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IMPRS for Molecular and Cellular Life Science


Von Maike Steuer

Gesprächsfetzen schwirren wie Insekten durch das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München. In kleinen Grüppchen unterhalten sich junge Männer und Frauen angeregt. Statt im Labor stehen die 400 Doktoranden der Lebenswissenschaften beim Promovenden-Symposium vor den Postern ihrer Kollegen, diskutieren, tauschen sich aus und knüpfen neue Kontakte. 26 von ihnen haben die gesamte Veranstaltung über ein Jahr lang geplant und beobachten nun mit roten Wangen, wie "ihre" ein Eigenleben entwickelt.

Universitäten in der Wirtschaftskrise: die Köpfe kommen© Jacob Wackerhausen - iStockphoto.comPromovieren an der IMPRS for Molecular and Cellular Life Science

Mehr als nur Forschung

Hans-Joerg Schaeffer ist begeistert vom Engagement der Promovenden. Als Projektkoordinator der International Max Planck Research School (IMPRS) for Molecular and Cellular Life Science weiß er aus eigener Erfahrung, dass ein Wissenschaftler mehr als nur exzellent forschen können muss: "Unsere Research School verfügt deshalb über ein sehr umfangreiches Soft Skills Programm, für das wir externe Trainer verpflichten." So machte der Workshop "Projektmanagement" z. B. die Organisatoren der fit für ihre herausfordernde Aufgabe.

Drei Viertel der Bewerber fallen durch

Derartige Unterstützung hatten die Nachwuchswissenschaftler zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn nicht. Als Bewerber der IMPRS for Molecular and Cellular Life Science mussten sie sich meist ungecoacht dem Auswahlverfahren stellen, dass etwas von einem akademischen Mehrkampf hat. Schon in der ersten Disziplin, der Online-Bewerbung, geht drei Viertel der Teilnehmer die Puste aus. "Wir haben extrem strenge Rekrutierungsregeln und schauen nicht nur auf Noten, Empfehlungsschreiben oder Paper, die jemand vielleicht schon veröffentlicht hat, sondern auch, ob es passt", betont Schaeffer.

Schließlich sind in den Lebenswissenschaften keine Einzelkämpfer gefragt, sondern Teamplayer, die mit ihren Forschungsinteressen und Schwerpunktgebieten ein bereits bestehendes Projekt ergänzen sollen und wollen. Die wohlwollende Bewertung durch drei IMPRS-Professoren sowie das Interesse mindestens einer Forschungsgruppe ist Bedingung, um zu den 60 bis 70 Bewerbern zu gehören, die es in die nächste Runde schaffen: Der Auswahlwoche in München. Neben Vorträgen und Laborbesuchen wollen zahlreiche Interviews gemeistert werden. Fünf bis sieben muss jeder Aspirant erfolgreich überstehen, im Hinterkopf immer die Hoffnung auf ein "Perfect Match".

"Die Bewerber werden besser"

Die Chancen darauf sind seit 2005, als die ersten Promovenden ihre Forschung an der IMPRS begannen, gesunken, denn: "unsere Bewerber werden immer besser", hat Schaeffer beobachtet. Besonders das aktuelle Auswahlverfahren im März 2008 habe alle anderen Jahrgänge in den Schatten gestellt, betont der Programmkoordinator: "Von den 60 Bewerbern und Bewerberinnen, die nach München eingeladen waren, haben am Ende 49 die formellen Aufnahmekriterien erfüllt, aber die übrigen elf sind nur ganz knapp gescheitert. Das gab's noch nie."

Über 120 Doktoranden in 49 Forschungsgruppen zählt die IMPRS momentan, die sich auf drei Max-Planck-Institute, die Technische Universität München (TUM) und die Ludwig-Maximillians-Universität (LMU) verteilen. Interdisziplinär ausgerichtet, in unmittelbarer Nachbarschaft zur DFG-geförderten Graduate School for Systemic Neurosciences erreicht der exzellente Ruf der Research School immer mehr ausländische Graduierte, so dass inzwischen Doktoranden aus 27 verschiedenen Nationen im Programm eingeschrieben sind. Neben den deutschen (56 Prozent) und europäischen (23 Prozent) bilden indische Doktoranden mit 8 Prozent die drittstärkste Fraktion unter den Doktoranden an der IMPRS. Hans-Joerg Schaeffer erklärt sich die Menge an Bewerbern vom Subkontinent wie folgt: "Im Vergleich zu Deutschland ist ein Studium beispielsweise in England nach wie vor extrem teuer. Zudem ist Max Planck vielen Indern ein Begriff und wird wohl als alternative Adresse zu den Ivy League Schools der USA gesehen."

Promotion auf der Überholspur

Um auch für britische und amerikanische Graduierte interessant zu sein, können "herausragende Bachelorabsolventen" in Martinsried direkt die Überholspur einschlagen. Als "Fast Track Promovenden" überspringen sie den Master und beginnen direkt mit ihrer Doktorarbeit, die im ersten Jahr durch ein intensives Kursprogramm begleitet wird. Dass sich diese "schnelle" Promotion in Zukunft für alle Promovenden durchsetzen könnte, glaubt Hans-Joerg Schaeffer jedoch nicht. "Fast Track wird die Ausnahme bleiben, denn es erfordert eine außerordentliche Begabung und eine große Leistungsbereitschaft von den Promovenden, um mit den Anforderungen klar zu kommen."

Während die Finanzierung normalerweise Sache der jeweiligen Forschungsgruppe ist, greift die IMPRS den Fast Trackern mit einjährigen Stipendien unter die Arme. "Damit wollen wir sicherstellen, dass sich die Nachwuchsforscher im ersten Jahr auf das umfangreiche Kursprogramm konzentrieren können. Die Arbeit im Labor ist zwar auch sehr wichtig, steht für die Fast Tracker aber im ersten Jahr an zweiter Stelle", erläutert Schaeffer.

Das Programm kommt an

Nach drei Jahren endet die Zeit an der Research School theoretisch. Die Praxis braucht etwas länger. "Ein Schnitt von dreieinhalb Jahren ist realistischer, denn in den Life Sciences kann immer etwas schief gehen, wenn man ambitionierte Spitzenforschung betreibt." Manchmal finde die Konkurrenz schneller eine Antwort, manchmal gäbe es überhaupt keine und als "sicher" eingestufte Projekte seien zumeist nur eins: langweilig und arbeitsintensiv. Kleine Probleme hin oder her, mit ihrem strukturierten Programm scheinen die Münchner den Geschmack der Doktoranden sehr gut zu treffen, wie eine interne Umfrage unter den Absolventen belegt: Demnach würden sich weit über 90 Prozent wieder für die IMPRS in Martinsried entscheiden.



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