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Was Chemiker verdienen

Von Heike Friedrichsen

Chemiker gehören zu den Gutverdienern unter den Akademikern. Sie forschen in Labors und sind als Experten im Umweltschutz gefragt, sie beraten Unternehmen und pflegen Kontakte im internationalen Großkundengeschäft. Die Arbeitsfelder von studierten Chemikern sind vielfältig wie die Gehälter - positiv auf das Gehalt wirken sich ein Promotionstitel, eine Stelle in der Industrie und Verantwortung im Job aus.

Was Chemiker verdienen© esemelwe - iStockphoto.comChemiker lockt die Industrie mit deutlich höheren Gehältern als Hochschulen und Forschungseinrichtungen
Ein großer Teil der Absolventen geht direkt in die Industrie - zu Pharmaunternehmen, in die Ölbranche, zu Farb-, Reinigungsmittel-, Kunststoff- oder Düngemittelherstellern oder zu Produzenten von Kosmetik- oder Lebensmittelzusätzen. So auch Anke Richter*, studierte und promovierte Chemikerin: "Überzeugt haben mich die Entwicklungsmöglichkeiten, die Verantwortung und nicht zuletzt das Gehalt", sagt die Laborleiterin. Tatsächlich verdienen Chemiker in der Industrie in der Regel mehr als ihre Kollegen an Forschungsinstituten. Während Berufseinsteiger in der chemischen Industrie mit rund 52.200 Euro Jahresgehalt rechnen können, sind es bei Forschungsinstituten gerade einmal 38.450 Euro. Im Durchschnitt liegen die Einstiegsgehälter laut Vergütungsberatung PersonalMarkt bei 43.700 Euro jährlich.

Industrie lockt mit hohen Gehältern

Dass so viele Nachwuchswissenschaftler in die Industrie gehen, hat nicht nur mit dem Gehalt, sondern auch mit steinigen Qualifikationswegen, unsicheren Karriere-Aussichten und vielfach befristeten Verträgen in den öffentlichen Forschungseinrichtungen zu tun. Nur ein paar Chemiker schaffen den Sprung auf eine der wenigen Professorenstellen oder an die Spitze einer außeruniversitären Forschungseinrichtung, alle anderen bleiben zu lange Hilfswissenschaftler: mit befristeten Verträgen, um deren Verlängerung sie immer wieder bangen müssen und einem vergleichsweise niedrigen Gehalt. Der Wechsel in die Industrie wirkt sich fast immer positiv auf das Gehalt aus.

Promotion ist für Chemiker Pflicht

Gerade in den Forschungsabteilungen, in die ein Großteil der Absolventen einsteigt, wird er für unverzichtbar gehalten: Der Doktortitel. Und tatsächlich haben die meisten Chemiker promoviert. Eine Promotion kostet zwar Lebenszeit und Nerven - bringt aber auch einen klaren finanziellen Vorteil. Auf rund 57.000 Euro Jahresgehalt kommen Chemiker ohne Promotion, mit Promotion sind es im Schnitt 63.000 Euro.

Kleine Firma, kleines Geld

Rund 2.000 Unternehmen gehören in Deutschland zur chemischen Industrie. Über 90 Prozent davon sind kleine und mittlere Unternehmen. "Ich wollte gerade nicht so spezialisiert an Detailfragen arbeiten, sondern stärker in Prozesse eingebunden sein", begründet Tobias Richter* seine Entscheidung, nicht bei einem der Big-Player der Chemiebranche, sondern bei einem Mittelständler anzufangen. Seit knapp drei Jahren arbeitet der Chemiker als Projektleiter in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Und schätzt vor allem die flachen Hierarchieebenen und die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen aus anderen Abteilungen: "Dadurch sind die Entscheidungswege relativ kurz, so kann ich immer schnell und adäquat reagieren", sagt Richter.

Gehalt chemische Industrie

Der Tipp vom PersonalMarkt zum Gehalt : Was zählt ist, wie viel man leistet, wie gut man etwas macht und was man im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern in ähnlichen Unternehmen verdient.

Gehälter in chemischen Industrie
Gehälter in Life Sciences
Der Nachteil: Es gibt zwar seltener starre Vergütungsregeln, aber laut der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. sind viele der kleinen und mittelständischen Firmen, die Chemiker beschäftigen, nicht im Bundesarbeitgeberverband Chemie vertreten und damit auch nicht an dessen Tarife gebunden. Sie zahlen daher meist weniger: Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern entlohnen ihren akademischen Nachwuchs im Schnitt mit rund 40.400 Euro Jahresgehalt. Wer dagegen einen Arbeitsvertrag bei einem Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern unterschreibt, kann mit einem Einstiegsgehalt von über 50.000 Euro rechnen.

Personalverantwortung schlägt stark zu Buche

Die Gehälter für Berufseinsteiger liegen noch relativ nah beieinander. Mit zunehmender Berufserfahrung kann die Bezahlung jedoch sehr unterschiedlich ausfallen - insbesondere in Positionen mit hoher Verantwortung. Auch leistungs- und erfolgsbezogene Gehaltsbestandteile spielen dann eine immer größere Rolle. Wer mehr als zehn Jahre als Diplom-Chemiker arbeitet, verdient im Schnitt 70.000 Euro, die Spannen liegen dann bereits zwischen 50.000 und 80.000 Euro. Ein deutliches Plus auf dem Gehaltskonto bringt die Übernahme von Führungsaufgaben. Diplom-Chemiker mit Personalverantwortung verdienen im Schnitt 92.800 Euro, ihre Kollegen ohne Personalverantwortung kommen auf 58.500 Euro.

Chemiker mit betriebswirtschaftlicher Zusatzausbildung

Viele Chemiker bilden sich mit einem BWL-Aufbaustudiengang fort und wählen eine Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Forschung und Marketing. Spannend sind zum Beispiel Jobs im Patentwesen oder in der Medikamentenzulassung, aber auch der Vertrieb bei Pharmaunternehmen oder bei Herstellern von Laborgeräten kann eine interessante Herausforderung sein. Zahlreiche Chemiker mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen finden außerdem im Produktmanagement und in der Unternehmensberatung ein lukratives Beschäftigungsfeld.

* Name von der Redaktion geändert

Quelle: academics

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