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Verkehrte Welt

Von Jan-Martin Wiarda

Während Amerikas Unis sparen, kriegen die deutschen mehr Geld.

Verkehrte Welt© soulstormer - Photocase.com"Amerikas Unis = reich" gilt nicht mehr
Die Lage ist dramatisch: Seit 2008 hat der Staat seinen Hochschulen den Zuschuss um ein Fünftel gekürzt, dieses Jahr sollen noch mal fünf Prozent weg. Und was sagt der Präsident der Hochschulrektoren? »Wir werden natürlich unseren Beitrag zur Konsolidierung des Staatshaushalts leisten.« Worte der Resignation? Wohl eher der Erleichterung - dass es nicht noch schlimmer kommt. Der Staat, der da seine Unis austrocknet, heißt zur Abwechslung nicht Deutschland, sondern North Carolina. Seine öffentlichen Universitäten galten in den USA über Jahrzehnte als vorbildlich. Doch hier deuten sich wie auch anderswo in der Hochschulwelt Verschiebungen an, die vor wenigen Jahren undenkbar waren. Die Gleichung »Amerikas Unis = reich« gilt nicht mehr, und auch andere einst satt finanzierte Bildungssysteme sind in die finanzielle Dauerkrise geraten: Großbritannien zum Beispiel oder Österreich.

Gleichzeitig, berichtet die europäische Hochschulvereinigung EUA, machen Staaten Boden gut, deren Uni-Systeme lange marode waren: China, Frankreich - und Deutschland. Vor allem dank verschiedener Bundesprogramme wie Exzellenzinitiative und Hochschulpakt fließt hierzulande mehr Geld in die Hochschulen als je zuvor - und das, obwohl viele Bundesländer gleichzeitig den Rotstift angesetzt haben. Die Skurrilitäten des deutschen Bildungsföderalismus, in dem die Beteiligung von Bund und Ländern nicht vollständig geklärt ist, haben sich in der Krise womöglich als Segen erwiesen: Hätten die Länder, wie sie oft fordern, einen höheren Anteil an Steuern für Bildung in ihren Budgets gehabt, hätten sie auch diese möglicherweise lieber eingespart. So aber kann der Bund großspurig selbst das Geld an die Unis verteilen - und Deutschland kann seine Aufholjagd in Sachen Bildung fortsetzen.

Aus DIE ZEIT :: 27.01.2010

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