Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Wechsel aus der Forschung in die Hochschulverwaltung?

Wechsel aus der Forschung in die Hochschulverwaltung?© Fotolia.com

In Kürze schließe ich meine Promotion an einem Max-Planck-Institut ab. Derzeit habe ich eine 3-jährige PostDoc-Stelle an einem Exzellenzcluster. Obwohl meine Karriere bislang gut verläuft, habe ich Zweifel, ob ich auf Dauer im Forschungsbetrieb bleiben möchte. Einerseits habe ich Interesse an meinem Fach und schätze die Interaktion mit "Gleichgesinnten". Andererseits störe ich mich an vielen Eigenschaften des Forschungsbetriebs. Mein Eindruck ist, dass es vielen nicht mehr darum geht, wirklich zu erforschen, sondern vor allem, im Eigeninteresse andere Meinungen und Perspektiven außen vor zu halten (wie im peer-review-System). Hinzu kommt die berüchtigte prekäre Jobsituation (nicht sozialversicherte Stipendien statt Verträge, keine Aussicht auf unbefristete Anstellung).

Aus diesen Gründen trage ich mich mit dem Gedanken, in die Hochschulverwaltung zu wechseln. Ich habe viel Spaß am Organisieren und interessiere mich für Hochschul- und Wissenschaftspolitik. In meiner Promotionsphase war ich z.B. aktiv in der Doktorandenvertretung der MPG und in diversen Gremien an unserem Institut tätig.

Konkret hätte ich jetzt die Möglichkeit, Referentin für den Präsidenten unserer Universität zu werden. Ich bin mir jedoch nicht sicher, was die mittel- und langfristigen Perspektiven sind, und ob ich die Entscheidung, die Forschung zu verlassen, später nicht bereuen könnte. Werde ich am Ende doch nur Sitzungsprotokolle schreiben? Die echten Entscheidungen werden von Präsidenten/Rektoren/Dekanen etc. getroffen, die wiederum alle doch noch im Forschungsbetrieb arbeiten.

Auch, wenn Sie mir die Entscheidung nicht abnehmen können, würde ich mich freuen, wenn Sie mir allgemein etwas zu den Möglichkeiten in der Hochschulverwaltung/Wissenschaftspolitik sagen könnten, und wie Wissenschaftler den Wechsel von der Forschung in diesen Bereich erfahren.

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Ihre Frage lässt sich im Rahmen der academics Karriereberatung leider nicht abschließend beantworten, da es sich insoweit im Falle eines Wechsels in die Hochschulverwaltung nicht um eine wissenschaftliche Karriereplanung handelt. Dies gilt insbesondere für Ihre Arbeits- und Einsatzmöglichkeiten als Referentin für den Präsidenten Ihrer Universität. Insoweit lassen sich die mittel- bzw. langfristigen Perspektiven aus unserer Sicht leider nicht abschätzen.

Im Rahmen Ihrer Entscheidung sollten Sie jedoch grundsätzlich bedenken, dass die Tätigkeit in der Hochschulverwaltung bzw. Wissenschaftspolitik langfristig sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen kann. Soweit Sie beispielsweise in Ihren Themenfeldern weiterhin aktiv sind, beispielsweise durch Publikationen oder Vorträge etc., können Sie durchaus auch eine entsprechende Weiche zurück in die Forschung stellen.

Andererseits muss jedoch auch bedacht werden, dass es sich bei der Tätigkeit in der Verwaltung um eine gänzlich andere als im Rahmen der Forschung handelt, was durchaus zu Schwierigkeiten im Falle Ihrer Rückkehr führen könnte. Empfehlenswert ist darüber hinaus, dass Sie beispielsweise Ihr bestehendes Netzwerk weiterhin aufrechterhalten bzw. pflegen, um eine Rückkehr in den Forschungsbetrieb zu ermöglichen.
Ausgewählte Stellenangebote