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Unternehmensgründung Life Science: "Wir helfen nur beim Feinschliff"

VON ILKA KREUTZTRÄGER

Michael Brandkamp war von Anfang beim High Tech Gründer Fonds dabei und weiß, was es heißt, ein Startup aus dem Boden zu stampfen. Der Geschäftsführer über die Risiken für Investoren, die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung und wieso im vergangenen Jahr von über 1.000 Bewerbungen nur 43 unterstützt wurden.

Unternehmensgründung Life Science: "Wir helfen nur beim Feinschliff"© Michael BrandkampMichael Brandkamp vom High Tech Gründer Fonds kennt die Schwierigkeiten einer Unternehmensgründung in den Life Sciences
academics: Wieso wurde 2005 der High Tech Gründer Fonds (HTGF) ins Leben gerufen?

Michael Brandkamp: In den Jahren 2004 und 2005 war der Markt für die Finanzierung von kleinen Startups komplett eingetrocknet. Und der Bund steckte zwar Milliarden von Euro in die Forschung, war aber recht schlecht darin, aus diesem erzeugten Wissen wiederum Geld zu machen. Genau diese Lücke füllen wir mit unserer kleinen Organisation, die sich auf die Finanzierung und Begleitung von jungen Hightech-Unternehmen spezialisiert hat.

academics: Wieso tun Geldgeber sich hier so schwer, in neue Ideen zu investieren?

Brandkamp: Weil es eine Menge Risiken gibt. Gerade im Life-Science-Bereich gibt es noch keine Produkte, die zum Markt getragen werden können und sie wissen nicht, ob eine Idee wirklich funktioniert. Dazu kommt, dass sie hier Leute zusammen haben, die noch nicht gezeigt haben, dass sie ein Unternehmen entwickeln und führen können. Und das Finanzierungsrisiko ist sehr groß. Gerade Hightech-Unternehmen haben einen sehr hohen Kapitalbedarf und sobald eine Finanzierungsrunde ausläuft, kann alles den Bach runtergehen.

academics: Der Gründerfonds unterstützt Startups mit 500.000 bis zwei Millionen Euro. Die Idee ist also, die erste Gründungsphase zu überbrücken bis ein anderer Investor einsteigt?

Brandkamp: Wenn niemand sät, kann irgendwann keiner mehr ernten. Darum ist es so wichtig, dass wir immer wieder junge Unternehmen aufs Gleis schieben, damit man später in gewachsene Unternehmen investieren kann. Aber der einzelne Geldgeber sucht sich nur die besten Investitionsobjekte aus und hat nicht diesen gesamtwirtschaftlichen Gedanken vor Augen - den hat aber sehr wohl eine Bundesregierung. Deswegen wird in Deutschland, wie in fast allen Ländern, dieser Startup-Sektor staatlich flankiert.

academics: Und bis 2005 der HTGF gegründet wurde, fehlte dieses Instrument in Deutschland?

Brandkamp: Genau. Übrigens ist der Gründerfonds aus einem Arbeitskreis aus privaten Investoren und der öffentlichen Hand hervorgegangen. Am Anfang waren wir zu dritt, wir waren also auch ein Startup und wissen, was es heißt, ein Unternehmen von Null auf zu entwickeln. Dazu kam, dass die Politik den Gründerfonds schon angekündigt hatte. Ehe wir überhaupt gegründet waren, hatten wir also schon Business-Pläne auf dem Tisch und die ersten fragten, wann sie denn jetzt endlich mal Geld bekommen. Wir wissen, welche Entscheidungen in der Gründungsphase getroffen werden müssen und können unsere Erfahrungen an die Jungunternehmer weitergeben.

academics: An was denken Sie da so?

Brandkamp: Wenn man zum Beispiel ein Team aufstellt, und darum geht es ja im Kern, muss man dafür sorgen, dass man das Know-how komplementär zusammenstellt. Man sollte also nicht da, wo man seine Stärken hat, noch jemanden holen, damit es schön kuschelig ist, sondern aus der Unterschiedlichkeit heraus zu guten Lösungen kommen. Das gilt auch für uns. Wir haben ein Team aus Naturwissenschaftlern, Ingenieuren, Juristen und Kaufleuten und diese Mischung ist extrem wichtig für unser Geschäft.

academics: Wieso?

Brandkamp: Bei uns dreht es sich um extrem unterschiedliche Fragestellungen. Wir müssen die Technologien, um die es geht, zwar nicht vollständig verstehen, aber zumindest einschätzen können, ob da was drin steckt. Wir müssen mit den Gründern auf Augenhöhe diskutieren können.

academics: Machen wir es mal an einem Beispiel etwas konkreter. Ich habe also eine Idee aus dem Life-Science-Bereich und will gründen. Wie geht es dann weiter?

