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Ressourcen gebrauchen statt verbrauchen

von Gerhard Sextl

Angesichts neuer Technologien und stetig wachsender Bevölkerungszahlen, steigt der weltweite Rohstoffbedarf. Die daraus resultierende Ressourcenverknappung, führt zu einer globalen Herausforderung. Auf der Suche nach einer Lösung, ist die Prozesschemie gefragt.

Ressourcen gebrauchen statt verbrauchen© Gräfin. - photocase.comDie Prozesschemie berücksichtigt spätere Recyclingmöglichkeiten schon beim Produktdesign
Die Erfahrung aus den vergangenen Jahrzehnten zeigt, dass mit neuen Technologien die Materialdiversität steigt und besonders Hightech-Produkte immer mehr der verfügbaren chemischen Elemente benötigen. Gleichzeitig wachsen die Erdbevölkerung und die Zahl an Industrieländern mit hohem Rohstoffbedarf.

Demgegenüber sind die Lagerstätten von wichtigen Mineralien und Erzen endlich, und deren Abbau wird bei sinkenden Ausbeuten zunehmend komplizierter. Und auch während des Lebenszyklus von Produkten und bei deren Aufarbeitung gehen Ressourcen infolge Dissipation verloren, so dass es immer schwieriger wird, die rohstoffarmen Länder der EU mit bezahlbaren Rohstoffen zu versorgen. Rohstoffversorgung wird zu einer globalen wirtschaftlichen wie politisch-gesellschaftlichen Herausforderung.

Die chemische Reaktions- und Verfahrenstechnik wird dazu beitragen müssen, dass Rohstoffe effektiver genutzt werden können. Neben ressourcenschonenden Herstellverfahren verlangt dies neue effiziente, ökologisch, ökonomisch und energetisch sinnvolle Trenn- und Aufbereitungstechniken.

Ein wesentliches Ziel wird sein, in höherer Ausbeute mehr kritische Elemente, Verbindungen oder besser noch Komponenten aus Abfällen aller Art und aus Elektroschrott in Primärrohstoff-Qualität wiederzugewinnen.

Im Sinne einer wirtschaftlichen und ressourcenschonenden Verfahrensweise muss schon beim Produktdesign berücksichtigt werden, dass kritische Rohstoffe nach der Produktnutzungsphase in guter Qualität wiederzugewinnen sind (Design for Recycling). Hier wird ein neues fachübergreifendes Denken und Handeln entstehen, zu dem die Prozesschemie einen wichtigen Beitrag leisten kann und muss.


Über den Autor
Prof. Gerhard Sextl ist Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg.

Aus Nachrichten aus der Chemie» :: Februar 2014

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