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Von der Idee zur Ausgründung - ein Unternehmen gründen im Bereich Life Sciences

Von Anke Wilde

Ein Unternehmen im Bereich Life Sciences zu gründen, ist mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden, denn gebraucht werden eine gute Ausstattung und fähige Köpfe. Wissenschaftler mit Gründungsambitionen finden in Deutschland eine durchaus fürsorgliche und freigiebige öffentliche Hand. Doch der Wettbewerb der Ideen ist hart. Über Wege und Möglichkeiten einer Ausgründung.

Von der Idee zur Ausgründung@ nicolas hansen - iStockphoto.comÜberblick über Wege und Fördermöglichkeiten für eine Ausgründung im Bereich Life Sciences
Nach Einschätzung des BMBF war es in den 90er Jahren noch relativ leicht, für innovative Ausgründungen bei privaten Geldgebern an Wagniskapital zu kommen. Mittlerweile verlangen die Investoren eine deutlich stärkere technologische Validierung von Gründungsideen, heißt es beim Ministerium. Mit anderen Worten beschreiben es Branchenvertreter: Potente Geldgeber sind bei der Förderung von Forschung & Entwicklung zögerlicher geworden; sie wollen ihr eigenes Risiko gering halten und erst dann einsteigen, wenn die Gewinnaussichten definitiv gut aussehen.

Gerade im vergangenen Jahr hat es beim Wagniskapital einen extremen Einbruch gegeben. Laut einer Studie des BMBF schrumpfte dessen Summe von 321 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 72 Millionen Euro 2011. Relativ stabil sind die öffentlichen Förderungen für die Branche - jährlich fließen durchschnittlich 13 Millionen Euro an Gründungsförderungen sowie etwa 30 Millionen Euro für Forschungsprojekte von kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Vier Förderprogramme hat das BMBF derzeit für Ausgründungen parat. Dazu gehört beispielsweise die Gründungsoffensive Biotechnologie, kurz GO Bio genannt. In den bislang vier Auswahlrunden seit 2006 wurden aus 400 Bewerbungen 34 Projekte bewilligt. Die Gründungsoffensive begleitet Forschungsprojekte in der Vorgründungsphase bis zu vier Jahre, eine Förderung über weitere drei Jahre ist nach der Firmengründung möglich. Derzeit läuft eine neue Auswahlrunde, deren Gewinner im November 2012 bekannt gegeben werden.

Brüten für das Gründungsprojekt

Eine weitere Initiative ist der Life Science Inkubator (LSI). Die Idee dafür ist aus der Max-Planck-Gesellschaft heraus entstanden. Es ist eine Public-Private-Partnership, zu der sich das BMBF, das Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, die NRW. Bank, die Sparkasse KölnBonn, das Bonner Forschungszentrum caesar sowie private Investoren zusammengetan haben. Mit der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft sind außerdem die Schwergewichte außeruniversitärer Forschung in Deutschland beteiligt.

Seit 2009 fördert und finanziert der LSI bundesweit Ausgründungsprojekte aus den Bereichen Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik. Sieben Gründungsvorhaben wurden seitdem aufgenommen. Wie bei GO Bio ist die Konkurrenz groß. 2011 beispielsweise wurden von rund 300 Projekten 79 genauer evaluiert, das heißt, sie wurden auf die Neuartigkeit und die Patentsituation des Konzepts hin überprüft, außerdem wurden das Team und die Aussichten des künftigen Unternehmens am Markt unter die Lupe genommen. Gerade einmal drei davon wurden tatsächlich in das Programm aufgenommen.

