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Die traditionelle Promotion: Nur was für Einzelkämpfer

Von Oliver Wasse

Die Anzahl der Promotionen nach traditionellem Modell macht in Deutschland im Vergleich zu den strukturierten Programmen noch den größeren Teil aus. Für ausländische Doktoranden bedeutet traditionell zu promovieren allerdings sehr viel Eigeninitiative, ein hohes Maß an Selbstständigkeit und einen langen Atem.

Die traditionelle Promotion: Nur was für Einzelkämpfer© RapidEye - iStockphoto.comDie herkömmliche Form der Promotion ist immer noch traditionell beim Professor zu promovieren
In Deutschland schließen durchschnittlich 25.000 Doktoranden pro Jahr ihre Promotion ab, damit liegt Deutschland europaweit an der Spitze. Laut Angaben des Wissenschaftsrats promovieren 93 Prozent davon auf traditionellem Wege, die übrigen sieben Prozent über strukturierte Programme, hier ist die Tendenz allerdings stark steigend, insbesondere in den Naturwissenschaften und Mathematik. Zwei Wege gibt es in Deutschland, die zum Doktortitel führen: Die traditionelle Promotion und die strukturierte Promotion. Bei der traditionellen Promotion wird die Doktorarbeit in Betreuung mit einem Professor, dem sogenannten Doktorvater, erstellt. Die Doktoranden promovieren individuell an einer Fakultät zu einem meist selbst gewählten Thema. Ziel der Promotion ist das Erstellen und Veröffentlichen der schriftlichen Doktorarbeit, auch Dissertation genannt. In vielen Fällen besetzen Doktoranden während der Promotionsphase eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl - meist, um die Promotion zu finanzieren.

Eigeninitiative, Selbstständigkeit und Motivation

Im Vergleich zu strukturierten Programmen wird die traditionelle Promotion wegen der längeren Promotionsdauer und der fehlenden Systematik kritisiert. Beides führt häufig zu Motivationsschwierigkeiten, zumal die Doktoranden in hohem Maße auf sich allein gestellt sind. Der Aufwand der traditionellen Promotion ist für ausländische Doktoranden deutlich höher als innerhalb eines strukturierten Programms. Dies beginnt schon bei Themenwahl und Bewerbung und zieht sich über den gesamten Verlauf der Promotion, auch ist die Finanzierung eigenständig zu organisieren. Das erfordert Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen und eine ordentliche Portion Motivation.

Vor der Bewerbung

Wer sich dennoch für eine traditionelle Promotion in Deutschland bewerben will, sollte sich zunächst gut über die Rahmenbedingungen informieren und sich mit dem System in Deutschland auseinander setzen. Auch gilt es, die Formalia im eigenen Land abzuklopfen. Zu klärende Fragen sind beispielweise: Ist eine fremdsprachige Dissertation möglich? Wie sind die Visabestimmungen für Nicht-EU-Bürger? Ist eine Arbeitserlaubnis erforderlich? Bietet die Universität in Deutschland Lehrveranstaltungen für Doktoranden an? Wird der deutsche Doktortitel im Heimatland anerkannt und von Arbeitgebern honoriert? Jede Fakultät an der Universität in Deutschland verfügt über eine eigene Promotionsordnung, die Zulassung, Betreuung, Promotionsverfahren und Prüfungen regelt. Es kann zum Beispiel nötig sein, Nachweise über die Gleichwertigkeit des Abschlusses oder der besuchten Lehrveranstaltungen zu erbringen. Oft lässt sich die Promotionsordnung im Internet herunterladen, die meisten deutschen Universitäten sind unter der Domain www.uni-"Ort".de zu finden (z.B. www.uni-hamburg.de).

Auf der Suche nach einer Fragestellung

Für die Suche nach einem passenden Thema sollten zwei bis drei Monate eingeplant werden, denn das Thema muss nicht nur wissenschaftlich relevant und neuartig sein, es muss auch den Doktorvater überzeugen und vor allem für den Doktoranden bzw. die Doktorandin selbst von außergewöhnlichem Interesse sein. Naheliegende Möglichkeiten der Themenfindung bestehen in der Vertiefung von Studieninhalten, von Themen aus dem Beruf oder der Entwicklung einer Idee mit Blick auf die behandelten Themenbereiche eines Lehrstuhls. Einen Überblick der Dissertationsthemen bietet die Online-Suche des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unter www.forschungsportal.net».
Ist ein Thema gefunden, beginnt in der Regel die Suche nach einer geeigneten Fakultät. So lange die Formalitäten der Promotionsordnung kein Hindernis darstellen, sollte der Doktorvater eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung dafür spielen.

Gute Betreuung finden

Einen geeigneten Doktorvater zu finden, ist eine schwierige Aufgabe, aber essentiell für den Promotionserfolg. Der Doktorvater nimmt das Thema an, ist Betreuer, Mentor, in vielen Fällen Vorgesetzter und bewertet zudem die Dissertation. Wichtig ist, dass der Doktorvater ein Experte auf dem Fachgebiet der gewählten Fragestellung ist und dass er in der Vergangenheit eine gute Betreuungsqualität gezeigt hat. Publikationen verweisen auf die fachliche Kompetenz, dagegen lässt sich die Eignung als Doktorvater und Betreuer schwieriger einschätzen. Hier lohnt sich ebenfalls zu recherchieren, wie viele erfolgreiche Promotionen in den vergangenen Jahren betreut wurden und, wenn möglich, Kontakt zu ehemaligen Doktoranden aufzunehmen. Gibt es am jeweiligen Lehrstuhl Lehrveranstaltungen für Doktoranden, so genannte Doktorandenkolloquien, spricht dies für eine systematische und regelmäßige Betreuung. Bei der ersten Kontaktaufnahme zum Professor ist Höflichkeit besonders wichtig sowie die Vermittlung der besonderen Motivation bezüglich des gewählten Themas. Der Professor sollte individuell angeschrieben werden, Standard-E-Mails an mehrere Empfänger landen meist im digitalen Papierkorb. Ausschlaggebend für den Erfolg der Bewerbung ist der fachliche Bezug zwischen Themenschwerpunkten des Professors und dem eigenen Forschungsinteresse. Meist reagieren Professoren auf ein erstes Anschreiben erst nach einigen Wochen; nach maximal vier Wochen kann nachgehakt werden.

Ist die Promotion geschafft, öffnet das Türen für die Karriere - sei es innerhalb oder außerhalb der Wissenschaft. Der deutsche Doktortitel ist weltweit anerkannt, bei einer Rückkehr ins Heimatland macht sich ein Doktor made in Germany gut für den nächsten Karriereschritt. Zunehmend international ausgerichtete Rekrutierungsstrategien der Forschungseinrichtungen und Maßnahmen der Bundesregierung, den Forschungsstandort Deutschland zu stärken, bieten jedoch auch längerfristige Perspektiven für ausländische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

Quelle: academics

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