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Von wegen Bulimie

Von JAN-MARTIN WIARDA

Den Bologna-Studenten geht es viel besser als behauptet.

Von wegen Bulimie© Michael Krinke - iStockphoto.comBologna-Absolventen haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Wer hätte das gedacht nach all den wütenden Protesten. Hieß es nicht gerade noch, Bologna mache aus Studenten gestresste Bulimielerner, verweigere ihnen durch brutal niedrige Masterquoten den Zugang zu einem Vollstudium und werde infolgedessen Jobversager en masse produzieren?

Jetzt folgt der Realitäts-Check: Laut einer Studie der Uni Hamburg wenden Bachelorstudenten im Schnitt nur 26 Stunden pro Woche für ihr Studium auf. Und das Internationale Zentrum für Hochschulforschung Kassel hat auf Grundlage der bisher größten Stichprobe von Bologna-Absolventen herausgefunden, dass satte 78 Prozent der Uni-Bachelors ins Masterstudium übergehen. Gleichzeitig, so die Studie, gelinge jenen, die nicht weiterstudieren wollen, der Einstieg in den Arbeitsmarkt genauso gut wie Diplom- und Magisterabsolventen.

Und sogar 27 Prozent haben am Ende ihres Masters eine Zeit lang im Ausland studiert - gegenüber 19 Prozent bei den traditionellen Studenten. Es sind übrigens nicht die ersten Studien, die zu solchen Ergebnissen kommen, sodass alle, die sich auskennen, nicht wirklich überrascht sind.

All jene, die allzu erbost den Bachelor verdammt haben, sollten sich fragen, ob sie sich bei aller berechtigten Kritik nicht vor den Karren derjenigen haben spannen lassen, die ganz eigene Interessen an der Verhinderung einer studentenorientierten Reform haben. Konservative Professorenverbände zum Beispiel.

Aus DIE ZEIT :: 07.10.2010

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