Von der Idee zur AusgründungMarion Schink ist Leiterin der Kommunikation am Life Science Inkubator (LSI)

Gründungscoaching für eingefleischte Forscher

Wer diese Hürde überwindet, für den werde ein Rundum-Sorglos-Paket geschaffen, "eine Art Trainingscenter, in dem die Wissenschaftler lernen können, wie man ein Unternehmen führt und Investoren das eigene Forschungsprojekt schmackhaft macht", sagt Marion Schink, Leiterin für Kommunikation am LSI. Wie sonst die Zellkulturen im warmen Brutschrank, sollen die angehenden Gründer unter anregenden Bedingungen und möglichst frei von administrativen Hemmnissen an ihrem Projekt tüfteln. Das Team zieht dafür nach Bonn und arbeitet am Forschungszentrum caesar als Angestellte des LSI an seinem Forschungsprojekt weiter. Die nötige Infrastruktur wird ebenfalls vom LSI gestellt.

Zusätzlich erhalten sie ein intensives Coaching zum Thema Führungsverhalten. "Aufgaben zu delegieren, wird an den Universitäten wenig geübt, aber für den Firmenerfolg ist dies Voraussetzung", so die Erfahrung von Schink. Die Wissenschaftler lernen, in Meilensteinen zu denken und klare Ziele festzustecken. Das erfordere eine andere Einstellung als das ergebnisoffene Experimentieren an Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Der Aufenthalt am Inkubator wird vom Bund und vom Land NRW mit bis zu zwei Millionen Euro je Projekt finanziert. Wer in das Programm aufgenommen wird, kann sich schon einmal auf zumindest einen Investor für sein entstehendes Unternehmen freuen. Teil des Programms ist eine Anschlussfinanzierung durch die LSI Pre-Seed-Fonds GmbH, sofern diese nach erfolgreicher Inkubation dem Transfer zustimmt. Zu dem Fonds gehören die beteiligten Banken, die außeruniversitären Einrichtungen und die privaten Investoren. Als Gegenleistung bekommt der Fonds einen Anteil an dem neu gegründeten Unternehmen. Dieser variiert je nach Inkubationszeit - 15 Prozent Sockelbetrag für das erste Jahr zuzüglich 0,8 Prozent für jeden weiteren Monat. Nach drei Jahren am LSI erhält der Fonds also einen Anteil von 34,2 Prozent.

Von der Idee zur AusgründungJörg Fregien ist Geschäftsführer des LSI, welches bundesweit Ausgründungsprojekte aus den Bereichen Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik finanziert

Pilotprojekt für weitere Inkubatoren

Im Vergleich zu anderen Gründungsförderprogrammen steigt der LSI schon sehr früh in die Unternehmensentwicklung ein, sagt LSI-Geschäftsführer Jörg Fregien. Zu diesem Zeitpunkt sei das Risiko zu scheitern noch sehr hoch. Das unternehmerische Know-How des LSI, die umfassende Evaluierung und Projektsteuerung jedoch sollen gewährleisten, dass das Gründungsprojekt nicht aus wirtschaftlichen Gründen missglückt. "Bei der Forschung besteht freilich immer ein Risiko über den Erfolg, und das können wir nicht ausschließen." Fregien ist überzeugt, dass sich mit dem LSI eine 50-prozentige Erfolgsquote erreichen lässt - vergleichbar zu anderen, wesentlich später einsetzenden Gründungsprogrammen. Bis dato liegt der Inkubator gut im Rennen: eine Ausgründung sei schon geschehen, eine weitere sei im Gange, verkündet Fregien nicht ohne Stolz.

Inzwischen soll der LSI auch in andere Bundesländer gebracht werden. Mit den zuständigen Ministerien und möglichen Investoren wird bereits verhandelt. Geplant ist ein Ableger in Dresden, ein weiterer soll in Göttingen entstehen. Dieser werde jedoch im Bereich Photonics und optische Technologien angesiedelt sein, einem weiteren hochinnovativen Technologiebereich in Deutschland. Schließlich, so Fregien, "lässt sich das Modell des Life Science Inkubators ja auch auf alle anderen Wissenschaftsfelder übertragen."


Weiterführende Links
www.life-science-inkubator.de»
www.bmbf.de/de/16665.php»


academics :: Oktober 2012