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Vorgestellt: Der Rat für Nachhaltige Entwicklung


Von Birk Grüling

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung berät die Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit. Neben konkreten Empfehlungen an die Politik gehört auch das Anregen einer öffentlichen Diskussion und das Auszeichnen von Engagement zu seinen Aufgaben.

Vorgestellt: Der Rat für Nachhaltige Entwicklung© Günther BachmannGeneralsekretär Dr. Günther Bachmann berät die Bundesregierung zum Thema Nachhaltigkeit
2001 rief der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) das Beratungsgremium ins Leben und auch Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) setzt bis heute auf die Impulse der 15 Experten. Zu den Aufgaben des Rates gehören die Entwicklung von Beiträgen zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Benennung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten sowie die Anregung einer öffentlichen Diskussion zu dem Thema "Nachhaltigkeit". Diese Aufgaben seien mehr als nur Worthülsen, darauf legt Generalsekretär Dr. Günther Bachmann großen Wert. "Wir beraten direkt die Bundesregierung und berichten dem Chef des Kanzleramts. Unser Wort findet Gehör", erklärt er.

"Urban Mining"

Hinter dem Fachbegriff "Urban Mining" steht nichts anders als ein konsequentes Recycling. Beispielsweise lassen sich aus alten Elektrogeräten wie Handys Edelmetalle wie Gold, Kupfer oder sogar seltene Erden herausfiltern und neu nutzen. Die Rückgewinnungsquote kann hier im besten Fall bei 80 Prozent liegen und damit eine größere Unabhängigkeit auf dem Weltmarkt schaffen.

Nachhaltige Politik und Förderprogramme

Nachhaltiges Handeln soll in Deutschland auch durch Preise und Förderprogramme attraktiv gemacht werden. Die Bundesregierung fördert beispielsweise Forschungsprojekte zum Thema Nachhaltigkeit» und zwar fachübergreifend. Die Projektförderung erfolgt dabei vor allem durch drei Programme: "Forschung für die Nachhaltigkeit", Energieforschung "Innovation und neue Technologien" und "Nachwachsende Rohstoffe".

Darüber hinaus sind in der Förderdatenbank des Bundes» über 200 Projekte ausgeschrieben. Eine angesehene Auszeichnung hat man außerdem mit dem "Deutschen Nachhaltigkeitspreis"» geschaffen. Ausgezeichnet werden neben Unternehmen auch Gemeinden und Städte, die sich sozial, ökonomisch und ökologisch engagieren. Am Rande der Preisverleihung findet jährlich ein Kongress zum Thema statt.

Die Bundesregierung vergibt bereits zum zweiten Mal den Forschungspreis "Nachhaltige Entwicklung"». Eingereicht werden können ab sofort wissenschaftliche Beiträge zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und der Hightech-Strategie. Bewerbungen werden bis zum 15.06.2013 entgegengenommen.
Ein Beispiel für eine konkrete Empfehlung des Rates ist die Einführung einer Politik zum sogenannten Urban Mining. Traditionell setzt die deutsche Rohstoffpolitik auf die Sicherung von Ressourcen im Ausland. Die Experten rieten der Bundesregierung, eine Rohstoffversorgung der Zukunft stärker in den Fokus zu stellen. Mit der Förderung der Bundesregierung wird nun verstärkt an der Technologie und den nötigen Indikatoren für das Urban Mining geforscht. Zäher ist dagegen die Diskussion um die Besiedlung von Landschaften. Hier empfiehlt der Nachhaltigkeitsrat eine Drosselung des Bebauungstempos, die Politik verweist dagegen auf die Notwendigkeit. "Auf manche unserer Vorschläge reagiert man schneller und andere erfordern viele Gespräche und auch Zugeständnisse", erklärt Bachmann.

Anerkennung als Anreiz

Ein anderes Beispiel für die Arbeit des Rates ist das Qualitätslabel "Werkstatt N". Pro Jahr werden damit rund 100 Nachhaltigkeitsprojekte ausgezeichnet. "Es sind Projekte, von deren Arbeit wir besonders überzeugt sind. Die Auszeichnung ist ein Zeichen der Anerkennung und hilft, das Thema Nachhaltigkeit zur Normalität zu machen", erklärt der Generalsekretär. Zuletzt ausgezeichnet wurden beispielsweise ein Projekt, das Biolebensmittel in Großküchen etabliert oder ein Bildungsprogramm, das Kinder über die Auswirkungen von Plastikmüll auf die Umwelt aufklärt. "Für die Anerkennung dieses ehrenamtlichen Engagements besteht eine politische Bringschuld. Diese Auszeichnung ist ein erster Schritt", so Bachmann weiter.

Das große Pendant der "Werkstatt N" ist der "Deutsche Nachhaltigkeitspreis". An seiner Entwicklung war der Rat ebenfalls beteiligt. Verliehen wird er jährlich an nachhaltige Unternehmen und neuerdings auch an Gemeinden und Kommunen. "Ich halte den Preis für ein gutes Zeichen für nachhaltiges Wirtschaften. Gleichzeitig bietet er Diskussionsforum und Austauschplattform für die Akteure", sagt er. Dieser Austausch ist gerade für die Weiterentwicklung von Strategien und der Etablierung von Best-Practice-Beispielen wichtig. Für die richtigen Nachhaltigkeitsstrategien gibt es nämlich kaum Patentlösungen. "Manche Wege sind schwieriger als andere, für die richtigen Strategien sollte es deshalb auch politische Unterstützung geben, sei es nun in Sachen Bildung oder durch Anreize. Im Gegenzug müssen die Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen anpassen", so Bachmann.

Auch wenn die Debatte um die Nachhaltigkeit in Deutschland schon in eine positive Richtung geht, gibt es aus Sicht des Experten aber auch Kritikpunkte. Beispielsweise sei die Diskussion um Nachhaltigkeit noch zu leise und schüchtern. Gerade im globalen Kontext bestünde noch Nachholbedarf sowohl aufseiten der Regierung als auch der Wirtschaft. So hätten bisher nur 50 Unternehmen den "Deutschen Nachhaltigkeitskodex", ein Leitlinienkatalog für sozial und ökologisch verantwortliches Wirtschaften, unterschrieben. Für Bachmann dürften es gerne zehn Mal so viele sein, auch die Investitionspolitik des Bundes und der Länder kommt nicht gut weg. "300 Milliarden Euro geben wir pro Jahr aus, die Kriterien der Nachhaltigkeit spielen dabei kaum eine Rolle", so der Experte. So zählten die schnellen Baukosten weitaus mehr als langfristig geringere Kosten oder Energiesparsamkeit. "Hier gibt es auch für uns viel Überzeugungsarbeit zu leisten", ist er von einer langfristigen Perspektive für den Nachhaltigkeitsrat überzeugt.

academics :: Juni 2013


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