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Sind Rankings sinnvoll? - Pro!

von Frank Ziegele

Diese Frage stellt sich auch die ZEIT immer wieder - und bejaht sie. Einmal im Jahr erscheint das neue Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) als Teil des ZEIT-Studienführers. Nun hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie den soziologischen Instituten an deutschen Universitäten empfohlen, sich nicht mehr an dem Ranking zu beteiligen. Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE, entgegnet dieser Aufforderung.

Sind Rankings sinnvoll? - Pro!© David Ausserhofer, WandlitzFrank Ziegele, Geschäftsführer des Gütersloher Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), plädiert für das Hochschulranking
Das Hochschulranking ist eine wichtige Orientierungshilfe für künftige Studierende, weil es differenzierte Informationen zur Verfügung stellt. Bis zu 30 Merkmale werden verglichen, und das für mehr als 30 Fächer. Dazu werden Informationen über Besonderheiten der Fachbereiche, der Hochschulen und sogar der Hochschulstädte gegeben. Wir weisen keine Hochschule als die beste aus, sondern bereiten die Ergebnisse so auf, dass jeder Nutzer selbst entscheiden kann, was ihm an einer zukünftigen Hochschule wichtig ist und wo er oder sie genau diesen Aspekt bestmöglich findet. Eine Art »Demokratisierung des Rankings«, wie es ausländische Studierendenvertreter mal nannten. Es wäre bedauerlich, wenn am Studienfach Soziologie Interessierte am Fach Soziologie dies zukünftig nicht mehr vorfänden.

Wir haben in den 15 Jahren, seit es diesen Hochschulvergleich gibt, immer wieder erlebt, dass Frust über hochschulpolitische Entwicklungen auf das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) projiziert wird. Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) macht in ihrer Kritik deutlich, dass sie prinzipiell den Vergleich auf der Basis von Daten und Leistungen jenseits des Lesens von Publikationen ablehnt. In meiner Vorstellung ist aber Leistungstransparenz das Gegenstück zur Hochschulautonomie. Es werden angebliche methodische Mängel des CHE-Rankings angeführt, die wir allesamt widerlegt haben (siehe die detaillierte Erwiderung auf www.che.de). Tatsächlich wird die Methodik von nationalen und internationalen Ranking-Experten als beispielhaft gelobt. Nicht umsonst hat die EU-Kommission ein europa- beziehungsweise weltweites Ranking nach den Prinzipien des CHE-Rankings gefordert und will es demnächst einführen.

Das hohe Renommee liegt daran, dass die Methodik ständig im Zusammenspiel mit Fachvertretern und den Hochschulen weiterentwickelt wird. Übrigens in der Soziologie bisher stets auch unter Beteiligung der DGS. Angemessene Kritik wurde immer von uns aufgegriffen, und mögliche Verbesserungen wurden umgesetzt. So war die Universität Bonn zeitweise aus dem Ranking ausgestiegen und ist nun wieder dabei, weil sie nach Anpassungen von einem fairen Vergleich überzeugt werden konnte.

Die Kritik der DGS läuft ins Leere, wenn sie behauptet, die Methoden entsprächen nicht den »Qualitätsanforderungen empirischer Sozialforschung «. Der eigentliche Grund für die Aktion der DGS liegt vielmehr auf der wissenschaftspolitischen Ebene. Sie argumentiert, dass schlechte Strukturentscheidungen von Politik und Hochschulleitungen auf der Basis simplifizierter Daten getroffen würden sowie eine Spaltung der Hochschullandschaft durch konstruierte Leistungsdifferenzen stattfinden würde. Beides wollen wir mit dem umfassendsten Ranking ja gerade verhindern!

Denn durch die Vielzahl an Indikatoren ist gerade keine simplifizierte Betrachtung möglich. Man muss sich mit differenzierten Informationen auseinandersetzen. Jede Entscheidung einer Hochschulleitung auf der Basis von verlässlichen Informationen ist besser als ein Blindflug, wenn man die Daten bewertet und interpretiert (statt alle »blauen« Fächer einfach abzustrafen).

Die Logik der DGS-Argumentation ist merkwürdig: Die Möglichkeit, dass jemand Daten falsch nutzen könnte, dient als Begründung, auf Daten vollständig zu verzichten. Danach müsste die empirische Soziologie ihre Arbeit einstellen! Die einzigartige Möglichkeit, sich mit anderen Soziologie-Fachbereichen zu vergleichen, ist sinnvoller, als innerhalb der Hochschule im Fachvergleich mit beispielsweise den Naturwissenschaften zu stehen. Auch kann keine Evaluation innerhalb der Hochschule ein fachbezogenes Ranking ersetzen, denn die externe Vergleichskomponente fehlt. Die im Hochschulwesen üblichen Evaluationen sind zudem von Experten für Experten gemacht - das Ranking will aber Laien, nämlich Studienanfängern, entscheidungsrelevante Informationen liefern. Diese finden sie nicht in Evaluationsberichten! Und die von der DGS favorisierte peer review, das extrem aufwendige Bewerten von Publikationen durch Kollegen im Rating des Wissenschaftsrats, erbringt in der Soziologie fast dieselben Resultate wie unsere Befragung der Professoren, wo die beste Forschung zu finden sei.

Zum Argument der Spaltung der Hochschullandschaft: Mit dem CHE-Ranking wollen wir eine eindimensionale Leistungswahrnehmung, wie sie etwa durch die Exzellenzinitiative in der Forschung induziert wird, ja gerade verhindern. Wir bilden Forschung, Lehre, Internationalität, Anwendungsbezug, Ausstattung und andere Dimensionen gleichrangig nebeneinander ab. Damit wird die Vielfalt der Stärken deutlich und eine Fokussierung allein auf die Forschung und damit die Spaltung gerade abgewendet.

Wer Abitur gemacht hat und Soziologie studieren möchte, sollte sich auf einer guten Informationsbasis für einen Hochschulstandort entscheiden können. Eine Vorauswahl, wie sie mit dem CHE-Ranking möglich ist, sollte diesen Personen deshalb nicht vorenthalten werden. Die richtige Wahl der persönlich passenden Hochschule ist vielleicht der beste Schutz gegen einen Studienabbruch. Dafür wird natürlich nicht allein unser Ranking herangezogen, aber es trägt zur reflektierten Entscheidung im Vorfeld bei.

Aus DIE ZEIT :: 12.07.2012

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