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Welches Gehalt bekomme ich als Trainee?

Von Julia Holzapfel

Längst ist Trainee kein Synonym mehr für Langzeitpraktikanten oder schlecht bezahlte Berufsstarter. Zwar liegen Trainees beim Verdienst hinter den Direkteinsteigern, doch häufig sammeln sie Erfahrungen, die sich für die Karriere auszahlen.

Welches Gehalt bekomme ich als Trainee? © LP12INCH - Photocase.de Die Gehaltseinbußen im Traineeship werden durch andere Vorteile ausgeglichen
Während sich Direkteinsteiger schnell auf ein Fachgebiet und eine Aufgabe fokussieren, drehen Trainees zunächst mehrere Runden innerhalb einer Organisation, um diese wirklich kennenzulernen. Sie sollen die Führungskräfte der Zukunft werden, weshalb viele Unternehmen ihre Traineeprogramme mit enormem Engagement organisieren. Schon die Auswahl der Kandidaten erfolgt nicht selten in aufwendigen Prozessen mit mehrstufigen Assessment-Centern. Im Traineeship selbst reicht die Betreuung vom Mentoring über Networking-Events bis zu Auslandsaufenthalten. Das geht allerdings mit Abschlägen beim Gehalt einher.

Im Jahr 2012 konnten sich 94 Prozent der Hochschulabsolventen in Deutschland vorstellen, ihr Arbeitsleben als Trainee zu beginnen. Traineeprogramme sind damit sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Absolventen eine anerkannte Form des Berufseinstiegs geworden.

Was verdient ein Trainee?

Angehende Trainees müssen häufig ihre Gehaltsvorstellungen ein wenig nach unten korrigieren. Laut der Absolventenstudie der Managementberatung Kienbaum Consultants International verdient ein Trainee in Deutschland im Mittel 37.800 Euro und liegt damit 5.200 Euro unter dem Durchschnittsgehalt von Einsteigern mit akademischem Abschluss. Während der neun bis 24 Monate, die ein Traineeprogramm dauert, müssen sich die Berufsstarter damit arrangieren, zur untersten Einkommensgruppe der Hochschulabsolventen zu gehören.

Allerdings weisen Jobcoaches immer wieder auf ein wichtiges Detail hin: Das Mehr an beruflicher Bildung durch umfassende Unternehmenseinblicke, Möglichkeiten zum Networking und manchmal sogar internationale Tätigkeiten, das einem Trainee im Vergleich zum Direkteinsteiger geboten wird, lässt sich nicht in Geld ausdrücken.

Da der Begriff Trainee nicht geschützt ist, sollten potenzielle Bewerber auch im Hinblick auf das Gehalt genau darauf achten, welche Entwicklungs- und Fortbildungschancen vom Unternehmen im Rahmen des Traineeships geboten werden, und sich außerdem über die Jobaussichten hinterher informieren. Die Dauer des Traineeprogramms sollte zwischen neun und maximal 24 Monaten angesiedelt sein.

Wie wirkt sich die Branche auf das Gehalt eines Trainees aus?

Einen starken Einfluss auf die Höhe des Gehalts übt die Art des Hochschulabschlusses aus: Ein Trainee mit Bachelorgrad verdient im Schnitt neun Prozent weniger als ein Absolvent mit Masterabschluss. Als lukrativste Branche erweist sich in diesem Zusammenhang der Bereich Finance und Controlling: Laut StepStone-Gehaltsreport 2016 liegen Trainees dabei mit einem Verdienst von 45.538 Euro fast gleichauf mit den Direkteinsteigern. Am untersten Ende der Rangliste stehen Trainees im Berufsfeld Marketing. Hier sind Traineeprogramme in den Bereichen PR und Unternehmenskommunikation sowie Journalismus und Redaktion mit Abstand am schlechtesten bezahlt.

Wer in den Bereich Naturwissenschaften und Forschung einsteigen möchte, liegt mit 42.278 Euro Verdienst als Trainee im oberen Mittelfeld. Physiker und Chemiker haben von allen die besten Gehaltsaussichten: Sie verdienen zu Beginn ihrer Laufbahn um 40 Prozent mehr als beispielsweise ihre Kollegen aus den Geowissenschaften.

Jahresbruttogehälter von Trainees und Direkteinsteigern nach Branchen
Berufsfeld

Jahresbruttogehalt Trainee

Jahresbruttogehalt Direkteinsteiger

Quelle: StepStone-Gehaltsreport 2016 für Absolventen, Tabelle: academics.de
Ingenieurwesen 41.856 € 46.954 €
IT 38.159 € 44.964 €
Naturwissenschaften und Forschung 42.278 € 46.850 €
Marketing 28.929 € 37.623 €
Vertrieb 41.595 € 42.646 €
Personalwesen 40.565 € 41.282 €
Finance und Controlling 45.538 € 45.637 €
Einkauf und Logistik 43.857 € 44.707 €

Gibt es regionale Unterschiede beim Verdienst von Trainees?

Bayern, Baden-Württemberg und Hessen haben mit ihren Finanz- und Industriestandorten rund um München, Stuttgart und Frankfurt am Main in puncto Gehalt beim Berufseinstieg die Nase vorn. Der Spitzenreiter im Bundesländervergleich ist dabei Baden-Württemberg mit einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von 45.630 Euro für Absolventen (sowohl Direkteinsteiger als auch Trainees). Etwa ein Fünftel weniger verdienen akademische Berufsanfänger in Mecklenburg-Vorpommern (35.727 Euro).

Bei Betrachtung der Einstiegsgehälter im Berufsfeld Naturwissenschaft und Forschung sticht allerdings das nördlichste Bundesland Schleswig-Holstein heraus. Wer hier nach seinem Uni-Abschluss zu arbeiten beginnt, liegt mit einem durchschnittlichen Verdienst von 52.222 Euro (sowohl Direkteinsteiger als auch Trainees) fast auf einer Höhe mit dem Spitzenreiter Hessen (52.891 Euro).

Wie entwickelt sich das Gehalt während eines Traineeships?

Durchschnittlich zehn Prozent liegen die Einstiegsgehälter von Trainees unter denen von Direkteinsteigern. Auch während des Traineeships verändert sich der Verdienst selten bis nie. Im Gegenzug für den Verzicht auf mehr Geld werden Trainees jedoch vielfältige Möglichkeiten geboten, um sich weiterzuentwickeln.

Durch einen regelmäßigen Wechsel zwischen den Abteilungen und den Firmenbereichen erhält der Trainee zum Beispiel einen umfassenden Einblick in die Abläufe und kann die Zusammenhänge zwischen den Units erfassen. Zudem engagieren sich die Unternehmen mit Mentoring, Weiterbildungsseminaren, Networking-Events oder Auslandsaufenthalten, um die besten Hochschulabsolventen für ihre Traineeprogramme zu begeistern.

Die anfänglichen Gehaltseinbußen gleichen sich aus, sobald sich der Trainee in der Firma bewährt hat und nach dem Ende des Programms als Mitarbeiter übernommen wird. Weil die Unternehmen viel in einen Trainee investieren, sind sie bei guten Leistungen mehr als interessiert daran, den hochqualifizierten Kandidaten weiterzubeschäftigen, oft auch im Rahmen eines unbefristeten Vertrags.

academics :: Juni 2017