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Vom Papier auf die Plattform

von Florian Hauer

Ein digitales Laborbuch mit Funktionen des Web 2.0 schützt nicht nur sensible Daten, sondern erleichtert auch die Arbeit. Es berücksichtigt neue Anwendungen zum Sammeln, Kommunizieren und Publizieren.

Vom Papier auf die Plattform© Minerva Studio - Fotolia.comEin digitales Laborbuch soll wissenschaftliche Daten einheitlich sammeln und aufbereiten
Eine verständliche und lückenlose Dokumentation ist einer der Erfolgsfaktoren und ein Muss in der Forschung. Ergebnisse strukturiert zu dokumentieren, ist nicht nur notwendig, um geistiges Eigentum zu sichern, sondern auch, um effektiv zu forschen. Dementsprechend ist das Führen eines Laborbuchs eine der ersten Lektionen, die Chemiker lernen. Im Labor angekommen, stellen sie dann fest: Neben den guten alten Laborbüchern nutzen Forscher immer mehr digitale Formate, Textdokumente, Tabellen und Bildersammlungen. Denn viele der Daten sind heutzutage ohnehin digital generiert. Der Mix von Dokumentationsmedien macht es oft schwer bis unmöglich, Daten einfach und schnell zu finden. Jeder Forscher kennt das frustrierende Gefühl, ein Experiment zu etablieren, das bestimmt schon dutzendfach durchgeführt worden ist, - allein: Die Informationen sind unter Daten- und Notizbergen vergraben.

Die Lösung liegt auf der Hand: ein digitales Laborbuch, das eine einheitliche Dokumentation erlaubt und alle wissenschaftlichen Medientypen integriert. Digitale Unterschriften sind längst sowohl technisch etabliert als auch international juristisch anerkannt. Es gibt bereits elektronische Laborbücher, deren erste und oft einzige Aufgabe es ist, geistiges Eigentum zu sichern. Sie sind meistens etwas sperrig zu bedienen. Daneben gibt es allgemeine Softwarelösungen (wie Evernote) für Notizen auf Tablet-Computern. Diese Programme sammeln Daten mit einer einfachen und intuitiven Benutzerführung. Vorteilhaft ist dabei vor allem, dass die Software mobil einzusetzen ist. Der Nachteil bei bestehenden Produkten: Mechanismen zum Schutz des geistigen Eigentums sind nicht vorgesehen. Diese Lücke schließt Software wie Labfolder, deren Entwicklung sich an der jeweils aktuellen digitalen Technik orientiert. Im Rahmen des Web 2.0 entstehen täglich neue Anwendungen zum Sammeln, Kommunizieren und Publizieren von Inhalten. Digitale Anwendungen sind zwar in allen privaten Lebensbereichen präsent, aber noch nicht in allen Laboren angekommen. Die digitale Revolution wird auch die Arbeit in Laboren verbessern - mit Benutzerfreundlichkeit, Visualisierung, Cloud, Plattform und Datenanalyse.

Benutzerfreundlichkeit

Insbesondere durch die Nutzung auf mobilen Endgeräten ist eine hohe Benutzerfreundlichkeit Pflicht: Auf kleinen Bildschirmen funktioniert nur eine Anwendung, bei der sich mit wenigen Knöpfen vieles machen lässt. Dieses Paradigma wird auch auf digitale Laborbücher übertragen. Denn erst die mobile Nutzung und die Möglichkeit, sein digitales Laborbuch überall hin mitzunehmen, machen es attraktiv.

Visualisierung

Die Visualisierung von Laborprozessen hilft, Versuche sinnvoller durchzuführen, ihre Ergebnisse besser zu verstehen und einfacher zu kommunizieren. Die grafische Repräsentation von Experimenten und Zusammenhängen geht daher Hand in Hand mit einer hohen Benutzerfreundlichkeit.

Dezentrale Speicher

Für wissenschaftliche Anwendungen wird die Cloud als dezentrales Archiv immer wichtiger. Für viele mobile Anwendungen ist die Anbindung an die Cloud eine Voraussetzung. Zudem lassen sich die drastisch wachsenden Datenmengen mit Datenspeichern vor Ort kaum noch bewältigen. Dabei kann es für Wissenschaftler allerdings sinnvoll sein, eine lokale Cloud zu verwenden - zum Beispiel innerhalb der Firewall der eigenen Forschungseinrichtung -, um so sensible Daten vor der Publikation in einem geschützten digitalen Raum zu verwalten.

Zentrale Plattform

Das Laborbuch war schon immer die zentrale Anlaufstelle, in der Forschungsdaten aufgezeichnet und verarbeitet werden. Das digitale Laborbuch wird sich vom einfachen Notizbuch zu einer Plattform entwickeln, die Daten zentral erfasst, verarbeitet und kommuniziert. Dazu gehört es nicht nur, externe Anwendungen, Geräte und Datenbanken einzubinden. Auch mit Kollegen die eigenen Daten direkt aus dem Laborbuch zu teilen, ist ein Vorteil des digitalen Formats. Eine solche Plattform erleichtert die Zusammenarbeit von Teams und Arbeitsgruppen.

Datenanalyse

Sind die Daten vollständig und einheitlich auf einer Plattform digitalisiert, ist vieles möglich: Schon einfache Tools wie ein integrierter Molaritätenrechner erleichtern den Laboralltag. Vor allem, dass Wissenschaftler auf der Grundlage der digitalen Daten selbst Anwendungen und Analysetools entwickeln können, verbessert digitale Laborbücher laufend.

Mehr als Dokumentation

Der erste Schritt zum idealen Laborbuch besteht darin, es nicht allein aus der Sicht der Anforderungen an Dokumentationsvorschriften oder Datenstrukturen zu entwickeln. Wenn im Design und der Anwendung eines digitalen Laborbuchs der Forscher und seine Bedürfnisse an der Laborbank wieder in den Vordergrund rücken, werden Sicherheit und Schutz des geistigen Eigentums als sinnvoller Leitfaden und nicht als organisatorischer Ballast empfunden. Ein digitales Laborbuch zu nutzen, kann dann Spaß machen und Mehrwert bringen.


Labfolder
Das digitale Laborbuch Labfolder läuft browserbasiert auf allen Plattformen (Windows, Mac OS, Linux). Mobile Anwendungen auf Tablets und Smartphones (iOS und Android) werden in Kürze veröffentlicht. Einzelne Wissenschaftler und kleine Arbeitsgruppen nutzen die Software kostenlos; dafür ist eine Anmeldung erforderlich.


Über den Autor
Florian Hauer, promovierter Molekularbiologe, ist Mitgründer und COO des Berliner Unternehmens Labfolder.

Aus Nachrichten aus der Chemie» :: Dezember 2013