist am Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM) der Universität Bonn tätig. Er koordiniert die Durchführung von Auftragsforschung via Online-Befragungen und Telefonlabor mit 30 Plätzen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Sampling-Methoden und Imputation.
Georg Rudinger leitet das ZEM und ist Professor für Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation am Institut für Psychologie der Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind Längsschnitt- und Panelerhebungen und räumliche Mobilität im Kontext der demographischen Entwicklung.

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