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Was das Ranking bringt

Von Thomas Kerstan

Es schafft Transparenz und gibt nützliche Hinweise, wenn man es mit der nötigen Distanz liest.

Was das Ranking bringt© kallejipp - Photocase.comIst das Ranking eine echte Hilfe bei der Studienwahl?
Sagen die Ranglisten auf der folgenden Seite eigentlich etwas aus, oder schaffen sie nur »Scheintransparenz«, wie Kritiker behaupten? Kann man die Qualität einer Hochschule überhaupt messen? Sind die Methoden sauber, mit denen die Rankingdaten erhoben werden, und sind die Daten gegen Manipulation gesichert? Kurz: Ist das Ranking eine echte Hilfe bei der Studienwahl?

Wir stellen uns jedes Jahr aufs Neue diese Frage und setzen uns ernsthaft mit der Kritik auseinander, die von einigen Wissenschaftlern, Hochschulmanagern und Studenten am Ranking geübt wird. Auch in diesem Jahr sind wir zu dem Urteil gekommen, dass die Ranglisten aussagekräftige Informationen enthalten, die bei der Studienwahl helfen. Sie zeigen Unterschiede auf, die in der Realität zu finden sind. Die Methoden sind transparent und entsprechen wissenschaftlichen Standards; Manipulationsversuche können entdeckt werden und führen zum Ausschluss aus dem Ranking.

Wir haben uns ganz bewusst für das CHE-Ranking entschieden, weil es seriös erstellt wird und simple Antworten vermeidet. Es kürt nicht »die beste Uni«, weil die Qualität von Fach zu Fach schwanken kann - und weil jeder unterschiedliche Maßstäbe anlegt. So wie Bauern und Urlauber sicher verschiedener Ansicht darüber sind, was ein schöner Sommer ist. Das CHE-Ranking vermischt nicht wie manche andere Ranglisten unzulässig die Leistung einer Hochschule in der Forschung mit der in der Lehre zu einer Gesamtnote. Viel Kritik, die allgemein - und zu Recht - an Rankings geübt wird, trifft deshalb auf dieses Ranking nicht zu.

Ernst nehmen wir ohne Frage die Kritik an der Aussagekraft einzelner Indikatoren. Sicher ist die Zahl der Promotionen pro Professor allein kein Kriterium für die Forschungsstärke eines Fachbereichs. Die Promotionen können ja von minderer Qualität sein. Und so ist - isoliert betrachtet - fast jeder Indikator angreifbar. Aussagekräftig wird das Ranking aber, wenn man mehrere Indikatoren zusammen betrachtet. Wenn an einer Fakultät kaum Promotionen abgelegt werden, nur wenige wissenschaftliche Veröffentlichungen vorzuweisen sind und nur wenig Forschungsgeld eingeworben wird, dann kann man davon ausgehen, dass es dort um die Forschung nicht zum Besten steht.

Über die Auswahl der Indikatoren muss immer wieder nachgedacht werden, wir halten sie aber im Großen und Ganzen für informativ. Sicher ist das Raster des Rankings, wie hier und da moniert wird, nicht fein genug, um einzelne hervorragende Hochschullehrer aufzuspüren, die an ansonsten mittelmäßigen Fakultäten forschen. Hier sind schlicht die Grenzen einer solchen Erhebung erreicht, die mit Durchschnittswerten arbeiten muss, um verständlich zu bleiben.

Einige Kritiker stören sich zudem daran, dass die subjektiven Urteile der Studenten eine so große Rolle spielen, und machen sich über ein »Wohlfühl«-Ranking lustig. Wir hingegen halten es für einen Fortschritt, dass die Zufriedenheit der Studenten, die ein wichtiger Indikator für die Qualität der Lehre ist, ein Gesicht bekommt. Bislang beruht die Reputation (und die finanzielle Ausstattung) einer Universität im Wesentlichen auf den Forschungsleistungen, während die Lehre als Stiefkind gilt. Zudem stimmt die subjektive Zufriedenheit der Studenten an einem Fachbereich meist mit objektiv messbaren Indikatoren überein, etwa der Zahl der Studenten, die von einem Professor betreut werden, oder der Ausstattung der Bibliothek. Und wem die Zufriedenheit mit dem Studium nicht so wichtig ist, der kann sich auf jene Indikatoren konzentrieren, welche die Forschungsleistung zeigen.

Auch ein weiterer Kritikpunkt ist nicht ganz von der Hand zu weisen: dass das Ranking teilweise ungerecht ist. Es misst nur die vorgefundene Qualität und ist »blind« für deren Ursachen. Vielleicht hat eine Hochschule in einer Disziplin Stellen abgebaut. Oder viele Professuren waren gerade nicht besetzt, als die Daten erhoben wurden. Die Ursachen für Qualitätsmängel herauszufinden und diese abzustellen kann aber nur Aufgabe der einzelnen Hochschulen und der Politik sein.

Wir nehmen die Kritik am Ranking also ernst, sie lässt uns aber nicht daran zweifeln, dass die hier veröffentlichten Ranglisten eine gute Entscheidungshilfe für die Studienwahl sind. Im Kern geht es uns darum, den angehenden Studenten so viele Informationen wie möglich zu geben, damit sie sich daraus ein eigenes Bild machen können. Vielen Rankingkritikern ist nicht bewusst, wie die Zeiten sich gewandelt haben. Im Westdeutschland der sechziger Jahre gab es nur eine Viertelmillion Studenten, heute sind es in ganz Deutschland rund zwei Millionen, und die Hochschullandschaft ist wesentlich vielfältiger geworden. Es sind also neue Methoden nötig, um Transparenz in einem unübersichtlichen Feld zu schaffen - gerade wenn man Kindern von Arbeitern und Einwanderern den Weg ins Studium erleich tern will. Wenn Opa schon in Heidelberg Jura studiert hat und Mutti in Berlin Medizin, dann hat man es sicher leichter.

Als Leserin oder Leser der Ranglisten sollte man aus der Kritik den Nutzen ziehen, alles mit der nötigen Skepsis zu betrachten und die Informationen als Hinweise zu sehen, nicht als unumstößliche Wahrheiten. Dann kann man das Ranking mit Gewinn lesen.

Aus DIE ZEIT :: 06.05.2010

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