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Schreiben lernen für die Truppe

Interview: GEORG ETSCHEIT

Warum die Bundeswehr-Universität Journalismus lehrt, sagt Merith Niehuss.

Schreiben lernen für die Truppe© Bundeswehruniversität MünchenDie Bundeswehruniversität München bildet künftig auch Journalisten aus
Wollen Sie in München-Neubiberg künftig Kriegsberichterstatter ausbilden?

Das wäre nur ein Nebenziel (lacht). Aber natürlich kann ich es nicht ausschließen, dass es den einen oder anderen unserer Journalismus-Absolventen in ein Krisengebiet zieht.

Warum bietet ausgerechnet die Universität der Bundeswehr von Oktober an einen Journalismus-Studiengang an?

Die Bundeswehr hat einen großen Bedarf an Leuten, die mit Medien umgehen können. Leute, die wissen, wie man auf Presseanfragen reagiert, wie man Presseberichte interpretiert oder Themen lanciert. Aber auch Menschen, die wissen, wie man eine Pressemitteilung oder eine Reportage schreibt.

Wo können denn in der Truppe Profi-Journalisten eingesetzt werden?

Ich denke da an die Presseoffiziere, die es in jeder größeren Einheit gibt. Wir beabsichtigen auch, die Medienkompetenz aller Offiziere zu stärken, die ja längst weltweit im Einsatz sind und oft zu ihren Operationen öffentlich Stellung nehmen müssen.

Man wird aber bei Ihnen nicht Journalistik pur studieren können ...

Wir glauben, dass Journalismus kein universitäres Vollstudium rechtfertigt, sondern ein Teilstudium ist, das auf einer beliebigen wissenschaftlichen Grundausbildung basiert. Wir haben uns für die Wirtschaftswissenschaften entschieden. Wir bieten das Studium mit zwei gleichberechtigten Säulen als grundständigen Bachelor in neun Trimestern an, also drei Jahren. Vorerst nur für Bundeswehrangehörige, aber eine Öffnung ist angedacht. Auch ein zusätzliches Masterprogramm ist in Planung.

Wie viel Wert legen Sie auf das Handwerk?

Die Praxis ist natürlich sehr wichtig. Wir haben dafür ein hervorragend ausgestattetes Medienzentrum. Weil der Journalismus-Studiengang an unserem Fachhochschulzweig läuft, werden die Studierenden auch Praktika außerhalb der Uni absolvieren müssen. Und wir planen eine enge Zusammenarbeit mit anderen Bundeswehrstellen wie Radio Andernach, dem Betreuungssender für deutsche Soldaten im Ausland.

Wird der Studiengang Auswirkungen auf die etwas dröge Bundeswehr-Außendarstellung haben?

Das hoffe ich. Ich halte die derzeitige Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr, gelinde gesagt, für nicht gelungen. Man könnte das schon deutlich intensiver betreiben. Unsere Armee ist eine grunddemokratische Institution und hat den Primat des Parlaments und der Politik sehr verinnerlicht. Aber die Bundeswehr ist einfach zu schüchtern.

Aus DIE ZEIT :: 09.09.2010

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