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Spannend wie das Leben

Von Julia Becker

Faszination Lebewesen gepaart mit innovativer Technik: Das bieten die modernen Biowissenschaften, genannt Life Sciences. Gut ausgebildeten Akademikern bietet die Branche vielfältige Berufsmöglichkeiten, ein interdisziplinäres Forschungsumfeld und nicht zuletzt sehr gute Verdienstmöglichkeiten. Gesucht werden junge Leute, die Begeisterung für die Natur und das Leben mitbringen und über den eigenen Tellerrand hinaus schauen wollen.

Gelangen ungebetene Substanzen in den gesunden Blutkreislauf, bekämpft der menschliche Körper die Eindringlinge automatisch mit Antikörpern. Friert ein Mensch, richten sich seine Körperhaare wärmend auf, um Unterkühlungen vorzubeugen. Ziehen wir uns Verletzungen zu, senden unsere Nerven sofort schützende Schmerzsignale aus. Nicht nur bei Menschen, auch im Tierreich zeigt sich: Jedes Lebewesen ist ein faszinierendes, bis ins feinste Detail ineinandergreifendes System von biologischen und chemischen Prozessen.

Spannend wie das Leben "Interdisziplinarität spielt eine große Rolle", sagt Carsten Roller vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO)
Das Begreifen dieser natürlichen Lebensprozesse und deren technische Rekonstruktion ist die Kernaufgabe des Forschungsfeldes Life Sciences, auch "Lebenswissenschaften" genannt. Das Forschungsfeld beschäftigt sich damit, natürliche Strukturen zu entdecken, biologische Mechanismen zu verstehen, chemische Reaktionen zu entschlüsseln. Die daraus resultierenden Erkenntnisse können für technische Innovationen und medizinischen Fortschritt genutzt werden.

Mit interdisziplinärer Expertise der Faszination Leben auf der Spur

Die Komplexität des Forschungsfeldes ist aufgrund des wissenschaftlichen Fortschritts inzwischen so hoch, dass es nur noch mit fächerübergreifender Expertise erarbeitet werden kann. "Die modernen Biowissenschaften, die Life Sciences, können heute nur mehr interdisziplinär bewältigt werden. Schon heute steht im Labor ein Biologe selbstverständlich neben einem Biochemiker, einem Biotechnologen und einem molekularen Mediziner", erklärt Carsten Roller vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO). So umfassen die Life Sciences inzwischen zahlreiche Fachbereiche - dazu gehören: Biologie, Biochemie, Bioinformatik, Biomedizin, Biophysik, Biotechnologie, Ernährungswissenschaften; Genetik, Immunologie, Lebensmitteltechnologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Neurobiologie, Pharmakologie, Pharmazie und Zellbiologie. Für das Forschungsfeld Life Sciences gibt es allein 160 verschiedene Berufstitel. Eine Ausbildung, die ausschließlich auf ein Fach ausgerichtet ist, reicht daher für eine erfolgreiche Karriere oft nicht mehr aus: "Entweder Sie sind interdisziplinär ausgebildet oder Sie arbeiten mit anderen Disziplinen zusammen und haben gelernt, die Sprache der anderen zu verstehen", sagt Carsten Roller.

Spannend wie das LebenSilke Kraus hat Pharmazie und Wirtschaftswissenschaften studiert und eine zusätzliche Ausbildung absolviert - ideale Voraussetzungen für eine Karriere im Bereich Life Sciences

Faszination Vielfalt

Wie solch eine erfolgreiche, interdisziplinäre Ausbildung aussieht, zeigt das Beispiel von Silke Kraus. Die 35-Jährige hat zusätzlich zu ihrem Studium der Pharmazie auch Betriebswirtschafslehre studiert und sich zur Fachapothekerin für Arzneimittelinformation ausbilden lassen. Sowohl das Zweitstudium als auch die Weiterbildung absolvierte die junge Frau während ihrer ersten Berufsjahre. "Das Lernen fing nach dem Pharmaziestudium eigentlich erst richtig an und wird auch bis zu meinem Rentenalter nicht mehr aufhören", erzählt Kraus, die bereits einen Tag vor ihrem Examen den ersten Arbeitsvertrag unterzeichnete. Die Vielfältigkeit der Life Sciences fasziniert sie immer wieder: "Mit einem Pharmaziestudium kann man heute so viel mehr werden als nur Apothekerin", sagt Kraus, "wer sich stetig weiterbildet, gerade auch in wirtschaftlichen Fächern, dem stehen alle Möglichkeiten offen."

Heute arbeitet die Pharmazeutin in leitender Position für den Pharmakonzern ratiopharm. Als Teamleiterin im Portfolio Management ist es ihre Aufgabe, zusammen mit ihren Mitarbeitern Strategien zu erarbeiten, wann in welchen Ländern bestimmte Arzneimittel auf den Markt gebracht werden. Dafür arbeitet sie abteilungsübergreifend mit interdisziplinären Expertenteams zusammen. Zudem überprüft die Pharmazeutin die Wirtschaftlichkeit von bereits eingeführten Produkten.


Universität oder Fachhochschule? Das hängt vom Fach ab!

