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Soll ich nach einem Stellenwechsel auch den Doktorvater wechseln?

Karriereberatung Promotion© Andrew Rich - iStockphoto.com

Ich stehe vor einem Problem: An einem sprachwissenschaftlichen Institut habe ich seit 1,5 Jahren eine Doktorandenstelle inne. Die liefe noch ein halbes Jahr, Verlängerung wäre möglich aber ungewiss. Deshalb habe ich gekündigt, um einen vierjährigen Lehrauftrag an einer Universität in einer anderen Stadt anzunehmen. Mein zukünftiger Chef fördert meine Promotion, würde aber zugleich auch gerne Hauptbetreuer werden und meint, als externer Promovend hätte ich an der Uni Nachteile. Mein bisheriger Doktorvater ist davon nicht begeistert, nachdem ich die stipendiumsartige Förderung bekommen und im Projekt mitgearbeitet habe, sähe ein Wechsel nach meinem Fortgang nicht sehr gut aus. Für ihn mag das tatsächlich der Fall sein.

Mein Problem ist aber natürlich folgendes: Einerseits richte ich meinen Blick auf die Zukunft, mein künftiger Chef ist mir natürlich wichtiger. Andererseits möchte ich mir auch Rückkehrmöglichkeiten in das Institut offen halten, im Moment ist die Stellenlage zwar schwierig, in einigen Jahren und als promovierter Wissenschaftler kann das schon ganz anders aussehen. Drittens möchte ich nicht zu starke Signale der Unbeständigkeit aussenden, ich bin etwas über 30 und mein bisheriger Weg war nicht immer sehr gerade. Und mir ist tatsächlich nicht klar, ob ich die Institution, an der ich derzeit tätig bin, nicht um die Früchte der Förderung bringen würde, wenn ich die Promotion woanders abschließen würde.

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Der Wechsel des Doktorvaters ist ein Umstand, der tatsächlich nur sehr selten vorkommt. Ein solcher Weg wird eigentlich nur beschritten, wenn es menschliche oder fachliche Probleme mit dem bisherigen Betreuer gibt. Da der Doktorvater mit Ihnen das Thema ausgewählt hat, Sie bisher betreut hat und Ihnen auch eine finanzielle Förderung durch eine Stelle für zwei Jahren hat zukommen lassen, könnte es sicherlich sehr kritisch seitens des Doktorvaters und anderer Mitglieder der Hochschule gesehen werden, dass Sie nun den Betreuer wechseln. Eine derartige Verhaltensweise könnte möglicherweise auch dazu führen, dass Ihre Rückkehrmöglichkeiten in das Institut erschwert wären, da Sie tatsächlich das Institut und Ihren Doktorvater um gewisse "Früchte der Förderung" und auch um eine Reputation bringen. Die Professoren definieren sich durchaus auch darüber, wie viele Promovenden Sie erfolgreich zur Promotion geführt haben.

Auf der anderen Seite steht nun jetzt Ihr neuer Arbeitgeber, der auch wohlwollend Ihre Doktorarbeit begleiten möchte. Vor dem Hintergrund der oben geschilderten Usancen könnte man sich doch aber sicherlich auch vorstellen, dass Ihr zukünftiger Arbeitgeber für Ihr Begehr, an der bisherigen Universität und bei Ihrem derzeitigen Doktorvater die Promotion absolvieren zu wollen, Verständnis aufbringen wird. Eine Förderung eines Promovenden kann auch von Protagonisten an der Hochschule geleistet werden, die nicht offiziell als Betreuer eingesetzt sind. Möglicherweise sieht die Promotionsordnung Ihrer Hochschule, an der Sie bisher tätig waren, auch vor, dass externe Zweigutachter oder Betreuer eingesetzt werden könnten und so könnte der Professor Ihrer zukünftigen arbeitgebenden Hochschule eingebunden werden.

Die von Ihnen geschilderte Interessenlage ist nicht einfach zu lösen. Letztlich wird es auch auf menschliche Komponenten neben den oben dargelegten Usancen in Ihrem speziellen Fall ankommen.

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