Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Uni und Forschungszentrum - sie trauen sich

Jan-Martin Wiarda

Die Vereinigung von Karlsruher Uni und Forschungszentrum hat Vorbildcharakter.

Seite bearbeiten: Uni und Forschungszentrum - sie trauen sich (NAV: 36479)© Markus BreigBund und Land unterzeichnen KIT Verwaltungsvereinbarung
Über eine offensichtliche Peinlichkeit muss man hinwegsehen. Karlsruher Institut für Technologie heißt die Neugründung, die Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) vergangene Woche durch ihre Unterschrift besiegelt haben. Kurz: KIT. In Anlehnung an die amerikanische Elite-Uni Massachusetts Institute of Technology. Kurz: MIT. Das KIT wird lange brauchen, bis es die Vorschusslorbeeren, die es damit einfordert, auch wirklich verdient hat.

Aber, und das ist die eigentliche Nachricht, es kann und es wird sie verdienen. Das KIT, das durch eine immer weiter gehende Kooperation über Jahre hinweg vorbereitet wurde, ist ein Meilenstein und Wendepunkt in der deutschen Hochschulgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Universität Karlsruhe und das Forschungszentrum Karlsruhe, eine angesehene technische Universität und eine führende Forschungseinrichtung, schließen sich endgültig zusammen.

Mit Beginn des Wintersemesters verschmelzen sie offiziell zu einer Einheit und überwinden damit gleich mehrere Hürden, die vielen als unüberwindbar galten. Da ist die Schranke zwischen Universitäten und außeruniversitären Instituten. Über Jahrzehnte haben sie nebeneinanderher gelehrt und geforscht, sich misstrauisch beäugt. Trotz gelegentlicher Kooperationen haben sie so jede Menge Möglichkeiten verschenkt, voneinander zu profitieren. Ursache für all die unsinnigen Egotrips war eine zweite Schranke, die an ein Denkverbot grenzte: Unis werden von den Ländern finanziert, die Forschungseinrichtungen größtenteils vom Bund. Eine Vermengung der Gelder? Eine direkte Einflussnahme der Bundesregierung auf die Geschicke der Hochschulen? Undenkbar! Da pfiff man lieber auf das Potenzial zur Exzellenz. Vorbei. Es war kein Zufall, dass schon beim Elitewettbewerb vor allem jene Unis den Zuschlag bekamen, die auf die Zusammenarbeit mit den Außeruniversitären bauen.

Die von Frankenberg und Schavan mutig betriebene Fusion ist die logische Konsequenz und der Beweis, dass es doch geht - und sauber dazu: Einheit und getrennte Kassen. Das mag dem einen oder anderen Buchhalter Schweißperlen auf die Stirn treiben. Im Alltag werden solche bürokratischen Winkelzüge aber keinen Studenten und kaum einen Professor interessieren - ebenso wenig wie die anderen, peinlich genauen Vereinbarungen, welche die Aufsicht durch Bund und Länder über die verschiedenen Bereiche regeln sollen. Was zählt, ist das Signal an die anderen Universitäten und Forschungsinstitute: Traut euch! Vereinigt euch, es lohnt sich.

Aus DIE ZEIT :: 06.08.2009

Ausgewählte Artikel