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Sieg über das Sparen

Von JAN-MARTIN WIARDA

Hamburgs Uni hatte Erfolg - jetzt steht sie unter Zugzwang.

Sieg über das Sparen© UHH - Jasmin M. DichantDas Sparen an der Uni Hamburg hat ein Ende
Der Streit ist vorbei. Nach monatelangen Protesten hat der SPD-regierte Hamburger Senat der Universität Hamburg zugesichert, sein geplantes Sparpaket wieder aufzuschnüren. Stattdessen soll an die Stelle einer Kürzungsorgie, die bundesweit ihresgleichen gesucht hätte, nun eine Vereinbarung treten, die in Umfang und Dauer ebenfalls über die Grenzen der Stadt hinweg Beachtung verdient: finanzielle Sicherheit bis 2020, sogar ein geringer jährlicher Zuwachs an finanziellen Mitteln. Was Uni-Präsident Dieter Lenzen besonders freuen dürfte: Die Hochschule darf weitgehend selbst entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgibt, sie braucht zum Beispiel für Personalien nicht mehr das Plazet des städtischen Personalamts.

Eine erstaunliche Wendung. Die mediengerecht inszenierte Anti-Rotstift-Bewegung der Hamburger reiht sich damit ein in die fast schon legendäre Kampagne der Uni Lübeck, die sich im vergangenen Jahr erfolgreich gegen ihre Schließung wehrte. Die Lehre für sparbedrohte Unis in der ganzen Republik: Auf Dauer hält keine Regierung ein Spardiktat zulasten der Bildung durch, wenn Studenten und Professoren sich professionell und mit Witz, vor allem aber gemeinsam zur Wehr setzen. Mit Plakaten und Podiumsdiskussionen, mit Promi-Unterstützung und Pressekonferenzen - und manchmal auch mit fotogenen Sitzblockaden, bei denen der Präsident zwischen Studenten am Boden hockt.

Weil aber die Hamburger Uni alles andere als exzellent ist, oft nicht einmal mehr Mittelmaß, und das schon seit Jahrzehnten, darf sich ausgerechnet auch die vermeintliche Gegenspielerin von Uni-Präsident Lenzen zu den Siegern zählen. Hamburgs viel kritisierte Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt war es nicht nur, die ihren eigenen Bürgermeister zum Umdenken gebracht hat. (Insgeheim mag sie sich sogar über die Proteste gefreut haben, lieferten die ihr doch umso bessere Argumente für ihre Gespräche mit Olaf Scholz.) Vielmehr hat Stapelfeldt ihrer Uni erstaunliche Selbstverpflichtungen zur Qualitäts- und Leistungssteigerung abgerungen; messbare Ergebnisse zu klaren Terminen. Kurzum: Sie hat geliefert. Jetzt ist die Uni an der Reihe.

Aus DIE ZEIT :: 20.10.2011

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