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Universitäten sind nicht "Handlanger der Industrie"

 

Die Universität Cambridge wehrt sich gegen die Forderungen der Regierung und der Industrie.

Universitäten sind nicht "Handlanger der Industrie"Prof. Alison Richard, Vizekanzlerin Universität Cambridge
Die Vizekanzlerin der Universität Cambridge, Professor Alison Richard, hat sich in scharfen Worten dagegen gewandt, die Universitäten zu zwingen, mehr Studierende aus ärmeren Familien zuzulassen.

Sie sei es leid, dass Politiker und die Regierung die Universitäten als "Motoren für soziale Gerechtigkeit" sehen. Dies sei nicht das wesentliche Ziel von Universitäten.

"Wir versuchen, die besten Studenten zu bekommen, welchen sozialen Hintergrund sie auch immer haben. Ein Ergebnis davon ist natürlich, dass wir dazu beitragen, soziale Mobilität zu fördern. Aber soziale Mobilität zu fördern ist nicht unsere eigentliche Aufgabe. Unsere Hauptaufgabe ist, für eine herausragende Ausbildung in einem Forschungsumfeld zu sorgen", sagte Richard.

Die britische Regierung hatte die Universitäten gedrängt, mehr mit der Wirtschaft und der Industrie zu kooperieren, um neue Studiengänge zu entwerfen und die kommerziellen Vorteile ihrer Forschung besser zu nutzen.

Richard betonte, Universitäten seien nicht die Handlanger der Industrie oder "implementers of the skills agenda". Sie könnten nicht die aktuellen technologischen Probleme der Industrie lösen. In Großbritannien herrsche die Ansicht vor, dass Studierende eine Einkommensquelle seien und nicht eine Investition in die Zukunft.


Schenkt man dem Shanghai Ranking Glauben, so ist die Universität Cambridge die Viertbeste der Welt und die Beste in Europa. So hat es einiges Gewicht, wenn die Vizekanzlerin die Indienstnahme ihrer Universität durch Politik und Industrie scharf zurückweist.

Dies kann sie, weil ihr die Aufgabe ihrer Universität klar ist: "Eine herausragende Ausbildung in einem Forschungsumfeld." Setzt man so erfrischend deutlich und einfach den richtigen Akzent, ist es wohltuend konsequent, Begehrlichkeiten abzuweisen - auch die der "sozialen Gerechtigkeit" oder des "Aufstiegs durch Bildung".

Warum hört man Vergleichbares nicht von Präsidenten und Rektoren deutscher Universitäten oder von deren Organisation, der Hochschulrektorenkonferenz?

Es wäre für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik mehr gewonnen, würde man sich auf die Aufgabe der Universität besinnen und diese öffentlich vertreten. Stattdessen treibt man dies und das, will jedem gefallen und springt auf jeden vorbeifahrenden Zug vermeintlicher Modernisierung, ob der nun von der Wirtschaft oder der Politik geschickt wird.

Aus Forschung & Lehre :: Oktober 2008

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