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Sommer, Sonne, Seminar

Von Marike Frick

Ein Überblick über das Angebot deutscher "Summer Universities"

Sommer, Sonne, Seminar: summer schools© pertusinas - iStockphoto.com
In den USA sind sie gang und gäbe: Seminare in den Semesterferien, sogenannte Summer Schools. Amerikanische Studenten können dort außerhalb des normalen Uni- Betriebs Credits sammeln; Studenten und sogar Schüler aus Deutschland sind willkommen. Auch hierzulande entdecken immer mehr Hochschulen den Sommer. Die Kurse richten sich hier allerdings meist an ausländische Studenten. Hinter Namen wie »Summer University« oder »Summer Academy« verstecken sich manchmal aber auch Angebote für Deutsche.

Sommerkurse für ausländische Studenten

Was ist das? Eine Art Sommer-Uni mit angegliederten Sprachkursen. In den meist englischsprachigen Seminaren, zum Beispiel zu Management- oder Poli tik themen, können die Studenten aus den USA, Russland oder Italien Credits für ihr Studium sammeln und im Sprachkurs ihr Deutsch verbessern.

Zum Beispiel: Die Freie Universität Berlin bietet in der Summer University Kurse wie »Transatlantic Relations« oder »Deutsche Exilliteratur« an. Neben den Kursen besuchen die ausländischen Teilnehmer den Reichstag oder gehen eislaufen, machen Ausflüge nach Dresden oder Stralsund. Die gewünschte Erkenntnis: Deutschland ist schön. Die Entscheidung für ein Semester oder gar ein Masterprogramm an einer deutschen Uni soll so leichterfallen.

Was kostet das? In Berlin kostet ein sechswöchiger Kurs 1200 Euro. Die Preise können andernorts bei deutlich unter 1000 Euro liegen, aber auch bei 1900 Euro wie an der Fachhochschule Wiesbaden.

Warum ist das attraktiv? Weil die Universitäten so für den Studienstandort Deutschland und für ihre Hochschule im Speziellen werben können. »Während ihres Aufenthaltes machen wir die Studenten beispielsweise auf englischsprachige Masterprogramme aufmerksam«, sagt Caro la Ossenkopp von der Summer University Fulda. Und Kristina Rödder von der FU Berlin meint: »Wir wollen den ausländischen Studenten sozu sagen den Mund wässrig machen. Die Hemmschwelle ist bei uns niedrig, weil die Kurse meist auf Englisch abgehalten werden. Und in den Sprachkursen merken die Studenten, dass Deutsch gar nicht so schlimm ist.« An den Kursen der FU Berlin können übrigens auch deutsche Studenten teilnehmen - und so internationale Luft schnuppern, ohne das Land zu verlassen.

Sommerkurse für deutsche Studenten in Deutschland

Was ist das? Seminare an deutschen Universitäten, die sich vorrangig an die eigenen Studenten richten.

Zum Beispiel: An der Universität Düsseldorf kann man das Fünf-Tage-Seminar »Die Bibel im Mittelalter« oder gar ein Führungstraining buchen. Die Fachhochschule Bingen veranstaltet mit Partnerhochschulen aus Norwegen und Frankreich eine Summer School zum Thema »Klimawandel«. Diese Angebote sind aber noch sehr vereinzelt und oft auf die Initiative einzelner bestimmter Fachbereiche zurückzuführen. Gängiger sind Sprachkurse in der vorlesungsfreien Zeit - sie werden an fast jeder Uni angeboten. An der Fachhochschule Wiesbaden kann man darüber hinaus Kurse wie »Networking« oder »Souveräner Umgang mit der Zeit« belegen. Allerdings muss hier der jeweilige Fachbereich entscheiden, ob solche Schlüsselqualifikationen als harte Credits angerechnet werden können. An man chen Summer Schools, die sich vorrangig an ausländische Studenten richten, können Deutsche ebenfalls teilnehmen, zum Beispiel an der FU Berlin.

