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Schutz gegen Zahlungsausfälle

VON ANTJE STEPHAN

Viele Unternehmen verfügen über ein gutes Kundenmanagement. Dass manche Kunden dennoch ihre Rechnung nicht zahlen, passiert immer wieder. Dies kann selbst eine hervorragende Risikosteuerung nicht vorhersagen - aber manche Lieferanten lassen sich dagegen versichern.

Schutz gegen Zahlungsausfälle© Brian Jackson - Fotolia.comVersicherungen schützen bei Zahlungsausfällen
Ein mittelständischer Chemieproduzent aus Nordrhein-Westfalen liefert einen Großauftrag mit Spezialchemikalien an ein deutsches Labor - der Abnehmer bezahlt seine Rechnung jedoch nicht. Ein anderes deutsches Chemie- und Pharmaunternehmen exportiert Waren im Wert von über einer Million Euro an einen serbischen Abnehmer - und auch hier bleibt die Zahlung aus. Mahnläufe sind erfolglos, und der Kunde geht in die Insolvenz.

Jedes der beiden Chemieunternehmen bleibt so auf sechs- bis siebenstelligen Forderungen sitzen - das sind Summen, die manchmal das komplette Jahresergebnis übersteigen. Mittelständische Unternehmen können so binnen kürzester Zeit in eine existenzbedrohende Situation geraten.

Schutz gegen Zahlungsausfälle © Forschung & Lehre Liquiditätsprüfung des Abnehmers

Forderungen sichern

Bei jeder Lieferung gibt es das Risiko des Zahlungsausfalls - eine Absicherung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ist für Unternehmen deshalb ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg.

Ulrich Nöthel, Vorstandsmitglied beim Warenkreditversicherer Euler Hermes, rechnet vor: "Bei einem Schaden von 100.000 Euro und einer Gewinnmarge von fünf Prozent muss ein Unternehmen zusätzliche Umsätze von zwei Millionen Euro erwirtschaften, um den Verlust auszugleichen. Das ist für viele Unternehmen binnen eines Jahres gar nicht möglich."

Auch kleinere Schäden summieren sich zu hohen Beträgen wie etwa bei einem süddeutschen Chemieproduzenten: Durch Zahlungsausfälle mehrerer in- und ausländischer Kunden erlitt das Unternehmen mit der Zeit Schäden in Millionenhöhe.

Im Ausland ist die Gefahr um ein Vielfaches höher, und je größer der Auftrag oder das Projekt, je länger die Laufzeit, desto höher ist das Risiko.

Gefahrenquelle Lieferantenkredit

Als Exportweltmeister erhalten deutsche Unternehmen große Aufträge aus dem Ausland und stehen so vor großen Herausforderungen, zumal sich immer mehr Kunden über Lieferantenkredite finanzieren. Sie nutzen die Zahlungsziele, die ein Lieferant gewährt.

In Deutschland sind dies in der Regel 30 bis 90 Tage - im Ausland werden oft jedoch Zahlungsziele von 90 bis 120 Tagen oder sogar noch länger vereinbart. Das bedeutet, dass Unternehmen bei ausländischen Kunden oft drei bis vier Mal so lang auf ihr Geld warten müssen wie im Inland. Hier bestehen immerhin grundsätzlich eine relativ gute Zahlungsmoral und eine stabile Wirtschaftslage.

Um die eigene Liquidität zu schonen, nutzen Abnehmer die Zahlungsziele ihrer Lieferanten voll aus - obwohl sie das entsprechende Produkt längst weiterverarbeitet oder sogar bereits verkauft haben. In Deutschland allein gibt es derzeit etwa 390 Milliarden Euro an Lieferantenkrediten.

Das ist für deutsche Unternehmen und die deutsche Wirtschaft ein hohes Risiko, zumal diesen Lieferantenkrediten nur etwa 160 Milliarden Euro an kurzfristigen Bankkrediten gegenüber stehen. Den Rest stemmen die Unternehmen aus ihrem Eigenkapital.

Warenkreditversicherung kann helfen

Forderungen aus Lieferungen gehören zu den wichtigsten Vermögenswerten in der Bilanz eines Unternehmens. Bei einem Zahlungsausfall verhagelt es Unternehmen die Bilanz. Dagegen hilft eine Warenkredit- oder Investitionsgüterversicherung.

Diese sichern Unternehmen gegen Zahlungsausfälle ihrer Kunden ab und nehmen ihnen selbst dieses Risiko ab. Eine Warenkreditversicherung sichert dabei kurzfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ab, also solche, die innerhalb von zwölf Monaten fällig werden. Eine Investitionsgüterversicherung schützt gegen den Zahlungsausfall bei der Lieferung von Anlagen oder Maschinen.

Diese Projekte sind langfristiger als bei der klassischen Warenkreditversicherung. Oftmals sind diese Aufträge Sonderanfertigungen nach Kundenwünschen, die sich beim Ausfall des Abnehmers nicht oder nur mit hohen Abschlägen an andere Kunden verkaufen lassen.

Sogar das Fabrikationsrisiko - also das Risiko während der Herstellung einer Maschine - lässt sich ab Tag eins mit absichern - also ab dem Zeitpunkt, an dem der Produzent der Maschine Material bestellt und verarbeitet und so in Vorleistung geht. Die Prämien werden individuell kalkuliert.

Dies richtet sich zum einen nach der Höhe der gewünschten Versicherungssumme, zum anderen aber auch nach der Bonität des Abnehmers und der Bewertung des spezifischen Branchen- und Länderrisikos im Abnehmerland. Zudem erhalten Produzenten über Kreditinformationen Einblick in die Risikosituation des Kunden - sie wissen dann genau, mit wem sie Geschäfte machen.

Als Marktführer hat Euler Hermes Risikoexperten in 56 Ländern und verfügt über eine Risikodatenbank mit über 40 Millionen Unternehmen in 245 Ländern. Über diese Bonitätsinformationen seiner Abnehmer kann der Kunde sein Risiko einschätzen und erhält regelmäßige Aktualisierungen. Gegen den eventuellen Ausfall schützt ihn dies jedoch nicht.

Positive Nebeneffekte für Lieferanten

Eine Warenkreditversicherung sichert nicht nur die Liquidität, sondern auch den Gewinn. Das versicherte Unternehmen kann sich so stärker auf wertschöpfende, operative Themen konzentrieren, etwa die Akquisition neuer Geschäfte.

Weitere Nebeneffekte der Versicherung sind in der Regel eine bessere Beziehung zu Banken und Kreditgebern sowie ein entsprechend leichterer Zugang zu Finanzmitteln etwa für Investitionen. Auch die Kundenbeziehungen profitieren von einem solchen Schutz und das Vertrauen in die Geschäftsaktivitäten des Unternehmens wächst.

Der deutschen Chemiebranche insgesamt geht es zwar relativ gut, und das Insolvenzrisiko des Sektors ist rückläufig. Chemikalienhersteller erzielen Umsatzsteigerungen und einen meist zweistelligen Zuwachs bei den operativen Gewinnmargen. Dieses Wachstum müssen Unternehmen jedoch auch finanzieren - und absichern.


Über die Autorin
Antje Stephan ist Pressesprecherin bei Euler Hermes Deutschland.

Aus Nachrichten aus der Chemie» :: Oktober 2014

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