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Studentische Hilfskraft: Sprungbrett für die akademische Karriere

Von Birk Grüling

Knapp ein Viertel aller Studierenden jobben an der Hochschule. Die Vergütung für eine studentische Hilfskraft ist oft mies, aber mit etwas Geschick lässt sich der Grundstein für eine akademische Karriere legen.

Studentische Hilfskraft: Sprungbrett für die akademische Karriere© Sergey Nivens - Fotolia.comDie Arbeit als studentische Hilfskraft bildet oft den Grundstein einer wissenschaftlichen Karriere
Kaffee kochen, Bücher ausleihen oder stundenlang kopieren - wer nicht aufpasst, kann einen ziemlich langweiligen Hiwi-Job erwischen. Wenn dann der Stundenlohn noch irgendwo zwischen fünf und 13 Euro liegt, möchte man vom Arbeitsplatz Hochschule eigentlich abraten. Doch die Mühen als studentische Hilfskraft können sich auch auszahlen, wie Karriereberaterin Svenja Hofert erklärt. "Zum Aufbau von ersten Netzwerken innerhalb der Hochschule sind solche Jobs sicherlich gut. Ideal wäre es natürlich, wenn die Inhalte für das spätere Berufsleben relevant sind." Im Idealfall lernt man als studentische Hilfskraft den Wissenschaftsbetrieb genauer kennen. Sie erfahren, wie Professoren ihre Forschungsergebnisse präsentieren, können zu Kongressen mitfahren oder arbeiten sogar an Studien mit.

Aus Sicht von Astrid Bültemeier, Leiterin des Career Center der Technischen Hochschule Hamburg, durchaus wichtige Aspekte. "Für eine Karriere in der Wissenschaft kann die Arbeit als studentische Hilfskraft durchaus ein Sprungbrett sein. Mitunter lernt man schon seinen Doktorvater- oder -mutter kennen oder gewinnt mehr Klarheit darüber, in welchem Fachbereich man später promovieren möchte." Die Zahlen geben ihr Recht, nach einer Untersuchung von Wissenschaftlern an der Uni Freiburg waren drei von vier Doktoranden zuvor wissenschaftliche Hilftskraft an einer Hochschule.

Studentische vs. Wissenschaftliche Hilfskraft

Studentische Hilfskräfte werden in befristeten Angestelltenverhältnissen im öffentlichen Dienst beschäftigt. Die Einstellung als wissenschaftliche oder künstlerische Hilfskraft setzt den Abschluss eines Hochschulstudiums voraus. Als studentische Hilfskraft kann eingestellt werden, wer in einem Studiengang immatrikuliert ist, der zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führt. Das Arbeitsverhältnis endet spätestens mit der Exmatrikulation.

Inhaltlich üben studentische Hilfskräfte Hilfstätigkeiten für Forschung und Lehre aus und unterstützen Studierende in Tutorien. Sie können auch mit Aufgaben in Verwaltung, technischem Betriebsdienst, Rechenzentren, Bibliotheken und in der Krankenversorgung beschäftigt werden.

Studentische Hilfskräfte sind während der Dauer ihres Studiums von den Versicherungspflichten der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit.

Auf die Inhalte kommt es an

Aber auch für eine Karriere in der Wirtschaft kann die Arbeit an der Hochschule relevante Kompetenzen vermitteln, ist sich Bültemeier sicher. "Wer als Tutor anderen Studierenden Inhalte näher bringt, trainiert Präsentationstechniken. Auch Erfahrungen in Teamarbeit und Projektmanagement kann man aus dem universitären Arbeitsalltag mitnehmen. Ein anspruchsvoller Job an der Hochschule wird unserer Erfahrung nach bei Unternehmen gern gesehen." Für Studierende, die keine Karriere in der Forschung anstreben, rät Hofert aber dennoch zur genauen Abwägung. "Wer später im Marketing arbeiten möchte, hat wenig davon in der Bibliothek Seminarunterlagen zu kopieren. Da sollte man sich lieber nach relevanter Praxiserfahrung in der Wirtschaft umsehen."

Dass man die auch an der Hochschule finden kann, zeigt das Beispiel der studentischen Mitarbeit im Career Center der TU Hamburg. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Begleitung von Firmenkontaktveranstaltungen oder Soft-Skills-Seminaren für Studierende kurz vor dem Berufseinstieg. Daraus sind auch schon gute Kontakte zu Firmen entstanden. "Auch unsere studentischen Mitarbeiter haben über Gespräche am Rande solcher Veranstaltung die Chance auf ein Praktikumsplatz oder sogar eine Trainee-Stelle schon genutzt", berichtet Michaela Hoppe, im Career Center für die Unternehmenskontakte zuständig. Durchaus hilfreich also, sich einen Job als studentische Hilfskraft zu suchen, wo die inhaltliche Ausrichtung der Tätigkeit mit den beruflichen Zielen übereinstimmt - erst dann lassen sich aus der praktischen Erfahrung und den gewonnenen Kontakten wertvolle Ansatzpunkte für die Zukunft ableiten.

academics :: Juli 2013