Was kostet das? Sprachkurse sind meist deutlich günstiger als an privaten Instituten. Die Gebühren für internationale Summer Schools sind für heimische Studenten so hoch wie für die ausländischen Gäste - an der FU Berlin wären das also 1200 Euro. »So viel Geld für Kurse zu bezahlen ist in Deutschland aber noch ungewohnt«, sagt Kristina Rödder von der Berliner Hochschule. Teilweise sind Sommerseminare auch kostenlos, wenn sie von Fachbereichen in Eigeninitiative auf die Beine gestellt werden.

Warum ist das attraktiv? Weil man die Zeit zwischen den Semestern dazu nutzen kann, Credits zu sammeln oder ein Thema zu vertiefen. Wer an einer internationalen Summer School der eigenen Uni teilnimmt, trifft auf Menschen aus vielen verschiedenen Nationen.

Sommerkurse im Ausland

Was ist das? Seminare an ausländischen Universitäten, die auch deutschen Studenten und teilweise sogar Schülern offenstehen.

Zum Beispiel: An der Universität Helsinki können Studenten 16 Tage lang Seminare wie »Russia-EU-Relations« oder »History of Art and Architecture in Finland« belegen. In Graz wird beispielsweise im Seminar »(Re-)approaching the Americas« eine zweiwöchige Beschäftigung mit dem nord- und dem südamerikanischen Kontinent angeboten. In den USA können Studenten jeden Sommer zwischen Hunderten Seminaren wählen, in Fächern wie Politik, Theater oder Biologie, zum Beispiel in Harvard oder Berkeley. Diese oft vier bis sechs Wochen langen Sommer-Unis sind eigentlich für die eigenen Studenten da, Ausländer sind aber willkommen. Mittlerweile bieten auch Universitäten in Costa Rica oder Thailand kostenpflichtigen Sommerunterricht an.

Was kostet das? In Helsinki zahlt man für Anmeldung und Kurs moderate 450 Euro, 300 bis 500 Euro legen ausländische Studenten für die Unterkunft drauf. In Graz fallen für zwei Wochen 700 Euro Gebühren an. Teurer wird es in den USA: Wer in Berkeley zum Beispiel »Introduction to Economics« belegt, zahlt 1160 Dollar Kursgebühr, eine Anmeldegebühr von 685 Dollar und über 1000 Dollar für einen Platz im Wohnheim.

Warum ist das attraktiv? Weil es ein Auslandsaufenthalt im Kleinformat ist: Wer seine Heimat nicht lange verlassen kann oder will, für den ist die Summer School eine Alternative zum Auslandssemester. Das gilt auch für Studenten, die das Gefühl haben, in ihrem Bachelorstudium sei kein Platz für einen längeren Aufenthalt in einem anderen Land. Die Teilnehmer sammeln gleichzeitig Credits und verbessern ihre Sprachkenntnisse. Für Schüler kurz vor dem Abitur kann eine Summer School in den USA interessant sein: Hier ist jeder zugelassen, der älter als 18 Jahre ist.

Sommer-Schnupper-Uni für Schüler

Was ist das? Vorlesungen und Seminare insbesondere in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern, um mehr Schüler für ein solches Studium zu begeistern und Hemmungen abzubauen.

Zum Beispiel: In Berlin besuchen Schüler aus der zehnten bis dreizehnten Klasse naturwissenschaftliche Vorlesungen. In Wuppertal ist ein ähnliches Programm speziell auf interessierte Mädchen zugeschnitten. »Denn junge Frauen haben oft Schwellenängste oder haben gar schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht«, sagt Susanne Achterberg, Leiterin des Projekts.

Was kostet das? Für die Schüler: nichts.

Warum ist das attraktiv? Für die Unis ist es wichtig, das Interesse bei Schülerinnen zu wecken, um mehr Frauen in naturwissenschaftlich- technische Studiengänge zu locken. Generell sind die Kurse natürlich für Jungen und Mädchen eine gute Gelegenheit, Naturwissenschaften außerhalb von Physik- und Biologieunterricht kennenzulernen. Möglicherweise fällt so eine Studienentscheidung leichter.

Aus DIE ZEIT :: 12.03.2009

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