Brandkamp: Sie können zu uns kommen, wenn Ihr Business-Plan griffig ist, Sie vielleicht schon an Business-Plan-Wettbewerben teilgenommen haben und Ihr Konzept international ausgerichtet und betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Wir helfen Ihnen dann mit unseren Coaches, stellen unser Netzwerk zur Verfügung und sind auch mal bei komplizierten Vertragsverhandlungen dabei. Mit 15 Prozent übernehmen wir aber nur einen kleinen Anteil am Unternehmen. Wer mit komplett vagen Vorstellungen kommt und dann denkt, wir vom Gründerfonds übernehmen dann die Arbeit, wird scheitern. Wir helfen nur beim Feinschliff.

academics: Sie suchen beim Gründerfonds also nach Profis, in die Sie investieren können?

Brandkamp: Wir sind auch früher ansprechbar. Aber das ist immer ein Risiko für uns und das müssen wir den Gründern natürlich auch klar machen. Wir wissen natürlich, dass die Dinge reifen müssen und machen deswegen auch Beratergespräche, gehen an Unis oder zu Forschungsinstituten, wenn dort mehrere Gründer zusammenkommen. Wir sprechen dort also in sehr frühen Phasen mit den Gründern.

academics: Wie viele Bewerbungen bekommen Sie denn so?

Brandkamp: Die Zahlen sind nicht so schön. Im Jahr 2012 haben wir 1.100 Business-Pläne auf dem Tisch gehabt und finanziert haben wir 43. Das ist frustrierend.

academics: Wird so viel Unsinn eingereicht?

Brandkamp: Man muss ein bisschen relativieren. Mehr als die Hälfte waren nicht durchdacht, hatten kein Fundament. Es gibt einfach viele, die ein Teil der Startup-Szene werden wollen. Aber wenn Sie heute mit irgendeiner Web-2.0-Community um die Ecke kommen, ist der Zug schon längst aus dem Bahnhof raus. So was ist nichts für uns.

academics: Bleiben noch etwa 600 Ideen übrig, wenn die nicht durchdachten raus sind.

Brandkamp: Und von denen ist nur ein gewisser Teil hochgradig relevant. Am besten ist es, wenn Sie von einem uns gut bekannten Coach oder Netzwerk kommen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, von uns eine Finanzierung zu bekommen, um Längen besser.

academics: Ohne Netzwerk wird es also schwer. Sie haben ja auch ein eigenes Netzwerktreffen, den Family Day. Sehr heimeliger Name.

Brandkamp: Der ist ganz bewusst gewählt! Denn wir wollen nicht nur nebeneinander herlaufen, sondern offen und vertrauensvoll miteinander umgehen und voneinander lernen. Der Gründerfonds ist mit seiner Beteiligung an allen Firmen gewissermaßen das verwandtschaftliche Bindeglied.

academics: Wie läuft dieses Gründerfonds-Familientreffen ab?

Brandkamp: Am ersten Tag sind die Unternehmer unter sich, machen Workshops und versuchen, miteinander Geschäfte zu entwickeln. Am zweiten Tag laden wir auch die Geldgeber ein. Zu den ersten Family Days 2007 und 2008 kamen aber nur sehr wenige, wir hatten ja auch erst wenige Unternehmen finanziert und darum war es für die Geldgeber nicht sehr reizvoll. Das ist heute anders.

academics: Welche Rolle spielt der Gründerfonds denn mittlerweile auf dem Startup-Markt?

Brandkamp: Schaut man sich die Zahlen vom Bundesverband an, kommen wir auf Marktanteile von gut 50 Prozent. Derzeit verändert sich der Markt jedoch sehr und private Geldgeber sind immer mehr bereit, zu investieren.

academics: Woran liegt das?

Brandkamp: Es gibt immer weniger attraktive Anlageangebote, denn inzwischen hat man gemerkt, dass auch Staatsanleihen heftige Risiken tragen. Wenn man mit Hightech-Unternehmen zusammenarbeitet, sind die Risiken wenigstens klar - ebenso wie die Chancen. Und neben dem rein monetären Aspekt gibt es den vielleicht noch wichtigeren emotionalen Aspekt. Es macht vielen Investoren einfach Freude, junge Unternehmen mit zu entwickeln und zu unterstützen. Denn der Eigenkapitalgeber spielt immer eine aktive Rolle, ist also viel mehr als nur Geldgeber.

academics :: Mai 2013

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