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Wege zur Professur: Die Habilitation und ihre Alternativen

Von Sara Mously

Egal, ob es der klassische Weg ist über die Habilitation, eine Juniorprofessur angestrebt wird oder ein Nachwuchsprogramm wie das Emmy-Noether-Programm: Das Ziel ist das gleiche auf dem Weg von der Promotion zur Professur. Ein Überblick.

Wege zur Professur© Giorgio Fochesato - iStockphoto.com
Karrieregipfel Professur - wer diese weithin sichtbare Erfolgstufe erreicht hat, genießt die größtmögliche Selbständigkeit in Forschung und Lehre - und dazu meist einen unbefristeten Beamtenstatus. Zudem können sich die Gehälter der 38020 Professoren in Deutschland im Vergleich zu dem anderer Hochschulmitarbeiter sehen lassen. Das durchschnittliche Bruttoeinkommen in der eines W3-Professors betrug 2004 knapp 79400 Euro.

Viele Wege, ein Ziel

Doch der Weg zur Professur ist lang: 41,1 Jahre beträgt das Durchschnittsalter bei der Berufung - eine Zahl, die weder mit der Zeit noch zwischen den Fachbereichen wesentlich variiert.

Zunächst ist die Promotion, sieht man von einigen künstlerischen Fächern ab, absolute Voraussetzung für eine spätere Berufung. Das gilt an Universitäten genauso wie an Fachhochschulen. Doch danach trennen sich die Wege der künftigen Lehrmeister. Juniorprofessur und Postdoc-Programme bieten vielfältige Möglichkeiten, auch ohne Habilitation eine Professorenstelle zu ergattern.

Für die Berufung zur Professur an einer Fachhochschule sind weder Habilitation noch ein spezielles Postdoc-Programm nötig. Hier zählen dagegen die Erfahrungen aus der Praxis. Der Bewerber muss mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen, drei davon außerhalb der Hochschule.

Klassiker Habilitation

Der Weg zur Universitätsprofessur ist dagegen stärker formalisiert. Noch ist die "Habil" der am häufigsten gewählte Weg dorthin. Nachwuchswissenschaftler arbeiteten dabei sechs Jahre lang an einer Universität - befristet verbeamtet oder angestellt - und verfassen die Habilitationsschrift.

Häufig wurden und werden Professorenstellen jedoch auch auf anderem Wege vergeben: Wenn Bewerber Leistungen nachweisen können, die als "habilitationsadäquat" gelten. Gute Chancen haben oft haben Ingenieure, die in der Industrie schon hohe Posten bekleidet haben, oder Künstler, deren kreative Leistung überzeugt.

In den Naturwissenschaften kommen Kandidaten in Frage, die sich in den öffentlichen Forschungsinstituten einen Namen gemacht haben. Auch Wissenschaftler aus dem Ausland oder deutsche Forscher, die nach ihrer Promotion im Ausland tätig waren, können sich ihre dort erbrachten Leistungen anerkennen lassen.

Alternative Juniorprofessur

Seit 2002 qualifiziert neben der Habilitation auch die Position als Juniorprofessor zur Berufung zum Universitätsprofessor. Juniorprofessoren können bis zu sechs Jahre lang unabhängig forschen und sind berechtigt, Prüfungen abzunehmen. Sie haben, weil die Habilitationsschrift wegfällt, mehr Zeit für das Einwerben von Drittmitteln und für Publikationen und können sich so frühzeitiger auf dem Wissenschaftsmarkt positionieren.

Inzwischen wird immer häufiger auch die aus dem US-amerikanischen entlehnte "Postdoc"-Phase als Karriereschritt zwischen Promotion und Professur anerkannt. Stipendien und Programme helfen in dieser Zeit, den Weg zum selbstständigen Wissenschaftler zu bewältigen.

Der dritte Weg: Postdoc-Stipendien

Eines der renommiertesten Postdoc-Stipendien ist das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)». Das Programm legt einen deutlichen Schwerpunkt auf der Nachwuchsgruppenleitung. Die Stipendiaten können sich "ihre" Universität frei wählen und bekommen Forschungsmittel für ihr Projekt zur Verfügung gestellt. Deutsche und ausländische Wissenschaftler sind in der Bewebung gleichberechtigt. Voraussetzung ist jedoch, dass die Bewerber im Anschluss eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland planen.

Wird schließlich ein passender Lehrstuhl frei - das Statistische Bundesamt schätzt, dass 2010 knapp 1100 Stellen vakant werden, stellt die Fakultät eine Kommission zusammen, die sechs bis acht Bewerber zum Vorstellungsgespräch und zu einer Probevorlesung einladen.

Die Berufungskommissionen achten vor allem darauf, dass Bewerber hervorragende Forschungsleistungen in ihrem Spezialgebiet aufweisen. In den Ingenieur- und Erziehungswissenschaften, im Bereich der Kunst und an Fachhochschulen sind dagegen eher Berufserfahrungen außerhalb der Hochschule wichtig.

Karriere-Links für Frauen

Der Weg zur Professur - ein harter, aber fairer Wettstreit? Davon ist die Personalstruktur der deutschen Hochschullandschaft noch weit entfernt. Zwar ist der Anteil der Professorinnen in den vergangenen Jahren angestiegen, doch noch immer sind Frauen in den Hochschul-Chefetagen der die Ausnahme: Nur 16 Prozent der Lehrstuhlinhaber sind weiblich.

Um dieses Gefälle zu minimieren, hat die Universität Bonn das Center of Excellence Women and Science ins Leben gerufen. Das Projekt strebt die "Chancengleichheit von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung in Deutschland" an. Neben einer Reihe von Evaluationen bestehender Gleichstellungsmaßnahmen werden Bewerbungstrainings angeboten, und hochrangige Wissenschaftlerinnen können sich in einer Datenbank vernetzen.

Darüber hinaus unterstützt die Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung» zusammen mit der UNESCO» Mütter in der Wissenschaft. Das Projekt soll dazu beitragen, dass sich "mehr hochqualifizierte Frauen an der Spitzenforschung in Deutschland beteiligen".

Quelle: academics

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