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Unter Strom

Protokolle: THOMAS RÖBKE

Drei Nachwuchsingenieure erzählen, was sie an der Arbeit mit erneuerbaren Energien fasziniert.

Unter Strom© Maria Wachala - 123rf.com"Ich bin fasziniert von der Größe der Maschinen, mit denen man in der Windbranche zu tun hat"

Wind

Ich bin fasziniert von der Größe der Maschinen, mit denen man in der Windbranche zu tun hat. In meinem Studium habe ich mich mit Antriebssystemen und Offroad-Fahrzeugtechnik befasst. Und da geht es ja auch um große Fahrzeuge: Bagger, Kräne, diese Kategorie. Ich muss etwas sehen und anfassen können, rechne lieber in Tonnen als in Milligramm. Ursprünglich wollte ich Bauingenieur werden, so wie mein Vater. Doch wegen der schlechten Arbeitsmarktlage entschied ich mich für einen anderen technischen Bereich und fing gleich nach dem Abitur ein Maschinenbaustudium an der TU Dresden an. Das Interesse für die Windenergie hat dann mein Professor geweckt, der dort sehr engagiert war. Ich bewarb mich bei verschiedenen Firmen für ein Fachpraktikum und bekam von DeWind eine Zusage. Dort habe ich direkt im Anschluss meine Diplomarbeit geschrieben und bin dann nahtlos übernommen worden.

Derzeit bin ich unter knapp 30 Ingenieuren die einzige Frau. Auch in Meetings mit Zulieferern bin ich fast immer in einer reinen Männerwelt. Das stört mich aber nicht, mich hat noch niemand schief angeschaut oder eine blöde Bemerkung gemacht. Außerdem bin ich schon als Kind immer besser mit Jungs klargekommen. Und in den Mathe- und Physik- Leistungskursen gehörte ich ja auch schon zur Minderheit. Ich leite das Projekt Hauptgetriebe für die Anlagen, die wir momentan entwickeln, und bin verantwortlich für die Großwälzlager - etwa das Lager zwischen Turm und Gondel - und die Blattlager. Ich schreibe die Spezifikationen, prüfe Lasten, führe fast die komplette technische Kommunikation mit den Zulieferern. Ich reise auch zu Zulieferern, beispielsweise um dort Qualitätsabnahmen zu machen, gemeinsam mit einem unserer Qualitätsingenieure. Als Jungingenieurin brauche und bekomme ich natürlich hier und da etwas Unterstützung.

Bislang war ich dreimal auf einer Anlage. Wenn man da auf 80 Meter Höhe angekommen ist, setzt man sich erst einmal aufs Gondeldach und lässt das auf sich wirken. Die Windenergiebranche hat noch ein enormes Entwicklungspotenzial, gerade was die Antriebsstrang-Konzepte angeht, Getriebe und Generatoren. Es gibt noch nicht die Standardanlage, die jeder Hersteller baut und die super funktioniert. Jeder hat ein anderes Konzept. Alle wollen weg von der Atomenergie, das kommt unserer Branche natürlich zugute.

Christiane Friedrich, 26, ist Projektingenieurin bei DeWind in Lübeck.

Sonne

Als sich die Frage stellte: »Was studieren?«, wollte ich unbedingt etwas Praktisches machen. Ich bin sehr geprägt durch meinen Großvater, der Imker und Angler war und mit dem ich viele Naturexkursionen gemacht habe. Deshalb wollte ich schon als Kind Umweltschützer werden. Aber die politische Schiene war mir nie genug, ich wollte Einfluss auf die technische Umsetzung nehmen. Da bot sich natürlich ein Ingenieurstudium an. So habe ich an der TU Clausthal Umweltschutztechnik mit Schwerpunkt Umwelt-Prozesstechnik studiert. Nach dem Studium war ich über das Carlo-Schmid-Programm bei der Unesco in Doha (Qatar) tätig. Ich habe mich da mit Recycling beschäftigt und ein entsprechendes Lehrbuch mitentwickelt. Danach war ich bei einem großen Energiekonzern im Bereich Energieeffizienz und Emissionsreduzierung. Weil ich die erneuerbaren Energien voranbringen will und die kostengünstige und nachhaltige Stromversorgung durch Photovoltaik weiter verbessern und solider machen will, bin ich zu First Solar gewechselt. Dem Unternehmen geht es nicht nur darum, aus Sonnenlicht Strom zu machen, es geht auch um Themen wie Recycling. Es sollen keine Altlasten anfallen für nachfolgende Generationen. Denn wie bei jedem Produkt entstehen bei der Herstellung Abfallströme, und meine Kollegen und ich schauen, wie wir Kreislaufsysteme etablieren können. Wir machen Ökobilanzierungen: Wie viel Energie wird verbraucht für die Herstellung des Glases? Für die Halbleitermetalle? Wie hoch ist der Wasserverbrauch?

