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Was Exzellenz so exzellent macht

VON THOMAS KERSTAN

Eine neue Studie untersucht die Förderung von Spitzenforschung.

Was Exzellenz so exzellent macht© C-PROMO.de - photocase.deDie Förderung der Spitzenforschung zahlt sich ökonomisch aus
Lohnt sich die Spitzenforschung eigentlich für Deutschland? Zusätzlich zu den mehr als 20 Milliarden Euro, die der deutsche Steuerzahler jährlich für die Forschung aufbringt, wird für die Exzellenzinitiative zur Förderung von Top-Forschung an Universitäten eine weitere halbe Milliarde Euro fällig. Sicher, der menschliche Wissensdurst ist unstillbar. Gerade die Deutschen wollen wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Das ist Zweck genug und muss sich nicht unbedingt wirtschaftlich rentieren. Weil es aber nicht unendlich viele Steuergelder gibt, ist die Frage erlaubt, ob sich Spitzenforschung auch ökonomisch rechnet. Darüber hinaus ist Spitzenforschung überwiegend Grundlagenforschung, die erst nach Jahren oder Jahrzehnten zu konkreten Produkten führt. Sollte das Geld nicht lieber in die angewandte Forschung fließen, die schneller zu Ergebnissen führt, die man sehen und anfassen kann?

Diesen Fragen ist der Ökonom Dirk Christian Dohse mit Kollegen vom Kieler Institut für Weltwirtschaft nachgegangen. In seiner Studie im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung kommt er zu dem Schluss: Ja, staatlich finanzierte Spitzenforschung ist wichtig für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes und bringt der Privatwirtschaft Zinsen. Insofern ist die Exzellenzinitiative auch eine ökonomisch sinnvolle Geldanlage. Grundlagenforschung, so die Studie (die hier der Vernunft folgt), ist für viele Unternehmen der erste wichtige Schritt einer Innovationskette. Wenn beispielsweise die Physikerin Marie Curie die Radioaktivität nicht entdeckt hätte, hätte niemand damit Geld verdienen können. Grundlagenforschung ist aber so teuer, und ihre Ergebnisse sind so unberechenbar, dass sie nur mit staatlicher Finanzierung betrieben werden kann. Private Unternehmen beschränken sich auf anwendungsnahe Forschung und Entwicklung.


Beim Wissenstransfer, also dem Import des Wissens aus der Uni ins Unternehmen, ist laut Dohses Studie die gegenseitige Nähe ein Vorteil. Forschungsergebnisse werden zwar meist für alle nachlesbar veröffentlicht, aber eine große Rolle spielen die persönlichen Kontakte. Die Forscher kennen nicht nur das veröffentlichte Ergebnis, sondern wissen zum Beispiel auch, welche Experimente vorher gescheitert sind. Universitätsnahe Firmen profitieren von diesem Übertragungseffekt (für Experten: »Wissens-Spill-over«). Dohses Studie zeigt auch, dass der ökonomische Nutzen universitärer Forschung für Privatfirmen empirisch belegbar ist. Amerikanische und deutsche Untersuchungen zeigten, dass rund ein Zehntel innovativer Produkte und Verfahren in Firmen ohne diese Forschung nicht oder erst erheblich später marktreif geworden wären. Empirisch belegt ist auch ein selbstverstärkender Effekt: Unternehmen, die universitäre Forschung nutzen, investieren mehr in ihre eigene Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Positiv wirke sich auch die Übernahme von Universitätsforschern als Fachkräfte in der Wirtschaft aus. Weil diese Spitzenkräfte aber hochgradig mobil seien, zöge es sie vor allem in Regionen mit attraktiven Arbeitsmöglichkeiten. Die Förderung der Spitzenforschung zahlt sich also ökonomisch aus. Die Wissenschaftsminister sollten sich die Studie schon mal fürs nächste Gespräch mit ihren Finanzministern zurücklegen.

Aus DIE ZEIT :: 12.05.2016

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