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Viva con Agua - Sauberes Wasser für alle

von Birk Grüling

Viva con Agua setzt sich für die Verbesserung der Trinkwassersituation und sanitären Grundversorgung in Entwicklungsländern ein. Gegründet wurde die Hilfsorganisation von dem Ex-Fußballprofi Benny Adrion.

Viva con Agua© Viva con AguaViva con Agua ist ein Hilfsprojekt zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern
Der beste Ort, um mit Benny Adrion über sein Herzensprojekt zu sprechen, ist ohne Frage das Millerntor, Heimstadion des FC St. Pauli. Die Geschichte von "Viva con Agua de Sankt Pauli" ist nämlich untrennbar mit dem Hamburger Kultverein verbunden. "Im Gründungsjahr 2005 habe ich mir viele Gedanken um meine Karriere gemacht", erinnert sich Gründer Benny Adrion. Damals war der heute 32-Jährige noch Mittelfeldspieler in der 2. Bundesliga und hatte ein Angebot für ein weiteres Jahr als Fußballprofi vorliegen. Als Alternative dazu stand eine Reise zu sozialen Projekten überall auf der Welt im Raum. Nach zwei Wochen Bedenkzeit entschied sich der Kicker gegen ein vorzeitiges Karriereende und gründete einfach sein eigenes Hilfsprojekt zur Verbesserung der Trinkwassersituation und sanitären Grundversorgung in Entwicklungsländern. "Ich habe in der Bedenkzeit mit möglichen Unterstützern gesprochen und viel positives Feedback bekommen. Die Möglichkeit über ein Netzwerk Positives zu bewirken hat mich einfach gepackt und mit dem Wasser kam ein passendes und sehr relevantes Thema dazu", erinnert sich Adrion.

Nur Fußball war zu wenig

Der Sprung vom Fußballplatz zur NGO-Leitung sei ihm nicht sonderlich schwer gefallen, erzählt er mit Blick auf den Rasen des Stadions. "Nur Fußball war mir schon immer zu wenig, darum habe ich mich auch nie mit der Rolle als "Fußballstar" identifiziert", sagt der Ex-Profi. Schon mit 14 Jahren lehnte Benny seine erste Länderspielreise ab, um die Sommerferien mit Freunden genießen zu können. In der A-Jugend hatte er ein weiteres Mal die Nase voll vom Fußballrhythmus und unterbrach die Karriere. Die harten Anforderungen und die hohe Leistungsorientierung beim VfB Stuttgart waren ihm zu viel geworden. Nach der Rückkehr schaffte er trotzdem den Sprung zu den Profis. Nach drei Jahren wechselte er erst zu Eintracht Braunschweig und wenig später zum FC St. Pauli. "Hier konnte ich das erste Mal den Fußball mit meinen anderen Interessen zusammenbringen. Der Verein und sein kulturelleres Umfeld haben mich in meinen Ideen immer bestärkt", sagt Adrion. Passenderweise gab schließlich ein Trainingslager des FC St. Pauli auf Kuba den Anstoß für das erste Hilfsprojekt.

3.000 ehrenamtliche Helfer

Mit Unterstützung der Welthungerhilfe wurden in vielen Kindergärten der kubanischen Hauptstadt Havanna Wasserspender aufgestellt. Die 50.000 Euro für das Projekt kamen schon innerhalb eines Jahres zusammen. Dieser Erfolg brachte den Stein endgültig ins Rollen. "Viva con Agua stand am Scheideweg, ich habe damals meine Fußballkarriere beendet und das erste Projekt lief aus. Aber nachdem der Grundstein gelegt war, konnte und wollte ich nicht mehr zurück", sagt er. Heute, knapp sieben Jahre später, blickt die Hilfsorganisation auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurück. Mit dem Ziel "Wasser für Alle" wurden inzwischen mehr als ein Dutzend Projekte in Kooperation mit der Welthungerhilfe umgesetzt und so die Lebensbedingungen von über 200.000 Menschen in Entwicklungsländern verbessert. Insgesamt flossen dabei bereits über zwei Millionen Euro Spenden. Möglich macht vor allem die tatkräftige Unterstützung von mehr als 3.000 Helfern, die sich in ihrer Freizeit für Wasserprojekte engagieren, darunter auch Prominente wie Jan Delay oder die Rapper von Fettes Brot. Ein entscheidender Faktor ist dabei der besondere Ansatz der Hilfsorganisation, der es gerade für junge Menschen attraktiv macht, sich zu engagieren.

Viva con Agua - Sauberes Wasser für alle
Benny Adrion, Gründer der Hilfsorganisation Viva con Agua

Die etwas andere NGO

"Wir verstehen uns als offenes Netzwerk, in dem sich alle auf ihre Art einbringen können", sagt Adrion. Ein besonderes Beispiel für diese Arbeit ist die Spendensammlung. Bei Viva con Agua setzt man dabei vor allem auf spendenwillige und durstige Musikfans. Auf vielen Konzerten und Festivals sammeln ehrenamtlichen Helfer Becher ein, der Pfand wird für Hilfsprojekte genutzt. So kommen inzwischen pro Jahr über 100.000 Euro zusammen. Ein anderes sehr ungewöhnliches Spendenprojekt ist die Millerntor Gallery. Unter der Haupttribüne befindet sich die einzige dauerhafte Kunstausstellung im deutschen Fußball. Neben festen Kunstwerken, gebannt auf Mauerwerk, haben die beteiligten Künstler auch eigene Werke zur Versteigerung gestiftet. Der diesjährige Erlös von über 50.000 Euro fließt ebenfalls in neue Projekte, vor allem in Afrika. "Unsere Aktionen machen natürlich auch viel Spaß, gleichzeitig spüren wir, dass das Thema Wasser nachhaltig bei den Menschen ankommt", erklärt Adrion. So bekommen die Macher inzwischen viele Einladungen für Projekttage an Schulen und auch die Zahl der Unterstützer steigt stetig. Neue Finanzierungswege geht man auch mit dem eigenen Quellwasser. Unter dem Namen Wasser GmbH verkauft Viva con Agua eigenes Mineralwasser, 60 Prozent der Gewinne fließen ebenfalls in Wasserprojekte. "Wir werden auch in Zukunft einige neue Projekte anschieben und noch stärker mit unserer Stiftung agieren, in welcher Form, ist aber noch nicht hundertprozentig spruchreif", blickt der Gründer in die Zukunft. Auch nach sieben Jahren als Vollzeitweltretter scheinen ihm die Ideen jedenfalls nicht auszugehen.

academics :: Juni 2013


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