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Roboter: Bald sind sie überall

Das Gespräch führte ROBERT GAST

Der britische Informatik-Professor und Ethiker Noel Sharkey erklärt, welche Probleme einer Gesellschaft voller Roboter blühen.

Bald sind sie überall© maxuser - iStockphoto.comWerden Roboter in den nächsten Jahren fast überall einsetzbar sein?
DIE ZEIT: Mister Sharkey, Sie sagten einmal, Roboter seien so dumm wie programmierbare Waschmaschinen. Brauchen Waschmaschinen eine Ethik?

Noel Sharkey: Man muss zwei Aspekte der Roboterethik unterscheiden. Da wäre zum einen das fiktive Szenario, das Philosophen seit Langem beschäftigt: Welche Rechte hätte eine Maschine mit menschlicher Intelligenz? Der deutlich wichtigere Aspekt ist aber die Ethik bereits existierender Roboter. Dabei spielt keine Rolle, wie schlau die nun wirklich sind.

ZEIT: Bisher stehen Roboter doch fast nur in Fabriken. Meinen Sie, das wird sich ändern?

Sharkey: Ja, schon in den nächsten 10 bis 15 Jahren werden wir sie überall sehen: als Pfleger, Kindergärtner, Polizisten - und natürlich als Sexspielzeug. Als Roboterethiker will ich auf die damit verbundenen Probleme hinweisen, um Hersteller, Programmierer, Anwälte und Politiker zu einer Diskussion zu animieren.

ZEIT: Und was soll an deren Ende stehen? Robotergesetze wie jene, die der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov vorweggenommen hat?

Sharkey: Das höre ich immer wieder, meist von Leuten, die Asimov nicht gelesen haben! Seine Geschichten zeigen, dass sich solche Gesetze immer widersprechen werden. Er hat zum Beispiel diese Regel: »Du darfst nicht zulassen, dass ein Mensch zu Schaden kommt.« Was aber passiert, wenn ein Mensch plant, einen Planeten mit Milliarden Menschen darauf zu zerstören? Der Roboter dürfte nicht eingreifen, weil der Typ mit der Waffe immer noch ein Mensch ist.

ZEIT: Wäre es denn wenigstens möglich, Maschinen Grundzüge menschlichen Verhaltens beizubringen?

Sharkey: Mit heutiger Software ist ein Roboter lediglich in der Lage, einen Menschen von einem Auto zu unterscheiden. Schon bei einer Puppe versagt er kläglich. Aber selbst wenn die Technik eines Tages so weit ist, fehlt ihm gesunder Menschenverstand - den zum Beispiel ein Polizeichef hat, der eine brenzlige Situation bei einer Demonstration einschätzen muss.

ZEIT: Wenn man Robotern selbst kein ethisches Verhalten beibringen kann, wer steht dann moralisch in der Pflicht? Die Ingenieure?

Sharkey: Ja, und da gibt es schon Richtlinien des »ethischen Designs«. Wenn man zum Beispiel seine Kinder in der Obhut einer Roboter-Nanny lassen könnte, wie ließe sich dann verhindern, dass Rabeneltern die Technik ausnutzen und ihr Kind vernachlässigen? Als Roboterhersteller muss man eine Möglichkeit finden, diese Missbrauchsmöglichkeit auszuschließen.

ZEIT: Wie sollte das funktionieren?

Sharkey: Man könnte den Roboter mit einer Fläche versehen, auf die ein Elternteil in regelmäßigen Abständen die Hand legen muss - sonst schlägt der Roboter Alarm.

ZEIT: Und wie ließe sich verhindern, dass ein Roboter einem Menschen Schaden zufügt?

Sharkey: Man könnte alle mit einem großen roten Not-Aus-Knopf versehen. Die Japaner diskutieren das gerade als Vorschrift für öffentlich eingesetzte Roboter.

ZEIT: Jede Industriemaschine hat so einen Knopf. Was unterscheidet Roboter von schnöden Maschinen?

Sharkey: Die beste Antwort darauf gab der Erfinder des ersten industriellen Roboterarms. Er sagte: »Ich kann nicht definieren, was ein Roboter ist, aber ich erkenne einen, wenn ich ihn sehe.« Müsste ich selbst eine Definition geben, dann etwa diese: eine Maschine mit Sensoren, die auf die wahrgenommenen Dinge reagieren kann.

ZEIT: Haben Sie persönlich eigentlich Roboter zu Hause?

Sharkey: Ja, ungefähr 40 Stück. Die meisten sind aber inaktiv und liegen in den Regalen meiner Werkstatt. Der Einzige in Betrieb ist jener, der Staub wischt.

ZEIT: Sind Sie zufrieden mit ihm?

Sharkey: Er ist ein guter Roboter - nur leider putzt er ziemlich schlecht. (lacht)

ZEIT: Was hält Ihre Familie von all den Geräten?

Sharkey: Meine vier Töchter waren erst begeistert. Dann habe ich ihnen immer wieder Streiche gespielt, indem ich sie mit Robotern verfolgt oder scheinbar deaktivierte Roboter plötzlich zum Leben erweckt habe. Mittlerweile können sie Roboter nicht mehr ausstehen.

ZEIT: Das klingt alles recht profan. Werden wir jemals so etwas wie Roboterrechte brauchen?

Sharkey: Dazu müsste es erst einmal Maschinen mit Gefühlen geben. Die aber sind ein kultureller Mythos, den die Medien am Leben halten. Seit 25 Jahren heißt es, dass sie in 25 Jahren Realität würden. Ich glaube, das werden wir auch in hundert Jahren noch hören.

Aus DIE ZEIT :: 19.01.2012

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