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Vom Grundlagenforscher zum Generalist im Unternehmen

Von Birk Grüling

Jörg Leuninger hat fast nichts ausgelassen: Vom Doktorand der Chemie über die Arbeit in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei BASF und zwei Stationen im Marketing, zum Leiter der europäischen Rekrutierung. Als Generalist profitiert er heute von seinen Erfahrungen als Forscher und ist damit für die Rekrutierung von Fachkräften bestens qualifiziert.

Vom Grundlagenforscher zum Generalist im UnternehmenJörg Leuninger, Leiter der europäischen Rekrutierung bei BASF, suchte schon früh Alternativen zur Arbeit im Labor
Vom Grundlagenforscher zum Leiter der europäischen Rekrutierung - manchmal muss Jörg Leuninger über den eigenen Werdegang schmunzeln. "Ich habe mich schon im Studium für alles Mögliche interessiert und war eher Generalist als Spezialist", sagt der 42-Jährige. Nach dem Chemiestudium promovierte er am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz über organische Halbleiter. "Das Thema meiner Doktorarbeit war klassische Grundlagenforschung. Während der Promotion habe ich für mich aber festgestellt, dass ich eher in der anwendungsorientierten Forschung arbeiten möchte", erklärt Leuninger.

2000 wechselte der frisch promovierte Chemiker deshalb in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Chemieriesen BASF. Drei Jahre lang entwickelte er dort neue Produkte für die Farbindustrie, immer in direkter Zusammenarbeit mit dem technischen Vertrieb und in enger Abstimmung mit dem Kunden. "In dieser Zeit habe ich eine ganz neue Perspektive auf Forschung und Anwendungsorientierung entwickelt. Letztendlich hat mich genau das zu meinen Wechsel noch näher an den Kunden bewegt", erklärt er.

Von der Arbeit im Labor zum Marketing

Seinen Laborkittel hängte Leuninger an den Nagel und arbeitete fortan im technischen Marketing, einer Schnittstelle zwischen Vertrieb und Produktentwicklung. Wichtige Aufgaben dieser Abteilung sind die Identifikation der Kundenwünsche und die entsprechende Gestaltung von Produkten sowie die Durchführung von technischen Trainings vor Ort beim Kunden. "Meine Erfahrungen als Forscher haben mir bei der Arbeit immer geholfen, gerade in der Kommunikation auf fachlich höchstem Niveau", sagt er. Nach drei weiteren Jahren erhielt der Chemiker die einmalige Chance, für BASF das regionale Marketing für den asiatischen Markt zu übernehmen. Ohne großes Zögern griff er zu und zog nach Singapur.

Fast vier Jahre lang kümmerte er sich dort um Kunden und Zulieferer auf wichtigen Wachstumsmärkten wie China, Indien oder Japan. Doch es war klar, dass er nach Ludwigshafen zurückkehren und eine neue Aufgabe übernehmen wird. "Ich habe mir damals gemeinsam mit meinen Führungskräften die Frage nach einer sinnvollen Anschlussbeschäftigung gestellt. Das Angebot, die Rekrutierung für junge Fachkräfte in ganz Europa zu übernehmen, kam allerdings schon etwas überraschend", so der 42-Jährige. Nach nur kurzer Bedenkzeit sagte er zu und seit dreieinhalb Jahren steht nun "Head of Center of Expertise European Recruiting" auf seiner Visitenkarte.

Auch Spezialisten sind für die Arbeit außerhalb des Labors geeignet

Auch wenn BASF als großer und internationaler Arbeitgeber unter Life Science Absolventen sehr beliebt ist, wirbt der Chemiekonzern aktiv um die besten Köpfe in ganz Europa. Die wichtigsten Kriterien dabei: fachliches Know-how, ein breites Interesse und Auslandserfahrung. Neben Praktika und Abschlussarbeiten vergibt BASF dabei auch Stipendien und führt einen externen Talent-Pool. "Im Idealfall sprechen wir aussichtsreiche Kandidaten schon zwei Jahre vor ihrem Abschluss an und halten regelmäßig Kontakt", sagt Leuninger. Neben dem guten Ruf bietet BASF den promovierten Bewerbern unbefristete Verträge, ordentliche Gehälter mit Prämien und viele Lern- und Gestaltungsmöglichkeiten. "Nicht jeder muss so einen Generalisten-Weg wie ich einschlagen. Wir haben auch Spezialisten, die sich über viele Jahre hinweg in ein Thema vertiefen. Das Schöne ist die große Entscheidungsfreiheit", sagt er.

academics :: Februar 2014

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