Das wird nicht nur erfasst, sondern wir schauen auch, wie wir unseren ökologischen Fußabdruck verbessern können. Mein Hintergrund als Diplomingenieur für Verfahrenstechnik ist da sehr hilfreich: Ich betrachte die Dinge von der technischen, der politischen und der Kommunikationsseite her. Die Arbeitsmarktsituation ist sehr gut; ich weiß auch von Kommilitonen, dass sie relativ schnell gute Jobs gefunden haben. Bei der Unesco habe ich mich beworben, aber ansonsten wurde ich immer gefragt, ob ich Lust auf den Job hätte. Ich denke, das solare Jahrhundert ist gerade erst angebrochen, wenn ich mir allein schon das enorme Potenzial anschaue, das sich in China oder Indien heranbildet. Natürlich entsteht dort auch Konkurrenz. Aber ich denke, wir werden bei dem enormen Energiebedarf alle Herstellungskapazitäten brau chen, die wir bekommen können. Jenseits der Ideologien sitzen alle im selben Boot: Wir wollen und wir müssen die Energieversorgung verändern. Und was die Photovoltaik in den letzten 20 Jahren gezeigt hat, ist sehr ermutigend. Spätestens wenn wir die Netzparität erreicht haben, also solarer Strom genauso günstig ist wie konventioneller, wird die Nachfrage extrem ansteigen. In einigen Märkten ist das jetzt schon der Fall, in anderen sicher in ein paar Jahren.

Andreas Wade, 31, leitet die Nachhaltigkeitsabteilung für Europa bei First Solar in Berlin.

Biogas

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, da kommt man zwangsläufig sehr früh mit Technischem in Berührung. Heute plane ich Biogasanlagen, das heißt, ich konzipiere und lege die Anlagentechnik aus. Ich bin dafür zuständig, dass die Anlage den Genehmigungen, TÜV- und Behördenanforderungen entspricht. Nach der Realschule habe ich eine Ausbildung zum Technischen Zeichner gemacht. Mit erneuerbaren Energien hatte das noch nichts zu tun, das war in einem Granit verarbeitenden Unternehmen. Weil ich Maschinenbau studieren wollte, habe ich dann an der Berufsoberschule mein Fachabitur gemacht und bin an die FH Regensburg gegangen. Biotechnologie hätte mich auch interessiert, aber im Maschinenbau ist die Ausbildung sehr breit gefächert. In den beiden Semestern wählte ich den Schwerpunkt Energietechnik. Der umfasst die regenerative Energienutzung und Kraftwerktechnik. In meiner Diplomarbeit habe ich mich für Schmack Biogas mit der Effizienzsteigerung von Biogasanlagen beschäftigt. Ich bin dem Unternehmen treu geblieben und fing dann 2007 gleich nach Abschluss meiner Diplomarbeit als Inbetriebnehmer an. Das heißt, ich war in der Startphase der Biogasanlage dafür verantwortlich, dass Biologie und Technik optimal aufeinander abgestimmt sind.

Wenn man im Bereich Biogas arbeiten will, muss man natürlich auch eine Antenne für die biologischen Zusammenhänge haben, das war ein Kontrast zu meiner Ausbildung. Aber da kommt man schon rein, ich bin auch innerhalb des Unternehmens gut unterstützt worden. Das Spektrum meiner Zuständigkeit war von Anfang an sehr groß: von landwirtschaftlichen Anlagen bis zu Großanlagen; auch in Italien war ich eine Weile. Es war immer etwas in Bewegung. Im letzten Jahr bin ich dann in die Projektingenieurabteilung gewechselt. Ich denke, dass der Anteil des Biogases an der Energieerzeugung wachsen wird, schon weil es als einzige regenerative Energie speicherbar ist. Manche Anlagen werden mit organischem Abfall betrieben, andere mit Gülle und Mist oder mit nachwachsenden Rohstoffen. Den nicht unumstrittenen Einsatz von extra zu diesem Zweck angebautem Mais hat man vielerorts schon reduziert, es kommen mehr Zwischenfrüchte zum Einsatz. Da ist die Branche wandlungsfähig.

Christian Richter, 29, ist Projektingenieur bei Schmack Biogas in Schwandorf.

Aus DIE ZEIT :: 31.03.2011

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