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Überarbeitet - höhere Arbeitsbelastung dank Bologna-Reform

Von Jan-Martin Wiarda

Deutsche Nachwuchswissenschaftler klagen über die Bologna-Reform.

Überarbeitet - höhere Arbeitsbelastung dank Bologna-Reform© René Jansa - iStockphoto.com
Die Arbeitsbelastung deutscher Doktoranden und Habilitanden ist bereits hoch - und durch die Bologna- Reform ist sie offenbar noch höher geworden. Laut der neuen WiNbus-Studie des Hochschul- Informations-Systems (HIS) hat sich für 58 Prozent der Befragten der Umfang ihrer Lehrverpflichtung erhöht, mehr als zwei Drittel von ihnen berichten zudem, sie hätten deutlich mehr mit der Betreuung und Beratung der Studenten zu tun. 73 Prozent der Nachwuchswissenschaftler stellen auch einen gestiegenen Aufwand für Prüfungsorganisation fest. Die Folge: Für die Forschung bleibt immer weniger Zeit, so empfinden es 67 Prozent. Das WiNbus ist ein neues Online-Panel, in dem das Hannoveraner Forschungsinstitut Nachwuchswissenschaftler künftig regelmäßig zu ihren Arbeits- und Lebensbedingungen befragen will. An der ersten Runde haben sich über 1400 Hochschulmitarbeiter beteiligt.

Die Ergebnisse der Studie lösen unterschiedliche Reaktionen aus. Der ehemalige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Klaus Landfried kritisiert die Haltung vieler Professoren: »Sie wälzen die Mehrarbeit einmal mehr auf ihre Doktoranden ab. Das ist ein Skandal.« Bernhard Kempen, Präsident der Professorengewerkschaft Deutscher Hochschulverband, wehrt sich gegen Landfrieds Vorwurf. Die Arbeitsbelastung sei für Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter gleichermaßen größer geworden. »Schuld ist die Politik, die zwar die neuen, betreuungsintensiven Abschlüsse eingeführt hat, nicht aber das Geld ausgeben wollte, damit die Hochschulen die Verpflichtungen gegenüber den Studenten tatsächlich erfüllen können.« Andreas Storm schließlich, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswissenschaftsministerium, sagt ein wenig wolkig: »Mehr Betreuung und Lehre dürfen von den Nachwuchswissenschaftlern nicht als Störung der eigenen Karrierechancen wahrgenommen werden.« An diesem Punkt brauchten die Hochschulen mehr Unterstützung, betont der Staatssekretär. Storm versucht tapfer, das Positive an den Ergebnissen hervorzuheben. »Die Befragung zeigt deutlich, dass der Bologna-Prozess den Stellenwert der Lehre erhöht«, sagt er. »Das war und ist erwünscht.« Die zunehmende Arbeitsbelastung hat allerdings auch Folgen für die Beliebtheit der Bologna- Reformen unter den Nachwuchswissenschaftlern. Hier sind die Zahlen geradezu niederschmetternd: Nur noch 16 Prozent bewerten die Umstellung aller Studiengänge auf die Abschlüsse Bachelor und Master als überwiegend positiv. Etwa die Hälfte der Befragten gibt zudem an, die Reform heute negativer zu sehen als noch vor ein paar Jahren.

»Das sind Leute, die offenbar von der Umsetzung des Bologna-Prozesses an den Hochschulen enttäuscht worden sind«, sagt Steffen Jaksztat vom HIS. Zwei Drittel der Wissenschaftler bestreiten zudem, dass der Bachelor die Absolventen tatsächlich zu einem Beruf befähige. Eine interessante Fußnote: Die insgesamt geringe Zustimmung zur Reform ist unter denjenigen noch am höchsten, die sich am meisten für moderne Lernformen begeistern und auch engagieren. Sie sehen offenbar bei allen Belastungen die Vorteile, die ihre Studenten von den neuen Studiengängen haben. Staatssekretär Storm räumt allerdings angesichts der Zahlen ein, der Bologna-Prozess sei in Deutschland »unterschiedlich erfolgreich« umgesetzt worden. »Wir müssen rasch handeln und dort nachbessern, wo es nötig ist.« In dieser Einschätzung zumindest ist er sich mit Klaus Landfried und Bernhard Kempen einig.

Aus DIE ZEIT :: 14.05.2009

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