Am Anfang einer Karriere im Bereich Life Sciences steht ein qualifiziertes Studium - mit Ausnahme einiger Ausbildungsberufe in biologisch-technischen Laboratorien. Das Angebot an Studiengängen ist äußerst vielfältig: Über 1300 biowissenschaftliche Studiengänge gibt es in Deutschland inzwischen für nahezu jede berufliche Ausrichtung und Spezialisierung. Die Nachfrage an wissenschaftlichem Nachwuchs liegt derzeit in fast allen Fachgruppen auf einem ähnlich hohen Niveau.

Die Wahl der Hochschule sollte mit Blick auf die eigenen Karriereziele getroffen werden. Je nach Fachrichtung und Berufsziel sollten sich angehende Wissenschaftler für ein Fachhochschulstudium oder ein Universitätsstudium entscheiden. So sind beispielsweise Pharmazie und Biochemie klassische Universitätsstudiengänge, dagegen sind in den biotechnischen Fächern oft Fachhochschulabsolventen gefragt. "Die FHs sind es gewohnt, mit der Wirtschaft eng zusammenzuarbeiten und die Absolventen durch verpflichtende Praxissemester frühzeitig auf den zukünftigen Arbeitsplatz vorzubereiten", erklärt Experte Carsten Roller vom VBIO.

Von der Fachhochschule zum eigenen Biotechnologie-Unternehmen

Spannend wie das Leben
Ulrich Schubert entschied sich als junger Mann bewusst für ein Fachhochschulstudium. "Die Universität war mir zu theoretisch, an der FH hingegen stand viel Praxis auf dem Stundenplan", sagt der 48-Jährige. Nach dem Studium der Feinwerktechnik arbeitete er zehn Jahre lang in der Entwicklungsabteilung von zwei großen Unternehmen. 2001 machte sich Schubert schließlich mit einem eigenen Ingenieurbüro selbstständig. "Ich wollte mich weiterentwickeln, Ideen verwirklichen und eigene Wege gehen. Diese Möglichkeiten bot mir nur die Selbstständigkeit", erzählt der Biotechniker. Zusammen mit seinen drei Mitarbeitern und einem interdisziplinären Netzwerk an Wissenschaftlern entwickelt Schubert biotechnologische Geräte, die natürliche Prozesse aus dem Bereich der Immunologie und Molekularbiologie rekonstruieren und messen. "Mit unseren individuell gefertigten Geräten können beispielsweise Laborärzte Krankheitserreger, Stoffwechselstörungen oder genetische Defekte und Erkrankungen diagnostisch bestimmen", erklärt Schubert. Vorbild ist immer die Natur, die hat ihn schon in Jugendzeiten fasziniert: "Schauen Sie sich nur mal eine kleine Biene an: Auf so winzigem Raum ein perfektes System natürlicher Technik. Von dieser Perfektion können wir noch so viel lernen."

Mit Zusatzqualifikationen und Promotion bessere Chancen auf gute Jobs

Nach dem Studium wird von Nachwuchswissenschaftlern in der Regel eine Promotion erwartet. Der Doktortitel steigert die Chancen, eine gut bezahlte Stelle zu bekommen und im Unternehmen Karriere zu machen. Ein weiterer Garant für einen guten Start in die Arbeitswelt ist neben der Promotion auch die stetige Aus- und Weiterbildung. Wer erfolgreich Fuß fassen möchte, sollte sich neben dem Studium möglichst viele praktische Erfahrungen aneignen. Außerdem sind sehr gute Englischkenntnisse von Vorteil, denn Englisch ist in den Life Sciences auch in Deutschland die Arbeitssprache. Wer darüber hinaus Fachkenntnisse im Bereich Wirtschaftswissenschaften besitzt, ist sehr gut für den Start in die Arbeitswelt gerüstet.

Positive Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt - trotz Wirtschaftskrise

Für Wissenschaftler im Bereich Life Science gibt es keinen Grund zur Beunruhigung: Wer die Studien- und Promotionsphase erst einmal hinter sich gebracht hat und gute bis sehr gute Noten vorweisen kann, hat beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen trotz Wirtschaftskrise einen positiven Trend: Mit 2500 arbeitslosen Biologen im Jahresdurchschnitt ging die Arbeitslosigkeit 2009 um drei Prozent zurück. Dem standen rund 800 gemeldete, offene Stellen gegenüber - zwei Prozent mehr Stellenangebote als noch im Vorjahr. Noch besser sieht es im Bereich Pharmazie aus: So waren 2009 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im Jahresdurchschnitt nur 600 Pharmazeuten auf Jobsuche - halb so viele, wie noch im Jahr 2000. Den arbeitslosen Pharmazeuten stand ein Pool von insgesamt 1400 Stellenangeboten zur Verfügung, die 2009 bei der Bundesagentur gemeldet waren.

Lediglich im Bereich der Biochemie hat die Wirtschaftskrise deutlichere Spuren hinterlassen: Zwischen 2002 uns 2009 ist die Zahl der arbeitslosen BiochemikerInnen von 400 auf 600 im Jahresdurchschnitt gestiegen. Für arbeitsuchende Wissenschaftler standen im vergangen Jahr 200 Stellenangebote zur Verfügung.

Quelle: academics

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